Kaninchenschutz e.V.

HELFEN mit HERZ!

Leer

Summe: 0,00 €

Warum Wiesenfütterung?


Wiese ist schmackhaft, gesund und auch noch völlig kostenlos.

Fast überall ist es zu lesen: Wiese ist die beste Ernährung für Kaninchen! Doch warum ist das so? Und was genau versteht man eigentlich unter „Wiese“?

Wir wollen auf dieser Seite etwas Licht ins Dunkel bringen und einige wichtige Fragen klären.

Viel Spaß bei Lesen!

Was versteht man eigentlich unter "Wiese"?


Wenn Kaninchenhalter von Wiese als die naturnaheste Ernährungsform sprechen, dann gibt es bei manch einem Kaninchenanfänger erst einmal große Fragezeichen im Kopf. Kurz gesagt verstehen wir „Wiese“ als eine bunte Mischung aus allen Pflanzen, die auf naturbelassenen Wildwiesen wachsen.

Der Begriff bezeichnet daher nicht nur Gräser, wie sie häufig auf klassischen kultivierten Rasenflächen oder auf bewirtschafteten Wiesen für die Ernährung von „Hochleistungsrindern“ vorkommen. Vielmehr besteht eine ausgewogene Wiesenmischung aus Gräsern, Kräutern, Wurzeln und auch aus Zweigen mit Blättern, Knospen, Blüten und Früchten.

Eine Artenvielfalt von verschiedenen Pflanzen entwickelt sich am besten auf möglichst naturbelassenen, unberührten Wiesen, die lediglich idealerweise hin und wieder gemäht werden, damit die Pflanzen nicht übermäßig verholzen - denn Kaninchen mögen am liebsten frische, junge und blättrige Pflanzenteile.

Weshalb sollte man Wiese füttern?


Mit der Begründung: „Weil es das Beste ist ...“ gibt sich der wissbegierige Halter natürlich nicht zufrieden – und das ist auch gut so!

Es gibt viele Argumente, die für eine Fütterung mit Wiese als Hauptnahrung sprechen. Der Hauptgrund ist der, dass unsere Hauskaninchen das gleiche Verdauungssystem besitzen wie ihre wilden Verwandten. Die biologische Ähnlichkeit der beiden Arten zeichnet sich auch durch ihren wissenschaftlichen Namen „Oryctolagus Cuniculus“ aus – welcher sowohl für das Wildkaninchen, als auch für unsere domestizierten Hauskaninchen Verwendung findet. Hier wird von der Wissenschaft aus gutem Grund nicht unterschieden.

Zwar gibt es inzwischen durch Zucht und Selektion eine außerordentliche Vielfalt an unterschiedlichen Kaninchenrassen – vom 1kg-Zwerg bis hin zum 8kg-Riesen – jedoch ist die Physiologie der Tiere, was ihre Verdauung und ihr Bedürfnis nach nährstoffreicher Nahrung mit hohem Wasseranteil anbelangt, unverändert.

In einer reichhaltigen Wiesenmischung sind für unsere Kaninchen alle essentiellen Nährstoffe im richtigen Verhältnis vorhanden. Natürlich schwankt der Nährstoffgehalt einzelner Pflanzen je nach Jahreszeit und Wuchsstadium. Eine verholzte Pflanze bietet weniger Nährstoffe als eine junge Pflanze, weswegen junge Pflanzenteile von Kaninchen bevorzugt werden.

Der Verdauungstrakt unserer Kaninchen ist darauf ausgelegt, möglichst wasserreiche, aber auch strukturreiche Nahrung mit hoher Nährstoffdichte aufzunehmen und zu verwerten. Ist die aufgenommene Nahrung im Magen angekommen, so ist es wichtig, dass diese eine flüssige Konistenz erreicht hat, bevor sie weiter in den Dünndarm transportiert werden kann. Aufgrund dieses Fakts wird verständlich, dass Wiesengräser und -kräuter mit einem Wasseranteil von bis zu 90 % eine ideale Verdaulichkeit begünstigen.

