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Augenpflege und Augenprobleme bei Kaninchen


Gesunde Kaninchen haben große, klare und glänzende Augen. Kaninchen pflegen ihre Augen normalerweise allein, man braucht als Besitzer hier nicht einzugreifen. Was ist aber, wenn das Kaninchen plötzlich verklebte oder tränende Augen hat, die manchmal sogar das umliegende Fell mit einbeziehen und nass werden lassen? Oder wenn das Kaninchen Schwierigkeiten hat, seine Augen zu öffnen, häufig blinzeln muss oder rot entzündete Lider hat?

Das sind sehr auffällige Anzeichen, dass mit den Augen des Kaninchens etwas nicht stimmt. Viele Augenprobleme lassen sich durch eine gesunde Haltung und aufmerksame Beobachtung vermeiden oder schnell beheben. Aber nicht alle Erkrankungen können durch gute Pflege verhindert werden. Bei auffälligen Augenproblemen, die nicht innerhalb von ein paar Stunden wieder verschwunden sind, sollte daher immer unbedingt der Tierarzt aufgesucht werden. Eine rechtzeitige kompetente Behandlung durch einen Tierarzt ist die beste Voraussetzung für eine vollständige Heilung.

Was kann der Besitzer tun, um Augenprobleme seines Kaninchens zu vermeiden?

Ganz wichtig, damit Augenprobleme gar nicht erst auftreten, ist die richtige Haltung des Kaninchens. Sie beginnt mit der Wahl des Standortes für das Gehege: Kaninchen reagieren sehr empfindlich auf ständige Zugluft. Das Gehege sollte daher an einem vor Durchzug geschützten und allgemein natürlich auch ruhigen Platz aufgestellt sein.

Wichtig ist außerdem, dass die Kaninchen nicht ausschließlich der hellen Sonne ausgesetzt sind und genügend Rückzugsmöglichkeiten haben. Kaninchen sind dämmerungsaktive Tiere und können vor allem in der Dunkelheit ausgezeichnet sehen. Sie können jedoch ihre Pupillen hellen Lichtveränderungen nur schwer anpassen und sind daher in grellem Licht schnell geblendet. Wichtig sind im Gehege und im Auslauf neben viel Platz zum Toben deshalb auch schattige Plätze und Häuschen, in die sie sich zurückziehen können, wenn ihnen das Tageslicht zu hell wird. Viele Kaninchen mögen es auch sehr gerne, tagsüber an abgedunkelten Plätzen oder in Höhlen auszuruhen und schlafen zu können. Auch helle Lampen in der Wohnung sollten nicht direkt über dem Kaninchengehege angebracht sein, um die Tiere nicht unnötig zu blenden.

Auch beim Einsatz einer Rotlichtlampe für erkrankte Kaninchen oder nach einer Operation ist es wichtig, dass die Tiere dem Licht nicht direkt ausgesetzt sind und sich jederzeit aus dem Bereich der Lampe zurückziehen können.

Neben Licht und Zugluft kann auch ungeeignete Einstreu durch ständigen Staub oder spitze Holzstückchen die empfindlichen Kaninchenaugen reizen. Ein sauberes Gehege und natürlich eine regelmäßige Reinigung sollten ohnehin selbstverständlich sein.

Wenn man ein Langhaar-Kaninchen hat, kann es notwendig werden, ab und zu das Fell zu kämmen oder sogar zu kürzen. Natürlich muss man dabei gerade in Augennähe besonders vorsichtig vorgehen. Es gibt im Tierhandel geeignete Kämme und abgerundete Scheren, so dass man sein Tier am Auge nicht mit dem spitzen Ende der Schere verletzen kann. Aber auch hier gilt: Vorsichtig in der Nähe der Augen mit der Schere umgehen! Kaninchen sind sehr wendig und können sich blitzschnell umdrehen oder mit einem Sprung reagieren – daher sollte man ein Kaninchen immer gut sichern, bevor man Kamm oder Schere einsetzt. Die Tasthaare, die das Kaninchen um das Mäulchen und auch über den Augen hat, dürfen dabei nicht gekürzt werden: Sie beinhalten eine Vielzahl an Nerven und sind für die Orientierung des Tieres sehr wichtig.

Was tun, wenn das Kaninchen trotz sorgfältiger Pflege Augenprobleme hat?

Trotz sorgfältiger Pflege kann es passieren, dass das Kaninchen doch einmal gerötete, tränende oder entzündete Augen hat. Für den Besitzer ist dabei vor allem eines ganz wichtig: Behandlungen am Auge sollten nie selbst vorgenommen werden, auch kein Auswaschen, Spülen mit verschiedenen Lösungen oder Tropfen oder gar das Entfernen feststeckender Fremdkörper wie Heuspitzen oder Grannen. Eigene Versuche können in solchen Fällen den Schaden noch vergrößern.

