Kaninchenschutz e.V.

HELFEN mit HERZ!

Leer

Summe: 0,00 €

Verstoßene Kaninchen


Unsere Kaninchen sind untereinander meist sehr umgänglich und verkuschelt. Aber auch zwischen einzelnen Tieren kann es einmal zu Streit kommen. Zeitweise Spannungen herrschen in jeder Kaninchengruppe, und auch harmonische Pärchen verstehen sich nicht 24 Stunden am Tag. Kleine Meinungsverschiedenheiten ab und zu sind völlig normal. Treten Spannungen aber über einen längeren Zeitraum auf oder nehmen sie an Intensität zu, sollten Sie handeln.

Wie äußern sich Spannungen in der Kaninchengruppe?


Oftmals kommt es vor, dass sich ein Kaninchen aus der Gruppe ausgrenzt oder von den anderen Tieren ausgegrenzt wird. Es wird dabei von den Futterplätzen vertrieben, oft gejagt und auch kuscheln möchte kein anderes Kaninchen mehr mit ihm.

Das betroffene Tier liegt meist allein und bekommt vom Fressen nur das ab, was die Gruppenmitglieder übriggelassen haben.

Auch Verletzungen können bei dieser Problematik entstehen. In schlimmeren Fällen kommt ein drangsaliertes Kaninchen gar nicht mehr zur Ruhe, wird nur gehetzt und darf sich keinem anderen Kaninchen aus der Gruppe mehr nähern, ohne dass nach ihm geschnappt wird.

Warum wird ein Kaninchen verstoßen?


Bei den Ursachen muss man zwei Hauptfaktoren unterscheiden:

  • Warum verhalten sich ein oder mehrere Kaninchen so aggressiv?
  • Warum wehrt sich das betroffene Kaninchen nicht einfach gegen die Anfeindungen?

Ein Hauptgrund für Aggressivität ist Stress bzw. Angst. Sind die Kaninchen permanent belastenden Situationen oder Dingen, die ihnen Angst einjagen, ausgesetzt (zum Beispiel ein lauter Fernseher, spielende Kinder oder andere Tiere im Zimmer), kann sich dieser angestaute Stress als Aggression gegen ein anderes Kaninchen entladen. Meist richtet sich die Aggressivität gegen das schwächste Mitglied der Gruppe. Möglich wäre ebenfalls, dass das streitsüchtige Tier in seiner Vergangenheit bereits schlechte Erfahrungen mit anderen Kaninchen gemacht hat und es sich so behaupten möchte. Aber auch Krankheiten und damit einhergehende Schmerzen können Aggressionen hervorrufen.

Natürlich spielen auch die Haltungsbedingungen für die Harmonie einer Gruppe eine große Rolle. Leben die Kaninchen in zu kleinen Gehegen oder verfügen sie nicht über ausreichend Unterschlupf- und Beschäftigungsmöglichkeiten, können auch in normalerweise harmonischen Gruppen Streitigkeiten unter den Tieren gefördert werden.

Bei einem extrem unterwürfigen Tier sollten Sie sich ebenfalls dessen Vorgeschichte anschauen: Wurde es vielleicht zu früh von der Mutter getrennt und konnte so kein Selbstbewusstsein entwickeln? Oder hatte es vielleicht früher schon einmal mit einem aggressiven Tier zu tun und dadurch gelernt, sich in der Gruppe einfach zu ergeben? Auch bei der Unterwürfigkeit spielen Krankheiten eine wichtige Rolle, denn körperlich geschwächte oder gar behinderte Kaninchen können sich nur schwer gegen andere Gruppenmitglieder behaupten.

Welche Folgen können sich durch diese Ausgrenzung ergeben?


Sollte ein Kaninchen permanent unter den Anfeindungen eines bzw. mehrerer Kaninchen seiner Gruppe leiden, so kann dies unter Umständen Auswirkungen auf seine Psyche haben. Das betroffene Tier kann eine regelrechte Panik vor seinen Artgenossen entwickeln, was eine spätere Vergesellschaftung mit anderen Kaninchen erschwert.

Auch ein Kaninchen kann unter Apathie leiden, wenn es keinen Anschluss an eine Gruppe findet und dauerhaft ausgegrenzt wird. Es wird sich zurückziehen, weniger fressen und sich nicht mehr sorgfältig um seine Fellpflege kümmern. Sein Immunsystem kann ebenfalls unter der Belastung leiden, so dass sich verschiedene gesundheitliche Auffälligkeiten entwickeln.

Das Verjagen vom Futterplatz kann darüber hinaus zu Verdauungsproblemen oder gar zur Gewichtsabnahme führen. Sollte sich das ausgeschlossene Tier nicht mehr aus einer Ecke heraus trauen, kann es passieren, dass es auch dort sein Geschäft verrichtet und dann in seinem Kot und Urin sitzen bleibt. Ein gefährlicher Fliegenmadenbefall kann dann die Folge sein. Zudem können bei aufkommenden Beißereien blutige Verletzungen entstehen, die tierärztlich versorgt werden müssen.