Im Dünndarm wird damit begonnen, Nährstoffe aufzuspalten und diese verfügbar zu machen. Haben die Nahrungsbestandteile den Dünndarm passiert, gelangen sie in einen so genannten „Separationsbereich“, in dem grobfaserige und kleinteilige Bestandteile voneinander getrennt werden. Daran anschließend gelangen grobe Partikel direkt in den Dickdarm und sorgen für einen „Putzereffekt“, also dafür, dass die Darmpassage gut funktioniert. Aus den grobfaserigen Bestandteilen, die den Dickdarm passieren, entsteht nach Wasserentzug der Hartkot, der – bei einer gesunden, regelrechten Darmtätigkeit – ein kugeliges Aussehen besitzt. Je mehr Gräser- und Kräuteranteil die Nahrung des Kaninchens hat, desto dunkler (positiv!) ist der Kot gefärbt. Nimmt ein Kaninchen (zu) viel Heu auf, kann der Hartkot eine sehr hellbraune Farbe annehmen.

Im Separationsbereich des Darms gelangen wiederum die feineren Bestandteile (ca. unter 0,5mm) in den Blinddarm. Hier werden die Nährstoffe, die noch nicht im Dünndarm aufgespalten werden konnten, durch mikrobielle Fermentation verfügbar gemacht. Es folgt die Ausscheidung des Blinddarmkots, der sich durch seine traubenartige Form, seine tief dunkle Farbe und einen glänzenden Überzug kennzeichnet. Der Blinddarmkot wird vorwiegend nachts und früh morgens ausgeschieden und vom (gesunden) Kaninchen direkt vom After wieder aufgenommen. Der Grund dafür ist, dass erst jetzt alle Nährstoffe aus der aufgenommenen Nahrung für den Kaninchenorganismus verfügbar sind und jetzt erneut den Dünndarm passieren müssen, damit diese vom Körper aufgenommen werden können.

Die Struktur von Wildgräsern und -kräutern ist nicht nur ideal für die Kaninchenverdauung, sondern auch zum Abnutzen der stetig nachwachsenden Zähne. Die ideale Zusammensetzung aus faserarmen und faserreichen Bestandteilen sorgt für eine gute Futteraufnahme, eine verhältnismäßig lange Kaudauer und somit für idealen Zahnabrieb. Unterstützt wird dieser Effekt noch durch in einigen Pflanzen natürlich vorkommende Kieselsäure, die sich allgemein positiv auf den Organismus auswirkt. Entscheidend ist bei der Abnutzung der Zähne aber tatsächlich in erster Linie die Kaudauer und Art des Kauens. Der natürliche Kauvorgang beinhaltet das Greifen und Aufnehmen des Futters mit Lippen und Schneidezähnen und das anschließende Zermahlen der Nahrung mit den Backenzähnen. Während dieser physiologischen Kaubewegung werden alle Zähne gleichmäßig kurz gehalten.

Ein weiterer Grund, Wiese anzubieten, ist, dass Kaninchen natürlicherweise ihre Nahrung selektieren. Das bedeutet, jedes Kaninchen wählt aus einem vielfältigen Wiesenangebot die passende Pflanzenzusammensetzung für seinen Organismus aus. Diese Selektion ist nur mit natürlicher Nahrung möglich und funktioniert nicht bei Gemüse oder industriell produziertem Futter!

Warum sollte Gemüse keine Hauptnahrung für Kaninchen sein?


Aus allen vorgenannten Gründen kann Gemüse immer nur eine Ergänzung der Nahrung darstellen. Im Winter haben einige Kaninchenhalter sicher nicht mehr die Möglichkeit, ausreichende Mengen an Wiese herbei zu schaffen.

