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Handaufzucht von Kaninchen


Die Handaufzucht von Kaninchen ist kein einfaches Unterfangen. Wann ist eine Handaufzucht nötig und welche Voraussetzungen braucht es, um den Kaninchen einen guten Start ins Leben zu ermöglichen? Diese Seite soll Ihnen einige Anhaltspunkte geben.

Bevor eine Handaufzucht begonnen wird, muss grundsätzlich immer deren Notwendigkeit festgestellt werden. Kaninchenbabys sollten nur dann vom Menschen aufgezogen werden, wenn das Muttertier verstorben ist oder sich sicher nicht mehr um die Babys kümmert bzw. sie nicht mehr säugt. Die Sterblichkeit von handaufgezogenen Kaninchenjungen ist leider sehr hoch. Die Gefahr, dass der Wurf verstirbt, steigt natürlich auch, wenn die Handaufzucht unsachgemäß durchgeführt wird.

Daher sollte man sich im Zweifel immer an die nächste Wildtierstation oder alternativ an die nächstgelegene Tierklinik wenden, wenn man sich die Handaufzucht selbst nicht zutraut.

Entscheidend ist, dass nicht gesäugte Kaninchenjunge schnell versorgt werden. Zuerst ist das Wichtigste beim Auffinden oder Übernehmen von unversorgten Kaninchenwelpen, dass diese warm gehalten werden.

Es gibt unterschiedliche Gründe, weshalb eine Handaufzucht notwendig werden kann:

    1. Die Mutter nimmt die Welpen nicht an
    2. Die Mutter ist verstorben
    3. Die Mutter hat nicht genügend Milch.

Die Mutter nimmt die Welpen nicht an


In diesem Fall ist sicherzustellen, dass die Welpen tatsächlich unversorgt sind. Dies bemerkt man an einem eventuell zerstörten Nest, außerhalb des Nestes herumliegenden Welpen, an faltigen Bäuchen und einer Gewichtsabnahme der Jungen. Zu beachten ist, dass eine Ablehnung der Welpen durch die Mutterhäsin meist dann geschieht, wenn diese großen Stress hat, unterernährt/mangelernährt oder krank ist, sowie dann, wenn sie zu eng gehalten wird oder kein Nistmaterial zur Verfügung hat.

Auch sehr junge Häsinnen sind manchmal mit ihrer Mutterrolle überfordert und wissen zunächst nicht, was sie tun sollen. Manchmal kann eine Optimierung der Haltungsumgebung dazu führen, dass die Häsin die Jungen doch noch annimmt und säugt.

Folgende Punkte sind dabei zu beachten:

  • Es ist wichtig, die Häsin mit ihrem Wurf so selten wie möglich zu stören. Ständige Nestkontrollen stressen die Mutter. Ist es nötig zu wiegen, so sollten die Babys lediglich einmal täglich zügig, aber behutsam aus dem Nest genommen, auf die Waage gesetzt und dann sofort wieder ins Nest zurück gebracht werden.
  • Kaninchenwelpen sollten weder ständig angefasst noch heraus genommen und herum getragen werden.
  • Das Nest sollte möglichst genau so belassen werden, wie die Mutterhäsin es hergerichtet hat (Ausnahme: das Nest ist nicht geeignet, die Babys warm zu halten, z.B. durch zu wenig Heu/Stroh und nicht vorhandene Fellpolsterung). Hier kann durch die Einlage eines Vetbeds und ggfs. ausgekämmte Haare der Mutterhäsin eine geeignete Polsterung geschaffen werden. Je nach Umstand kann es nötig sein, ein SnuggleSafe oder eine Wärmflasche unterzulegen (nie in direktem Kontakt mit den Welpen!).

Die Mutter ist verstorben oder hat nicht genügend Milch


Ist die Mutterhäsin verstorben oder für die Jungtiere nicht erreichbar, benötigen die Welpen in jedem Fall menschliche Hilfe. In Fällen, in denen man sicher weiß, dass die Mutterhäsin nicht an einer Infektionskrankheit wie RHDV-2 verstorben ist, kann versucht werden, innerhalb sehr kurzer Zeit eine Ammenhäsin für die Babys zu finden. Ist die Todesursache unbekannt oder liegt wie erwähnt eine gefährliche Infektionskrankheit zugrunde, sollten die Welpen keinesfalls einer anderen Häsin „untergeschoben“ werden, um die Amme und deren eventuell vorhandenen Wurf vor einer möglichen Ansteckung zu schützen.