Dies sind nur einige der möglichen Folgen bei langanhaltender Ausgrenzung eines Kaninchens aus der Gruppe. Natürlich sind die einzelnen Folgen immer abhängig vom jeweiligen Tier. Achten Sie bitte darauf, dass es gar nicht so weit kommt.

Was kann man gegen dieses Verhalten unternehmen?


Als allererstes sollten Sie immer die Haltungsbedingungen prüfen:

  • Haben die Tiere genug Platz, um sich auch mal aus dem Weg zu gehen?
  • Gibt es genug Unterschlüpfe und Futterplätze?
  • Sind verschiedene und ausreichend viele Beschäftigungsmöglichkeiten vorhanden?

Ist ein optimaler Lebensraum geschaffen und die Spannungen halten dennoch weiter an, sollten Sie weiter forschen.

Lassen Sie durch einen Tierarzt abklären, ob alle in der Gruppe lebenden Tiere gesund sind oder vielleicht eine bisher unentdeckte Krankheit hinter den Problemen stecken könnte. Auch alle den Tieren angstmachenden Gegenstände und Lebewesen sollten von den Kaninchen ferngehalten werden. Nur so können die Kaninchen auch einmal zur Ruhe kommen. Ganz wichtig ist natürlich, dass alle Rammler kastriert sind.

Abschließend möchten wir anmerken, dass es durchaus passieren kann, dass sich Kaninchen dauerhaft nicht verstehen und es immer wieder zu Raufereien, gepaart mit Verletzungen, kommen kann. Trotz der genannten Möglichkeiten lässt sich ein friedvolles Zusammenleben nicht erzwingen. Sollte diese Situation eintreten, bleiben nur wenige Möglichkeiten: Eine separate Gruppe wäre eine Option. Ist eine getrennte Haltung nicht möglich, sollten Sie im Sinne Ihrer Tiere auch über eine Vermittlung in ein passendes neues Zuhause zu einem geeigneten Partnertier nachdenken.

Kaninchenschicksal: Milo


Kaninchen Milo von Julia S.:

Unser Rammler Milo war einmal Teil einer fünfköpfigen Kaninchengruppe. Er war zwar nicht der Chef, aber ein kleiner Macho, der gerne etwas stänkerte. Vor allem auf ein Kaninchen hatte er es besonders abgesehen. Irgendwann wendete sich dann aber das Blatt und die anderen Kaninchen fingen an, das wehrlose Kaninchen vor Milo zu beschützen. Sie bissen ihn weg und verjagten ihn regelmäßig. Dies wurde irgendwann so schlimm, dass Milo sich nicht mehr in die Nähe der entsprechenden Kaninchen wagte und sichtlich unter der Situation litt.

Seine Besitzerin entschied sich schließlich schweren Herzens für eine Abgabe von Milo. Und da unser Rammler gerade verstorben war, kam er zu unserer Häsin Fine. Bei der Vergesellschaftung haben wir sofort gemerkt, dass es für Milo in letzter Zeit schwer war. Er hatte extreme Panik vor Fine, traute sich nicht mehr aus seiner Ecke heraus und nahm sofort reißaus, wenn sie auf ihn zukam. Fine hatte ihn eigentlich nach einer halben Stunde schon akzeptiert und war einfach nur glücklich, wieder einen Partner zu haben. Das zeigte sie ihm auch, indem sie seine Nähe suchte und sich vor ihm hinkuschelte. Nur wollte er es nicht gleich verstehen. Auch noch Wochen nach der Vergesellschaftung lief Milo panisch weg, wenn Fine in schnellem Tempo in seine Richtung lief. Für ihn hieß das früher ja Ärger.

Heute hat sich das zum Glück geändert. Milo führt nun ein angstfreies Leben und liebt seine Fine über alles.

Kaninchenschicksal: Mats


Kaninchen Mats Müller von Sabine L.

Mats Müller wurde im Frühjahr 2014 aus Buchtenhaltung befreit. Zu dem Zeitpunkt war er drei Jahre alt, saß alleine in einem dunklen, verschmutzten Verschlag und diente als Zuchtrammler. Er kannte außer diesen kurzen Momenten mit einer Häsin keine Gefährten, kein Tageslicht, keine Jahreszeiten, kein Glück.

Mats wurde in einer Pflegestelle aufgenommen, geimpft und kastriert und durfte sich nun auf ein Leben mit Artgenossen freuen. So kam er dann in seine erste Gruppe in Außenhaltung. Aber leider fand er keinen Anschluss, wurde gejagt und gebissen und auch nach Wochen gab es keinerlei Besserung.

