Kaninchenschutz e.V.

HELFEN mit HERZ!

Leer

Summe: 0,00 €

Enzephalitozoon cuniculi – E.C.


Bei E. cuniculi handelt es sich um einzellige Parasiten. Die Infektion wird durch Erreger (E. cuniculi) hervorgerufen, die vor allem das Zentralnervensystem, das Gehirn und häufig auch die Nieren befallen. Es wird davon ausgegangen, dass über 80% aller Kaninchen Träger des Erregers sind, ohne dass jemals Symptome der Erkrankung auftreten.

Infektion
E. cuniculi vermehrt sich über die Bildung von Sporen. Diese Sporen werden von erkrankten Tieren über den Kot und Urin ausgeschieden. Kommen nun andere Tiere mit derart verschmutzter Einstreu oder Futter, das darin gelegen hat, in Berührung, nehmen sie so den Erreger auf. Oft werden die Tiere aber bereits im Mutterleib mit dem Erreger infiziert. Durch verschiedene Faktoren wie Stress, Immunschwäche oder Erkrankungen kann es zu einem Ausbruch der Krankheit kommen.

Symptomatik
Die Erkrankung zeigt sich in sehr unterschiedlichen Ausprägungen und Verläufen, was das Erkennen in manchen Fällen schwierig macht. Nicht alle genannten Auffälligkeiten müssen zutreffen. Durch den Tierarzt muss abgeklärt werden, ob die Symptome auch durch andere Ursachen hervorgerufen sein können (zum Beispiel einer Entzündung des Innenohres).

Die Symptome können einzeln oder kombiniert auftreten:

  • Schiefhaltung des Kopfes um bis zu 90 °
  • Rollen (Drehen um die Körperlängsachse)
  • im Kreis laufen
  • Blindes Rennen gegen Wände oder Käfiggitter
  • Krampfanfälle
  • Schreckhaftigkeit
  • Lähmungen
  • Unruhiges Hin- und Herschnellen der Augen (Nystagmus)
  • Veränderungen der Augen (ein- oder beidseitige Pupillentrübung)
  • Pendelnde Kopfbewegungen
  • Häufiges Schütteln der Ohren
  • Gleichgewichtsstörungen (Umkippen)
  • Koordinationsstörungen
  • Verlust der Kaufähigkeit
  • Nierenfunktionsstörungen
  • Apathie

Neben diesen markanten und gut zu diagnostizierenden Symptomen wurden noch weitere Auffälligkeiten durch verschiedene Kaninchenhalter beschrieben. Diese können ebenfalls auf eine Infektion durch E. cuniculi hinweisen und sollten deshalb dringend abgeklärt werden:

  • andauernde Fressunlust und Mäkeligkeit
  • Gewichtsabnahme durch verringerte Futteraufnahme
  • das Kaninchen macht zeitweise einen schlappen Eindruck, zeigt eventuell auch geringfügige Gleichgewichtsprobleme (verschätzt sich beim Springen usw.)

Diagnostik
Die Diagnose von E. cuniculi erfolgt zum einen durch den Ausschluss von möglichen anderen Ursachen für vorhandene Symptome (oftmals führt zum Beispiel eine Ohrenentzündung zu ähnlichen Symptomen) und zum anderen durch einen Bluttest, bei dem zunächst einmal geklärt wird, ob überhaupt Erreger vorhanden sind, und wenn ja, wie stark die Infektion ist.

  • Befragung drch den Arzt
  • Blutbild (Nieren- und Leberwerte)
  • Antikörpernachweis im Blut (Bestimmung des Titers)
  • Antikörpernachweis im Urin (Bestimmung des Titers - nur nachweisbar, wenn die Nieren befallen sind)

Durch eine Antikörperbestimmung wird nachgewiesen, ob ein Tier infiziert ist. Über den Schweregrad der Erkrankung lässt sich keine Aussage treffen. Ein hoher Titer bedeutet nicht zwingend einen Krankheitsausbruch, während sich auch bei einem geringen Titer Symptome zeigen können.

Bei Verdacht auf E. cuniculi ist eine schnelle Behandlung des erkrankten Tieres enorm wichtig. Das Ergebnis der Blutuntersuchung sollte nicht abgewartet werden, sondern die Behandlung sofort beginnen. Je schneller das Tier behandelt wird, desto besser sind sein Heilungschancen. An Feiertagen oder Wochenenden sollte sofort ein Nottierarzt aufgesucht werden, denn der Zustand erkrankter Tiere kann sich sehr schnell rapide verschlechtern!