Hat die Mutterhäsin nicht genügend Milch, wirken die Babys sehr dünn oder ihre Haut sehr faltig, sollte die erste Wahl immer sein, die Welpen oder den unterversorgten Welpen bei der Häsin anzulegen (zum Vergleich: ein gesundes Baby hat glatte Haut und ein Bäuchlein). Muttermilch ist in jedem Fall die beste Versorgung, die die Babys erhalten können. Ist das Anlegen der Welpen nicht möglich oder stellt sich trotz Anlegens keine Steigerung der Milchmenge ein, müssen die Babys zugefüttert werden.

Anlegen von Kaninchenwelpen bei der Mutterhäsin


In manchen Fällen kann es notwendig sein, Kaninchenwelpen oder einzelne Welpen eines Wurfes bei der Mutterhäsin anzulegen. Gründe, die ein Anlegen der Welpen rechtfertigen sind:

  • die Milchbildung der Mutterhäsin muss vermehrt angeregt werden, da die Welpen nicht oder nur spärlich zunehmen
  • die Welpen werden von der Häsin nicht selbstständig gesäugt
  • einzelne Welpen bleiben unversorgt und schaffen es nicht, sich gegen die Geschwistertiere durchzusetzen und/oder nehmen dadurch nicht oder zu wenig zu

Das Wichtigste beim Anlegen der Welpen ist es, alle Tiere möglichst wenig zu stressen. Die Welpen sollten in jedem Fall auch außerhalb der Anlegeversuche mit der Mutterhäsin zusammenleben, sofern die Häsin keine Gefahr für die Jungtiere darstellt (dies wäre nur der Fall, wenn sie diese angreifen und verletzen würde).

Das Anlegen funktioniert am einfachsten, wenn eine zweite Person dabei unterstützen kann. Die Häsin sollte behutsam auf den Arm genommen werden. Am besten setzt man sich hierfür auf den Boden, damit das Muttertier möglichst wenig geängstigt wird.

Bitte bachten: Kaninchen sollten im Normalfall nicht auf den Arm genommen werden! Müssen Welpen angelegt werden, ist dies allerdings eine Ausnahmesituation und soll das Überleben der Jungtiere sichern. Daher ist dieser Stress hierfür gerechtfertigt und sollte dennoch so gering wie möglich gehalten werden.

Hat man die Häsin seitlich auf dem Arm, sollte man mit der Hand, die das Muttertier von unten stützt, ebenfalls die Hinterbeine gegen "Austreten" sichern, um Verletzungen der Welpen zu verhindern. Bitte hierbei die Sprunggelenke und den Oberschenkel umfassen, damit auch die Häsin sich bei Abwehrversuchen nicht verletzt. Bitte nicht zu zaghaft, aber mit Gefühl zufassen! Die Häsin sollte eng an den Körper des Haltenden heran gezogen werden - ein unsicherer, zu seichter Griff stresst das Tier mehr, als ein sicher festhaltender. Sitzt das Muttertier sicher im Arm des Haltenden, kann die zweite Person die Welpen von unten an das Gesäuge halten und diese trinken lassen.

Eine weitere Möglichkeit des Anlegens ist - vor allem, wenn man dies alleine bewerkstelligen muss, nicht immer vermeidbar - die Häsin auf den Rücken zu drehen und in den eigenen Schoß zu legen, während die Jungtiere auf den Bauch des Muttetiers an die Zitzen gesetzt werden. Auch hierbei ist die Fixierung der Hinterbeine der Häsin durch den Haltenden essentiell, um Kratzer oder gar ein Wegschleudern der Jungtiere durch die "austretende" Häsin nicht zu riskieren.

