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Scheinträchtigkeit


Was ist eine Scheinträchtigkeit?
Bei einer Scheinschwangerschaft bekommt das Weibchen durch Hormone den Zustand einer Trächtigkeit vorgegaukelt und verhält sich entsprechend wie ein trächtiges Tier.

Warum werden Kaninchen scheinschwanger?
Da Kaninchen keinen wiederkehrenden Zyklus haben, wird bei ihnen der Eisprung durch den Deckakt ausgelöst, z. B. gegenseitiges Berammeln oder auch Streicheln über die Wirbelsäule. Auch wenn es nicht zur Befruchtung kommt, da das Weibchen mit Kastraten oder nur anderen Weibchen zusammenlebt, bilden Kaninchenweibchen unterschiedlich stark das Hormon Progesteron (Schwangerschaftsschutzhormon), welches für das Verhalten bei einer Scheinschwangerschaft und der Scheinschwangerschaft an sich verantwortlich ist.

Wie oft sind Scheinschwangerschaften normal?
Ein- bis zweimal im Jahr auftretende Scheinschwangerschaften sind noch als normal zu bewerten, zum besseren Nachweis notieren Sie sich genau, wann und wie lange Ihr Weibchen scheinschwanger war.

Wann tritt eine Scheinschwangerschaft besonders häufig auf?
Im Zusammenleben mit einem Kastraten oder auch im Frühling neigen einige Häsinnen vermehrt zu Scheinschwangerschaften. Besonders häufige Scheinschwangerschaften können auf eine bereits bestehende Veränderung der Gebärmutter hinweisen.

Verhalten der Häsin während der Scheinschwangerschaft
Ein scheinträchtiges Weibchen verhält sich wie ein trächtiges, d. h. zu Beginn sind einige Weibchen aggressiver und vertreiben mitunter sogar ihren Partner von gemeinsamen Futter- und Schlafplätzen. Teilweise verlieren scheinschwangere Häsinnen an Gewicht und die Zitzen können angeschwollen sein oder sogar Milch absondern. Gegen Ende der Scheinschwangerschaft beginnt das Weibchen damit, Nistmaterial (Heu, Stroh, Stofffetzen aus zerstörten Teppichen) zu sammeln und sich ein Nest zu bauen. Ganz zum Schluss zupfen sie sich das weiche Bauchfell heraus, um das Nest schön zu polstern.

Wann darf das Nest entfernt werden?
Bitte das Nest erst dann entfernen, wenn das Weibchen sich beruhigt hat und das Nest überhaupt nicht mehr beachtet.
Vorzeitiges Entfernen des Nestes würde zu großem Stress beim Weibchen führen und es würde sofort ein neues bauen und sich dazu noch mehr Fell herauszupfen.

Wie behandeln? / Was dagegen tun?
Ist das Weibchen nur ein- oder zweimal im Jahr scheinschwanger, reicht es aus, ihr in dieser Zeit sehr viel Ruhe sowie unterstützende und beruhigende Kräuter frisch oder als Tee anzubieten (Kamille, Fenchel, Melisse, Salbei, Basilikum). In der Zeit der Scheinschwangerschaft bitte das Weibchen mit dem Partner niemals auf engstem Raum zusammensperren, da die Tiere sich in dieser Zeit vermehrt aus dem Weg gehen können müssen! Bei häufig auftretenden Scheinschwangerschaften sollte das Weibchen einem kaninchenerfahrenen Tierarzt vorgestellt werden. Eine Hormontherapie sollte nur kurz und um die Zeit bis zu einer Kastration zu überbrücken, verabreicht werden, da die Symptome nur unterdrückt werden. Da häufige Scheinschwangerschaften auf Veränderungen der Gebärmutter hinweisen können, wäre zu einer Kastration, bei der Eileiter und Gebärmutter entnommen werden, zu raten. Nach einer Kastration werden die Weibchen meistens umgänglicher und sozialer, Scheinschwangerschaften treten dann nicht mehr auf.

So bitte nicht behandeln!
In keinem Falle sollte das Weibchen zur Behandlung der Scheinschwangerschaft gedeckt werden, leider ist dieser Irrglaube in einigen Tierarztpraxen noch weit verbreitet. Auch nach einer Trächtigkeit können Weibchen weiterhin scheinschwanger werden, auch ist eine Deckung mit erheblichen Risiken verbunden.