Dann kann das Futterangebot bestenfalls durch Gemüsegrün wie Kohlrabiblätter, Möhren-, Mairübchen-, Radieschen-, Selleriegrün und viele weitere Sorten ergänzt werden. Auch Kohl ist für die Wintermonate eine gute Wahl, wenn nicht genügend Frisches aus der Natur zur Verfügung steht. Zudem ist – grade in der kräuterarmen Zeit – auch eine Zufütterung mit Küchenkräutern empfehlenswert. Es sollte nur immer darauf geachtet werden, dass Gemüse und Kräuter idealerweise aus Deutschland oder dem benachbarten Ausland stammen und nicht unzählige Kilometer aus fernen Ländern gereist sind und dort meist stark gespritzt wurden.

Grundsätzlich sei aber gesagt, dass Gemüse in einer Zusammenstellung, wie es einige Kaninchenhalter füttern (zum Beispiel eher viel Knollen- und/oder Fruchtgemüse), nicht nur von der Nährstoffzusammensetzung her eher ungeeignet ist, sondern auch zu wenig faserige Bestandteile besitzt.

Einerseits sind die meisten Gemüsesorten für das Kaninchen zu nährstoffarm (zu wenig Rohproteine, ungünstige Fettsäurenzusammensetzung und zu wenig Vitamine/Mineralstoffe), andererseits sind sie häufig zu leicht verdaulich, da zu wenige Ballaststoffe in Form von Rohfaser und unverdaulichen bzw. nur teilweise verdaulichen Bestandteilen (Cellulose, Hemicellulose) enthalten sind und dafür zu große Mengen an schnell verfügbaren, einfachen Kohlenhydraten.

Warum ist Heu ebenfalls keine Hauptnahrung?


Heu ist immer die „minderwertige“ Variante von frischer Wiese.

Zum Nährstoffverlust durch Trocknung (bis zu 50 %) kommen häufig – je nach Art der Trocknung (Bodentrocknung, Heißlufttrocknung) und Verpackung (lose, in Ballen, in Tüten,…) – auch noch mitunter starke Strukturverluste.

Dies betrifft dann fast immer zuerst die hochwertigen und nährstoffreichen Kräuter, da sie empfindlicher sind und leichter zerbröseln, v.a. wenn sie zu stark getrocknet werden.

Heu kann und sollte rund um die Uhr angeboten werden, das heißt allerdings nicht, dass es die Hauptnahrung eines Kaninchens darstellt bzw. darstellen sollte.

Ein hochwertiges Qualitätsheu zeichnet sich durch seine noch leicht grüne Farbe, seine vielfältigen Bestandteile (je nach Schnitt mit mehr oder weniger Kräuteranteil), seinen aromatischen Geruch und ein nährstoffschonendes Trocknungsverfahren mittels Heißlufttrocknungsanlage aus. Die Nährstoffverluste sind bei einer ausschließlich sonnenbasierten Bodentrocknung am höchsten.

Wichtig ist: Kaninchen sollten immer die Möglichkeit haben, bei Bedarf Heu zu fressen, sie sollten aber nicht gezwungen sein, dieses getrocknete Futtermittel als Hauptnahrung nutzen zu müssen.

Wo bekommt man Wiese her?


Wiese lässt sich überall finden – manchmal ist dieses Vorhaben etwas aufwendiger, andere Halter haben Glück, wunderschöne Pflückgebiete direkt vor der Haustür zu haben.

Grundsätzlich haben aber auch Städter jede Möglichkeit, an Wiesenpflanzen für ihre Kaninchen zu kommen.

Während auf dem Land meist reichlich unbewirtschaftete oder naturbelassene Heuwiesen zu finden sind, kann sich die Futtersuche in der Stadt schon schwieriger gestalten. Hier gilt es, nicht sofort aufzugeben, sollte sich in nächster Nähe keine geeignete Pflückmöglichkeit auftun.

Grundsätzlich lässt sich in der Stadt zum Beispiel auf brachliegenden Flächen, an Flüssen oder ähnlichen Gebieten pflücken.