Dies sind nur zwei mögliche Varianten des Anlegens. Je nach Charakter der Mutterhäsin und Aktivität der Jungtiere können eventuell auch andere Möglichkeiten in Betracht kommen. Wichtig ist bei jeder möglichen Art des Anlegens immer der größtmögliche Schutz der Jungtiere, sowie der Häsin so wenig Stress wie möglich zu verursachen.

Was benötigt man zur Handaufzucht von Kaninchenbabys?


Was benötigt man zur Handaufzucht von Kaninchenbabys?

  • Katzen- oder Ziegenaufzuchtmilch:
    Viele mit Handaufzucht erfahrene Pflegestellen haben bei der Aufzucht gute Erfahrungen mit der Gabe von Katzenaufzuchtmilch gemacht (Achtung: das Pulver, nicht die fertig angemischte Katzenmilch!), andere wiederum bevorzugen Ziegenaufzuchtmilch, die allerdings schwieriger zu bekommen ist.
  • 1ml Spritzen ohne Kanüle:
    Mit diesen Spritzen lässt sich die Aufzuchtmilch erfahrungsgemäß am einfachsten in das kleine Kaninchenmäulchen verabreichen.
  • Fencheltee:
    Zum Anrühren der Aufzuchtmilch sollte grundsätzlich Fencheltee, Fenchel-Anis-Kümmel-Tee u.ä. statt Wasser verwendet werden. Aufzuchtsmilch ist zwar für die Welpen verträglich, aber leider keine natürliche Muttermilch, so dass die Kombination mit Bauchwohltees vorbeugend gegeben werden sollte, da viele Babys zu Verdauungsschwierigkeiten neigen.
  • Weiche Tücher:
    Diese dienen mit etwas warmen Wasser befeuchtet dem Abwischen des Mäulchens und Stimulieren des Anogenitalbereiches (Achtung: aus Hygienegründen verschiedene Tücher verwenden!).
  • Ggfs. Medikament gegen Aufgasungen:
    Hier sind diverse Produkte mit dem Wirkstoff Dimeticon/Simeticon auf dem Markt. Sinnvoll ist die Verabreichung vor und nach der Milchgabe. Bitte bei Bedarf den Tierarzt befragen.
  • Ggfs. Medikamente zur Unterstützung der Verdauung und des Immunsystems:
    Manchmal ist es nötig, sehr schwachen und kleinen Kaninchenbabys z.B. Kolostrumersatz mit in die Milch zu mischen, um deren Immunsystem anzuregen. Ölige Kräuterpräparate können die Verdauung bei Bedarf unterstützen. Bitte bei Bedarf den Tierarzt hierzu befragen.
  • Babys ohne Mutter benötigen ein warmes Ersatznest:
    Hierfür bietet sich die Unterschale einer Transportbox oder eine andere Kunststoffwanne an, die ausgestattet mit einem Handtuch, einem Vet-Bed und Heu/Stroh sowie ggfs. Fellersatz einen behaglichen Nestersatz darstellt. Unter die Wanne sollte ggfs. eine Wärmequelle platziert werden. Das Ersatznest darf besonders zu Anfang, wenn die Welpen noch kein Fell besitzen, nicht zu groß sein, damit diese sich gegenseitig gut wärmen können. Im Verlauf der Zeit ist die Größe und Art Unterkunft natürlich dem wachsenden Bewegungsdrang anzupassen.

  • Außerdem ...
    ... viel Zeit, Geduld und schlaflose Nächte.

Wie läuft die Fütterung ab?


Sehr junge Kaninchenbabys (vor allen in den ersten Lebenstagen) müssen etwa alle 2 Stunden gefüttert werden, später alle 4 Stunden. In Ausnahmefällen (z.B. wenn die Babys ungemein geschwächt und unterernährt sind) kann es nötig sein, noch öfter und nur tropfenweise zu füttern. Sind die Babys älter und beginnen, feste Nahrung mitzufressen, sind längere Fütterungsintervalle möglich. Zwar säugt eine Kaninchenmutter ihre Jungen nur 1 - 2 mal täglich – dies ist aber durch den Menschen nicht nachzuahmen, da die künstliche Aufzuchtmilch ein schlechteres Nährstoffprofil sowie eine schlechtere Verträglichkeit und Verdaulichkeit aufweist.
Kaninchenbabys sollten bedarfsgerecht gefüttert werden, das heißt bei jeder Fütterung so viel trinken dürfen, wie sie möchten.