Auf keinen Fall sollte versucht werden, die Augen mit Kamillentee zu säubern. An den empfindlichen Kaninchenaugen kann eine solche Teelösung zu viel größerem Schaden führen: Kleine Schwebepartikel und nicht sichtbare, aber im Tee angelagerte Pflanzenreste aus den Kräutern bleiben auf dem Auge haften und können zusätzliche Reizungen oder Entzündungen verursachen.

Ebenso darf nicht versucht werden, verklebte Kaninchenaugen zu öffnen, oder mit einem Wattebausch oder Lappen über die offenen Augen gerubbelt werden. Alle auffälligen Veränderungen an den Kaninchenaugen gehören immer in die kompetenten Hände eines Tierarztes. Kleinere Verletzungen sind meistens vom Tierarzt schnell versorgt, und frühzeitig erkannt haben Augenprobleme eine gute Heilungschance.

Augenerkrankungen bei Kaninchen


Es gibt einige Erkrankungen, die bei den sensiblen Kaninchen häufiger auftreten. Hierzu zählen:

  • Bindehautentzündungen
    Auslöser für Bindehautentzündungen sind sehr häufig Zugluft bei einem falschen Standplatz des Geheges, aber auch kleinere Verletzungen durch Streu, Späne oder Einrichtungsgegenstände. Die Augen und auch die Augenlieder sind dann sehr stark gerötet und manchmal auch geschwollen. Das Kaninchen kneift auffallend häufig die Augen zu oder blinzelt vermehrt. Bindehautentzündungen sind sehr schmerzhaft, manchmal reagieren die Kaninchen dadurch auch mit anderen Symptomen, fressen oder bewegen sich weniger.
  • Tränende Augen
    Tränende Augen können viele Ursachen haben: Plötzliche Reizungen oder Entzündungen (z.B. Bindehautentzündung), Abszesse oder von den Zähnen ausgehende innere Verletzungen, Behinderungen des haarfeinen Tränennasenkanals oder auch Kaninchenschupfen. Sie können aber auch als Begleiterscheinung anderer Augenerkrankungen auftreten.

    Häufig werden tränende Augen durch eine Entzündung im oberen Zahnbereich oder durch falsches Zahnwachstum verursacht. Der Tierarzt kontrolliert in der Regel bei den mindestens jährlichen Impfterminen auch die Zähne des Kaninchens, so dass Veränderungen meistens früh erkannt werden können. Bei Vereiterungen im Zahnbereich kann es vorkommen, dass das Sekret sich bis zum Auge ausdehnt und über den Tränenfilm ausgespült wird.

    Tränende Augen können auch bei allgemeinen Infektionen, vor allem in Verbindung mit Schnupfen, auftreten. Durch das häufige Putzen und Reiben im Gesicht gelangen Bakterien bis in die Augen und können dort weitere Entzündungen verursachen.

    Zugluft und ungeeignete oder staubige Einstreu sind ebenfalls häufige Ursachen für tränende Augen. In den meisten Fällen sind tränende Augen das Symptom vorliegender Erkrankungen, so dass es ganz wichtig ist, beim Tierarzt die Ursache feststellen und behandeln zu lassen.

  • Hornhautverletzungen
    Die Hornhaut ist eine klare, dünne Schicht, die die Augen zum Schutz vor Staub oder anderen äußeren Einflüssen überzieht. Durch das Blinzeln wird der Tränenfilm gleichmäßig über dem Auge verteilt und damit Staubpartikel automatisch weggespült.

    Hornhautverletzungen gehören zu den häufigsten Augenerkrankungen beim Kaninchen. Gerade wenn Kaninchen viel im Gehege oder Garten herumtoben, kann es passieren, dass sie sich an einem Ast oder zurückschlagenden Zweig das Auge verletzen und damit dessen oberste Schutzschicht zerkratzen. Auch Raufereien mit den Kaninchenpartnern durch Pfötchen oder Krallen können zu solchen Augenverletzungen führen.

    In den meisten Fällen ist nur ein Auge betroffen. Da die Hornhaut durchsichtig ist, sind Hornhautverletzungen oft nicht direkt erkennbar. Die Tiere kneifen das verletzte Auge krampfartig zusammen, sind extrem licht- und blendempfindlich, und oft ist das Auge stark gerötet. Im weiteren Verlauf können solche Verletzungen auch zu Sekretbildung und Vereiterungen am Auge führen. Da in der Hornhaut eine Vielzahl von Nerven enden und nun an der verletzten Hornhautstelle ungeschützt offen liegen, leiden die Tiere unter sehr starken Augenschmerzen.