Ich hatte die Geschichte von Mats Müller von Anfang an mitverfolgt, und als nun die neue Halterin beschloss, Mats Müller weiterzuvermitteln, stand der Entschluss fest, dass er zu uns kommen soll. So zog Mats Müller im November 2014 in unsere Außengruppe. Da waren Keks, der Chef der Truppe, mit seinen drei Mädels Canella, Bandita und Krümel. Alle vier taten sich am Anfang sichtlich schwer, Mats Müller zu akzeptieren. Er war verstört und komplett überfordert. Man hatte das Gefühl, er muss erst lernen, sich wie ein Kaninchen zu verhalten und die Eigenarten der Gruppe zu verstehen.

Die ersten beiden Wochen der Vergesellschaftung saß er nur in einer Ecke und beobachtete seine neue Umgebung. Irgendwann traute er sich ins Haus und beanspruchte eine Etage für sich. Dort fühlte er sich wohl und, wie damals in seiner Bucht, sicher. Er suchte nur selten den Kontakt zur Gruppe, und diese wiederum schloss ihn nie in ihre Mitte ein. Er wurde, denke ich, nicht als Artgenosse gesehen, eher als Mitbewohner. Nach 6 Monaten war Mats Müller immer noch ausgegrenzt und wurde auch mehr drangsaliert. Vor allem Bandita und Canella gingen täglich mindestens einmal heftig auf ihn los.

Eines Morgens hörte ich dann einen Schrei: Mats Müller wurde von den Mädels gejagt und hetzte durch den Garten. Es musste sich etwas ändern. Er sollte doch endlich glücklich werden und sein Leben genießen dürfen. Also kam Mats Müller erst einmal aus der Gruppe raus. Wir bauten ein neues Gehege und machten uns auf die Suche nach einem passenden Mädchen für Mats. Es war nicht so leicht für einen „verkorksten Autisten“, eine Partnerin zu finden. Über einige Kontakte wurde ich auf eine Pflegestelle aufmerksam, die zwei junge Riesinnen aus einer Zuchtauflösung zu vermitteln hätte. Ob das klappen kann? Eine sechs Monate alte Riesin zu einem nicht sozialisierten älteren Herren? Nach der ersten Begegnung mit Knolle stand fest: Sie muss es sein.

Im September 2015 fand die Vergesellschaftung im neuen Gehege statt. Es gab natürlich auch hier anfänglich kleine Raufereien und Querelen, aber schnell stellte sich eine gewisse Harmonie ein. Mats war wesentlich selbstbewusster und bestimmter, und Knolle stelle sich schnell auf sein Verhalten ein. Gekuschelt und geschmust wurde am Anfang weniger, aber die Liebe ist gewachsen und inzwischen sind beide unzertrennlich. So wurde aus dem Mobbing-Opfer Mats Müller ein zufriedenes und glückliches Kaninchen mit seiner großen, starken Freundin.

Kaninchenschicksal: Hiro und Loki


Kaninchen Hiro und Loki von Sabrina S.:

Ich hatte ein Pärchen, bei dem die Häsin den Rammler gemobbt hat. Ich hatte die Kaninchen zusammengeführt, da war der Rammler noch ein Baby (ich wusste damals nicht, dass Jungtiere erst ab der 16. Woche vergesellschaftet werden dürfen). Die Zusammenführung verlief zum Glück ohne große Probleme, der Kleine fand am ersten Tag eine Ecke, in die nur er passte und blieb da, die Häsin patrouillierte davor. Am zweiten Tag durfte er schon raus und am dritten Tag wurde gekuschelt.

Aber als der kleine Rammler älter wurde, wurde ihr Verhalten zu ihm immer unfreundlicher. Das war ein schleichender Prozess. Er war etwa 2 Jahre alt, als er regelmäßig gejagt wurde. Gekuschelt wurde nur noch sehr wenig. Da meine Häsin mir gegenüber ein absolutes "Kuscheltier" war, dachte ich, der Rammler ist vielleicht einfach nicht der Typ dafür. Er ging auch nie von sich aus zu ihr, und sie war frustriert mit der Situation.

Ich habe dann ein drittes Kaninchen dazu geholt, das hat aber nicht geholfen. Rammler Nr. 1 war ein Außenseiter, der nie mitkuscheln durfte und immer noch von der Häsin gejagt wurde. Ihm ist regelrecht ein Platz zugewiesen worden und da hatte er zu bleiben. Manchmal ist sie sogar einfach so vom Auslauf ins Gehege gehoppelt, um ihn zu verhauen, und kam dann zufrieden zurück, um sich zu Rammler Nr. 2 zu legen.

Irgendwann kam ich nach Hause, da hatte er eine kleine Bisswunde an einem Widderohr mit einem kleinen getrockneten Blutstropfen dran. Nicht schlimm, aber für mich das ausschlaggebende Erlebnis, die drei zu trennen. Ich fand, er hat sich genug bemüht und eine Besserung der Situation für ihn war nicht in Sicht. Ich habe daher eine liebe, devote Partnerin besorgt und hatte eben zwei Pärchen getrennt voneinander. Seine neue Partnerin hat er übrigens sehr geliebt und innig bekuschelt.