Die Aufzuchtmilch ist im Verhältnis 1:2 anzumischen (1 Löffel Pulver und 2 Löffel körperwarmen Fencheltee). Ein Mischungsverhältnis 1:1 bewirkt einen Milchbrei, der nicht durch die Fütterungsspritze hindurchpasst. Die angemischte Milch lässt sich während der Fütterung auf einer Wärmflasche oder mithilfe eines Wasserbades warmhalten, denn je nach Anzahl der zu versorgenden Welpen kann sich die Fütterung schon einmal ganz schön hinziehen.

Zum Füttern werden die Welpen bitte keinesfalls auf den Rücken gedreht (Aspirationsgefahr!). Gelangt Milch in die Luftröhre und die Welpen atmen diese ein, kann es zu schweren Lungenentzündungen (Aspirations-Pneumonien) kommen, an denen die Welpen nicht selten versterben. Die Babys sollten demnach aufrecht gehalten werden, ältere Welpen sitzen einfach auf ihren vier Füßen.

Nach anfänglicher Gewöhnung schlabbern die Kaninchenjungen die Milch in der Regel freiwillig aus der Spritze. Muss man anfangs etwas Überzeugungsarbeit leisten, sollte die Spritze mit der Milch äußerst behutsam in den Mundwinkel des Babys geschoben werden, so dass dieses sein Mäulchen ein klein wenig öffnet. Daraufhin gibt man einen Tropfen Milch in den Mund des Welpen. Meist reicht das schon aus, um das Baby auf den Geschmack zu bringen.

Keinesfalls sind Zwangsmaßnahmen anzuwenden! Ist man mit der Fütterung eines schlecht oder gar nicht trinkenden Babys überfordert, sollte man sich umgehend mit einer erfahrenen Handaufzuchtstelle und ggfs. dem Tierarzt in Verbindung setzen.

Ist die Fütterung abgeschlossen und das Baby satt, sollte man mit zwei Fingern oder auch mit einem in etwas warmes Wasser getauchten Tuch (das die Zunge der Kaninchenmutter nachahmt) sanft den Bauch des Jungen massieren, jeweils in sanften kreisenden Bewegungen vom Kopf in Richtung After, um den Urin- und Kotabsatz zu ermöglichen. Man versucht auf diese Weise das Lecken der Mutterhäsin in diesem Bereich nachzuahmen.

Zwischen dem 10. und 12. Lebenstag öffnen die Kaninchenwelpen ihre Augen und werden dann sehr neugierig, so dass bei der Fütterung ein deutlich höherer Bewegungsdrang zu bemerken ist. Gleichzeitig beginnen die Kaninchenjungen, zusätzlich zur Milchfütterung an Heu und Frischfutter zu lutschen. Ab dem 14. Tag fangen sie auch an, daran zu knabbern. Mit diesem Zeitpunkt reicht es aus, die Welpen nur noch 2 x am Tag zusätzlich mit Milch zu versorgen (bitte die Fütterung mit Milch langsam reduzieren und die Abstände allmählich vergrößern). Zusätztlich sollte nun auch Wasser in einer so flachen Schale angeboten werden, dass die Kleinen beim Krabbeln oder Hineinfallen nicht ertrinken können.

Das Wichtigste zum Schluss ...


Man sollte hier den Tieren zuliebe immer seine persönlichen Grenzen kennen und sich eingestehen, wenn man solch eine überaus aufwendige und anstrengende Handaufzucht nicht leisten kann. Auch bei Unsicherheiten während schon begonnner Handaufzuchten ist es immer ratsam, sich frühzeitig Hilfe zu holen. Zudem sollten Medikamente nie ohne Absprache mit dem Tierarzt und immer nur bei Bedarf verabreicht werden.

Haben Sie weitere Fragen zur Handaufzucht?

Unsere welpenerfahrenen Pflegestellen geben Ihnen gerne kompetente Auskunft:

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