    Alle äußeren Augenverletzungen und Hornhautschädigungen sind in der Tiermedizin ein Notfall und sollten möglichst am selben Tag dem Tierarzt vorstellt werden, um Komplikationen bei der Heilung zu vermeiden. Hornhautverletzungen dürfen nicht mit Cortisonpräparaten behandelt werden; sie müssen jedoch immer unbedingt mit antibiotischen Augentropfen oder -salben versorgt werden, da in die ungeschützten Stellen im Auge sehr schnell Bakterien eindringen und zu schwerwiegenden Entzündungen führen können.

  • Optisch vergrößerte oder hervorstehende Augen
    Manchmal bemerkt der Besitzer, dass ein oder beide Augen seines Kaninchens plötzlich größer erscheinen oder deutlich nach außen hervortreten. Es gibt verschiedene Ursachen, die dieses Symptom auslösen können. Wichtig sind daher zunächst zwei Dinge zu unterscheiden: Sind beide Augen oder nur eines betroffen, und sind die Augen nur kurzzeitig vergrößert oder bleibt dieser Effekt bestehen?

    Fällt die Vergrößerung nur an einem Auge auf, sind die Ursachen oft einseitige Entzündungen auf der betroffenen Seite, Vereiterungen oder innere Abszesse hinter dem Auge oder im Mäulchen.

    Sind dagegen beide Augen betroffen, ist fast immer eine innere Erkrankung (Erhöhung des Blutdrucks) die Ursache. Da sich im Kopf des Kaninchens direkt hinter dem Auge ein sehr großes, zentrales Blutgefäß befindet, das bei ansteigendem Blutdruck anschwillt und damit zu einem zunehmenden Druck auf die Augen führt, treten die Augen optisch nach außen hervor. Dieser Blutdruckanstieg kann harmlos sein und durch plötzliche große Aufregung oder Panik verursacht sein - in diesem Fall ziehen sich die hervortretenden Augen schnell wieder zurück, nachdem sich die Aufregung für das Kaninchen gelegt hat und damit die Ursache behoben ist.

    Wenn der Effekt jedoch länger bestehen bleibt, liegt meist eine innere Erkrankung der Lunge vor, die zu diesem hohen Druck führt. Der Tierarzt wird in diesen Fällen immer auch besonders sorgfältig die inneren Organe prüfen oder ggf. ein Röntgenbild veranlassen, um die genaue Ursache herauszufinden. Durch den erhöhten Druck auf das Auge hat das Tier meist sehr starke Schmerzen, es ist also unbedingt wichtig, es schnellstmöglich beim Tierarzt vorzustellen.

  • Trübe Augen, Schleier oder Flecken auf den Augen
    Manchmal fällt dem Besitzer auf, dass sein Kaninchen zunehmend trübere Augen hat, als ob ein Schleier auf dem Auge liegt. Es ist ebenso möglich, dass in der Pupille ein kleiner weißer, unförmiger Fleck erscheint. Diese Auffälligkeiten können gerade bei älteren Kaninchen langsam und schleichend auftreten, häufig und vor allem bei jüngeren Tieren sind sie auch Begleiterscheinungen anderer innerer Erkrankungen (wie zum Beispiel E.C.).

Was auch immer einem Besitzer für Veränderungen an den Augen auffallen: Man sollte sein Kaninchen immer schnellstmöglich einem erfahrenen Tierarzt vorstellen.

Bei allen Augenerkrankungen wird der Tierarzt, falls nötig, entsprechend der Diagnose exakt auf die Krankheit abgestimmte Medikamente einsetzen. Die Gabe von Augentropfen oder Salben ist bei den meisten Kaninchen recht einfach, der Tierarzt wird es gerne genau zeigen. Bei einer Behandlung, die länger als ein paar Tage notwendig ist, sollten möglichst Einmaldosis-Medikamenten genutzt werden, die keine Konservierungsmittel enthalten und damit wesentlich schonender für das kranke Kaninchenauge sind.

Manche Tiere reagieren sehr empfindlich auf die in Salben enthaltenen Hilfsstoffe. Bemerkt der Besitzer nach der Medikamentengabe eine zunehmende Rötung der Augen oder gar eine Verschlimmerung der Symptome, sollte unbedingt der Tierarzt informiert und ggf. auf Tropfen umgestellt werden.

Übrigens: Es gibt auch speziell ausgebildete Tier-Augenärzte, an die der Tierarzt ein Kaninchen mit Augenerkrankungen in komplizierten Fällen überweisen wird, so dass die erkrankten Tiere bestmöglich versorgt werden können.