Behandlung
Bei dem Verdacht auf E. cuniculi sollte die Therapie schnellstmöglich eingeleitet werden, da hierdurch bleibende Schäden vermieden werden können. Der Nachweis durch den Antikörpertest sollte nicht abgewartet werden, um mit therapeutischen Maßnahmen zu beginnen.

Die Behandlung von E. cuniculi ist recht umfangreich:

  • Die Gabe eines hirngängigen Antibiotikums ist bei der Behandlung sehr wichtig! Ein solches Antibiotikum kann auch im Nervensystem und im Gehirn wirken, wo der Erreger meist den schlimmsten Schaden verursacht. Nicht jedes Antibiotikum ist geeignet. Fragen Sie bei der Behandlung durch Ihren Tierarzt bitte danach.
  • Zusätzlich sollte das Tier ein Präparat gegen Würmer erhalten. Fenbendazol (z. B. Panacur) ist hier das Mittel der Wahl, denn es soll zusätzlich den Parasiten abtöten.
  • Ein hochdosierter Vitamin-B-Komplex sollte dem Tier außerdem unbedingt verabreicht werden (einzelne B-Vitamine genügen nicht). Es unterstützt die durch die Krankheit angegriffenen Nerven und hilft ihnen, sich wieder zu regenerieren.
  • Im Einzelfall kann bei starken neurologischen Ausfällen (z. B. Rollen um die eigene Längsachse, extremer Schiefkopf) auch die Gabe von Cortison helfen, die Erkrankung zu lindern. Es sollte aber von Fall zu Fall vom Tierarzt darüber entschieden werden, ob diese Behandlung notwendig ist und vorab die Nierenwerte überprüft werden.
  • Behandlung einer eventuell vorhandenen Uveitis
  • Sind die Nieren durch E.cuniculi angegriffen, sind Infusionen notwendig, um die Nieren durchzuspülen und eine weitere Ausbreitung des Erregers einzudämmen.
  • Die Zwangsfütterung ist dann erforderlich, wenn das Kaninchen nicht mehr in der Lage ist, selbst Nahrung aufzunehmen. Gerade wenn die Kaufähigkeit vorübergehend nicht gegeben ist, ist die Zwangsfütterung lebensnotwendig. In solchen Fällen ist der Schluckreflex nämlich oft noch vorhanden, und das Kaninchen nimmt die Fütterung gut an.
  • Vermeiden Sie nach Möglichkeit Stress für das erkrankte Tier. Es sollte ein weich gepolstertes Gehege erhalten, um mögliche Verletzungen durch unkontrolliertes Rollen o.ä. zu vermeiden. Vermeiden Sie hohe Einrichtungsgegenstände, damit sich das Tier bei einem unkontrollierten Sprung nicht verletzen kann. Der Raum, in dem das Tier während der akuten Phase lebt, sollte möglichst dunkel und ruhig sein. Es kann jedoch durchaus auch zu einer Verschlimmerung der Symptome durch die ungewohnte Umgebung kommen.
  • Je nach Schwere der Erkrankung sind weitere praktische Maßnahmen sinnvoll. Das Kaninchen sollte nach Möglichkeit nicht hochgenommen werden, da es so eventuell die Orientierung verliert und sich die Symptome verschlimmern können.

    Auch wenn sich nach Beginn der Behandlung Verschlechterungen zeigen, sollte der Therapieversuch nicht sofort abgebrochen, sondern einige Zeit durchgehalten werden. Teilweise zeigen sich Fortschritte erst nach Beendigung der Behandlung. Geduld spielt eine wichtige Rolle. Es kann zu Rückfällen kommen.

    Viele Tiere erholen sich vollständig, wenn sie auch lebenslang infiziert bleiben. Andere behalten leichte oder auch schwerere Störungen zurück, wobei sich der Allgemeinzustand sowie der Appetit wieder normalisieren.

    Da es sich bei E. Cuniculi um eine Zoonose handelt, ist die Erkrankung auch auf andere Tiere übertragbar. Darum sollten erkrankte Tiere von gesunden (auch anderen) Haustieren ferngehalten werden. Das Partnertier muss nicht unbedingt vorsorglich ebenfalls mitbehandelt werden, sondern nur, wenn es auffällig ist. Für Menschen besteht nur dann eine Gefahr, wenn sie unter einer starken Immunschwäche leiden, etwa bedingt durch ein Organtransplantat oder die Infektion mit HIV.