Kaninchenschutz e.V.

HELFEN mit HERZ!

Leer

Summe: 0,00 €

Ernährung im Winter: Kohl


Mythos Kohl – Fluch oder Segen in der Kaninchenernährung?

Obwohl das Thema „Kohl in der Kaninchenernährung“ schon seit Jahren in aller Munde ist, gibt es immer noch – grade bei „Kaninchenanfängern“ – große Unsicherheiten.

Sollte man Kohl nun füttern oder nicht? Was ist das Problem an gleichzeitiger Fütterung von Kohl und Trockenfutter? Gibt es Kaninchen, die Kohl grundsätzlich nicht vertragen? Was ist dran an der blähenden Wirkung von Kohl? Und worin unterscheiden sich die einzelnen Kohlsorten eigentlich?

Wir möchten Kaninchenhaltern gerne etwas mehr Sicherheit beim Verfüttern von Kohl an ihre Kaninchen vermitteln.

Warum Kohl?


Kohl – „Ja bitte!“ oder „No go“?

Inzwischen verfüttert der Großteil der Kaninchenbesitzer seit Jahren erfolgreich Kohl an ihre Kaninchen. Kohl ist ein hervorragendes Winterfutter, wenn keine ausreichenden Mengen an Wiesengräsern und -kräutern mehr zur Verfügung stehen.

Kohl ganz allgemein ist sehr vitamin- und mineralstoffreich, besitzt zahlreiche essentielle Aminosäuren und wird von den meisten Kaninchen sehr gern gefressen. Zudem zeichnen ihn seine blattähnliche Struktur und sein moderater Energiegehalt als geeigneten „Wiesenersatz“ aus. Nicht nur das natürliche Kauverhalten, sondern auch die physiologische Verdauungstätigkeit wird durch die Blattstruktur (bei einem Großteil der Sorten) gefördert. Daher kann man Kohl als Kaninchenfutter im Winter grundsätzlich erst einmal empfehlen.

Kohl und Trockenfutter


Kohl und Trockenfutter – geht das?

Oftmals hört man, dass Kohl nicht zusammen mit Trockenfutter gefüttert werden darf, da dies dann zu Aufgasungen und weiteren Verdauungsproblemen führen soll.

So pauschal ist diese Aussage aber nicht richtig. Zunächst muss man sich veranschaulichen, von welcher Art Trockenfutter man spricht: Trockenfutter ist erst einmal alles, was kein Frischfutter ist, meist mit einem Feuchtigkeitsgehalt, der sich bei etwa 10 % bewegt – also auch Heu, getrocknete Kräuter, Saaten, usw.
Die eben genannten Dinge können natürlich und auch fast immer ohne Probleme gemeinsam mit Kohlsorten verfüttert werden, da sie naturbelassen und strukturiert sind. So wird die Verdauungspassage nicht verzögert.

Kohl ist gut verträglich


Woher kommt nun also das Gerücht, dass Kohl Verdauungsprobleme verursacht?

Problematisch kann es werden, wenn handelsübliches „Buntfutter“ neben dem Kohl angeboten wird. Diese Futtersorten sind meist mit einem hohen Getreideanteil, Presslingen, Getreidenachmehlen, Grünmehlen und anderen Nebenprodukten aus der Getreideproduktion versehen. Die fehlende Struktur und die Trockenheit dieser Produkte kann zu einer verlängerten Passagezeit im Darmbereich des Kaninchens führen. Wird nun hierauf Kohl gefüttert und die Darmpassage dauert länger als gewöhnlich, kann es durch zu langes „Liegenbleiben“ des Kohls zu übermäßiger Gasbildung im Verdauungstrakt kommen. Diese Problematik kann allerdings auch mit jedem anderen Grünfutter auftreten und ist kein Problem, was speziell die Kohlsorten betrifft.

