Kaninchenschutz e.V.

HELFEN mit HERZ!

Leer

Summe: 0,00 €

Fellpflege bei Langhaarkaninchen


Langhaarkaninchen – Pflegetipps, damit weder Kaninchen noch Halter die Haare zu Berge stehen.

Langhaarkaninchen: auf der einen Seite durch ihre wallende Fellpracht süß und knuffig, auf der anderen Seite sehr pflegeintensiv und somit mitunter eine Herausforderung für den Halter.

Langhaarkaninchen haben inzwischen den Weg zu privaten Haltern gefunden. In der Regel sind dies selten reinrassige Tiere, sondern eher Mixe, die mit ihrer wallenden Mähne die Herzen ihrer Halter zum Schmelzen bringen. Doch die Haarpracht hat es mitunter in sich. Das Fell will und muss gepflegt werden, je nach Felllänge und Felldichte ist regelmäßiges Bürsten und/oder Kürzen des Fells erforderlich, damit es nicht verfilzt oder verknotet. Im Handel gibt es eine Vielzahl von Bürsten und Kämmen, die die regelmäßige Pflege erleichtern sollen. Manchmal muss das Fell aber auch gekürzt werden. Hierzu bieten sich spezielle Fellscheren oder auch die Anschaffung einer Schermaschine an.

In diesem Artikel werden anhand von einigen Beispielen unterschiedliche Utensilien zur Fellpflege vorgestellt. Bei allen Methoden ist es wichtig, sehr sanft vorzugehen und sein Tier genau zu beobachten. Fellpflege darf keine Schmerzen bereiten! Nicht jede Bürste ist für jedes Fell und jedes Kaninchen geeignet, daher muss man sich hier etwas durchprobieren.

  • Beispiel 1: Der Kamm
    Kämme sind allgemein nur bedingt für die Pflege des Kaninchenfells geeignet, da die Zinken bei Verfilzungen hängen bleiben und den Tieren ziepen können.
  • Beispiel 2: Die Naturhaarbürste
    Naturhaarbürsten bestehen (wie der Name schon sagt) aus „Naturhaar“. In der Regel ist dies Wildschwein, Ziege oder Pferdehaar. Wer sein Kaninchen nicht mit dem Haar anderer Tiere pflegen möchte, der wählt eine Bürste mit synthetischen Borsten, z.B. den sog. Perlonborsten.

    Diese Bürste eignet sich nur für die oberflächliche Fellpflege von nicht allzu langem Fell, da sie nicht bis zur Unterwolle vordringt. Sie ist aber geeignet, um die Tiere an das tägliche Bürsten zu gewöhnen und um lose Haare zu entfernen. Einige Tiere empfinden das Bürsten mit der Naturhaarbürste ähnlich dem Streicheln mit der Hand als sehr angenehm.

  • Beispiel 3: Die Softbürste
    Die Softbürste besteht aus einem Holzgriff mit sehr biegsamen (= soften) Metallborsten, die sowohl zur Pflege des Deckhaars als auch der Unterwolle geeignet sind. Ganz wichtig ist hierbei, dass man keinen allzu großen Druck ausübt, um die dünne Kaninchenhaut nicht zu verletzen (Tipp: am besten selbst am Handballen den ausgeübten Druck vorab testen). Einige Tiere empfingen diese Art der Fellpflege dennoch als unangenehm. Hier sollte dann eine Alternative gewählt werden.
  • Beispiel 4: Fellpflegehandschuh
    Hier sind Gumminoppen auf einen Handschuh aufgesetzt, mit dem man dem Tier die Haare „wegstreicheln“ kann. Die Tiere sollen die Pflege mit dem Fellpflegehandschuh laut Hersteller wie eine Massage genießen. Leider ist der Handschuh nicht wirklich für langes Fell geeignet, da die Haare nur oberflächlich entfernt werden. Zudem wird der Gummibesatz von den Kaninchen ganz im Gegenteil oft als unangenehm empfunden. Allerdings sind diese Handschuhe hervorragend für die Entfernung von Kaninchenhaaren aus Teppichen und Polsterbezügen geeignet.
  • Beispiel 5: Der Furminator oder Furmaster
    Als wahres „Fellpflegewunder“ wird der Furminator oder Furmaster vertrieben. Der Furminator stellt eine Art Metallkamm dar, der durch seine spezielle Anordnung der Metallzinken nicht nur das Deckhaar durchbürstet, sondern auch lose Unterwolle entfernt. Bei der Verwendung des Furminators scheiden sich die Geister unter den Kaninchenhaltern: während die einen auf den Furminator schwören, kritisieren andere, dass er zu viel Unterwolle entfernt (dies kann für Kaninchen in Außenhaltung problematisch werden, wenn sie zu häufig mit dem Furminator gebürstet werden). Zudem wird er von einigen Kaninchen als unangenehm in der Verwendung empfunden.

    Letztlich hilft auch hier nur Ausprobieren und Schauen, wie das Tier auf den Furminator reagiert. Da der Furminator nicht nur das Fell von Kaninchen, sondern auch anderer Tiere pflegt, gibt es ihn in unterschiedlichsten Größen. Normalerweise reicht für ein Kaninchen die kleinste Ausführung.

  • Beispiel 6: Schermaschine & Schere
    Was aber, wenn das Fell schneller verfilzt, als man mit Kamm und Bürste hinterherkommt? Hier hilft dann oft nur der Einsatz von Schere und/oder Schermaschine. Der Handel bietet spezielle Fellscheren an, die sich für unterschiedliche Felllängen und Fellarten eignen. Nicht jede Schere eignet sich auch für Verfilzungen! Hier sollte vorab beim Hersteller angefragt oder eigene Recherche (z.B. im Internet) betrieben werden. Fellscheren eignen sich in der Regel am besten für schwer zugängliche Bereiche und kleinere Flächen, wie z.B. Gesicht, Beine, Pfoten und Intimbereich.

    Für größere Bereiche (Rücken, Seiten-/Flankenbereich etc.) sind Schermaschinen das Mittel der Wahl. Der Markt bietet eine Fülle an Schermaschinen in diversen Preissegmenten an. Hierzu sei gesagt: lieber etwas mehr Geld in ein hochwertiges Gerät investieren. Neben der qualitativ hochwertigeren Verarbeitung und diversem Zubehör zeichnen sich die Schermaschinen aus dem gehobenen Preissegment durch eine höhere Laufruhe aus und heizen sich beim Scheren nicht so schnell auf.

    Bevor nun aber beherzt zur Schermaschine gegriffen wird: der Schervorgang kann immensen Stress für das Tier bedeuten. Bei den ersten Scherversuchen sollte eine zweite Person anwesend sein, die das Tier hält. Ideal ist natürlich jemand, der schon einschlägige Erfahrung mit einer Schermaschine hat. Mitunter bieten Tierarztpraxen sogar einen Scherservice an. Hier lohnt es sich, einmal nachzufragen.

Wie häufig ein Kaninchen gebürstet bzw. geschoren werden muss, ist ganz unterschiedlich. Manche Tiere müssen täglich gebürstet werden, andere wiederum nur alle paar Tage, je nachdem, wie das Fell nachwächst.

Der Fachhandel bietet mit Sicherheit für jedes Fell die richtige Pflege. Dem Halter obliegt es, diese gewissenhaft und schonend durchzuführen. So wird langes Fell weder für Halter oder Tier zur Qual.

(Fotos: Unsere Notfallhäsin Ella, die sich in ihrer Pflegestelle wieder erholen konnte und ein Patentier des Kaninchenschutz e.V. ist.)