Bitte beachten Sie an jeder Pflückstelle rechtliche Bestimmungen, wahren Sie den Landfrieden und betreten Sie nicht unerlaubt Privatgrundstücke. Ein freundliches Gespräch mit Eigentümern von Wiesen oder brachliegenden Baugrundstücken kann Ihnen Tür und Tor zu einer gesunden Nahrungsquelle für Ihre Kaninchen ermöglichen. Die meisten Wiesenbesitzer stört es – sofern Sie zuvor gefragt werden – nicht, wenn sich ein Kaninchenhalter hin und wieder etwas Grün für seine Tiere schneidet.

Hat man solch eine Erlaubnis eingeholt, gilt insbesondere auf Heuwiesen: Pflücken Sie am Rand und treten Sie nicht alle Pflanzen platt, um auf die Mitte einer Wiese zu gelangen. Am schonendsten für die Pflanzen ist es, wenn Sie diese mit einer Schere oder einer Sichel schneiden, anstatt sie abzureißen. Vermeiden Sie es außerdem, Pflanzen stetig mit Wurzel auszureißen – Sie möchten schließlich noch etwas länger etwas von Ihrer Pflückmöglichkeit haben.

Auch an Straßen und auf von Hunden frequentierten Wiesen kann gepflückt werden: Abgase sind vorwiegend beim Einatmen auf Dauer schädlich, lagern sich aber kaum in Pflanzen an. Des Weiteren ist auch angebautes Gemüse im Freiland ungeschützt Autoabgasen ausgesetzt. Sichtbare Verschmutzungen durch Rußpartikel/Reifenabrieb auf der äußersten Schicht der Pflanze können ganz einfach mit Wasser abgespült werden.

Was die Angst vor einer Infektion mit Parasiten oder anderen Erkrankungen beim Verfüttern von Pflanzen von Hundewiesen angeht, sei gesagt, dass es schon ausreicht, nicht direkt mit Kot beschmutzte Pflanzen zu pflücken. Urin von gesunden Tieren hingegen ist nicht infektiös, sondern steril. Übermäßig mit „Fremdurin“ kontaminierte Pflanzen werden zudem von Kaninchen ganz naturgemäß gemieden.

Seien Sie dahingehend unbesorgt und schließen Sie solche Pflückstellen nicht von Vorneherein als Nahrungsquelle aus – Ihre Kaninchen werden es Ihnen danken!

Wie verfüttert man die Wiesengräser und -kräuter am besten?


Wiese kann am Boden liegend, auf einem Futtergitter, in einer Wiesenraufe oder auch einfach in einer Schale angeboten werden.

Letzteres macht meist nur bei zwei kleinen Kaninchen Sinn, denn je größer die Menge an benötigtem Wiesenfutter ist, desto lockerer und luftiger sollte dieses platziert werden, damit im Inneren durch Feuchtigkeit und Wärme keine Gärprozesse stattfinden.

Eine Raufe hat den Vorteil, dass das Grün nicht so leicht mit Urin und Kot in Berührung kommt und hierdurch oftmals länger gefressen wird. Der Nachteil besteht darin, dass die Kaninchen aus einer Raufe nicht so gut selektieren können, als wenn diese am Boden liegend angeboten wird.

Füttert man Wiese vom Boden, sollte diese nicht länger als etwa 24 bis 36 Stunden angeboten werden und zwischendurch einmal gewendet und aufgeschüttelt werden.

So entsteht vor allem im Sommer keine Stauwärme, und Feuchtigkeit kann besser verdunsten. Im Sommer sollte Wiese aus diesem Grund auch an einem schattigen Platz angeboten werden.

Am Boden oder auf einem Futtergitter angebotene Wiese kann von den Tieren sehr gut durchwühlt und nach den „besten“ Pflanzen selektiert werden. Diese Fütterungsart kommt dem natürlichen Fressverhalten also am nächsten.

Wir wünschen guten Appetit!