Ein weiterer Aspekt, der beachtet werden muss, ist, dass der „Mythos Kohl“ aus einer Zeit stammt, in der die möglichst artnahe Hauskaninchenhaltung mit viel Platz und naturnaher Fütterung noch fast gar nicht existent war. Die Tiere wurden zumeist zur Selbstversorgung mit Kaninchenfleisch und/oder für Zucht, Ausstellung und Verkauf gehalten. Die Kaninchen lebten hierbei in sehr engen Buchten, in denen sie sich kaum bewegen konnten. Die Fütterung bestand vorwiegend aus Heu und Pellets – Frischfutter gab es meist nur, wenn etwas Gemüseabfall aus der Essenszubereitung für die Halter übrig war. Hieraus ergaben sich mehrere Probleme:

  • durch mangelnde Bewegung verringerte sich die eh schon kaum vorhandene Darmmotilität des Kaninchen noch weiter und der Verdauungsbrei wurde nur verzögert weitertransportiert
  • durch die Fütterung von Pellets oder Trockenfutter mit hoher Energiedichte veränderte sich die Bakterienbesiedlung in der Darmflora des Kaninchens
  • Frischfutter wurde eher seltener angeboten – die Kaninchen konnten sich dadurch nicht an dieses Futter „gewöhnen“ und in der Darmflora des Kaninchens konnte keine physiologische Bakterienbesiedlung stattfinden
  • durch die Haltung zumeist sehr vieler Tiere auf engstem Raum war der Infektionsdruck zum Beispiel bei Parasitenbefall oder anderen Infektionskrankheiten sehr hoch. Die Tiere konnten sich leicht gegenseitig anstecken. Diese Erkrankungen führten wiederum häufig auch zu Verdauungsbeschwerden (z.B. Kokzidiose, E.coli-Bakterien u.a.).

In der Folge dieser ungünstigen Umstände konnte es also zu Verdauungsproblemen kommen, die auf das Frischfutter bzw. speziell den Kohl geschoben wurden, eigentlich aber der nicht naturnahen Haltung und Ernährung geschuldet waren.

Kohl und Verdauungsprobleme


Und wenn das eigene Kaninchen doch mit Verdauungsproblemen auf Kohlfütterung reagiert?

Kaninchen können, genauso wie wir Menschen auch, an individuellen Unverträglichkeiten leiden. Daher gibt es Kaninchen, die (eventuell nur einzelne) Kohlsorten nicht vertragen.

Eine Unverträglichkeit äußert sich beim Kaninchen fast immer über Magen-Darm-Beschwerden – so auch durch ein „aufgebläht sein“, nachdem das unverträgliche Futtermittel aufgenommen wurde.

Solche Unverträglichkeiten können auch bei anderen Gemüsesorten auftreten und haben nichts mit Kohl im Speziellen zu tun.

Erfahrungsgemäß treten Unverträglichkeiten am ehesten bei Gemüsesorten auf, die von ihrer Struktur oder ihren Inhaltsstoffen her der natürlichen Nahrung des Kaninchens nicht sehr ähnlich sind.

Gibg es "gut verträgliche" Kohlsorten?


Erfahrungsgemäß sind besonders „weichblättrige“ Kohlsorten gut verträglich und auch sehr gut geeignet, um Kaninchen an die Kohlfütterung zu gewöhnen. Hierzu gehören:

  • Grünkohl, Chinakohl (der eigentlich kein echter Kohl ist), Pak Choi, Kohlrabi, Brokkoli, Blumenkohl und Romanesco

Kopfkohl-Sorten wie Weiß- und Rotkohl, Spitzkohl und Wirsing sind durch ihren hohen Anteil an etwas schwerer verdaulichen Kohlenhydraten (z.B. Rhamnose) gemeinhin als etwas weniger gut verträglich bekannt. Die Abbauprodukte der Rhamnose und anderer sogenannter „hochmolekularer Kohlenhydrate“ können Gase bilden und daher leichter eine blähende Wirkung in der Kaninchenverdauung haben, als die einfacher verdaulichen Kohlsorten.

Dennoch können auch die Kopfkohl-Sorten nach der gewissenhaften Anfütterung fast allen Kaninchen in größeren Mengen angeboten werden.

Wir wünschen guten Appetit!