Kaninchenschutz e.V.

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Kaninchenwelpen - "Wenn es doch passiert"


Wir möchten Ihnen mit den Informationen auf dieser Seite bei ungewollten Trächtigkeiten und Unfallwürfen helfen, die kleinen Kaninchen möglichst gesund aufzuziehen. Betonen möchten wir jedoch, dass der Kaninchenschutz e.V. ein beratender Tierschutzverein ist. Aus Tierschutzgründen lehnen wir jede Zucht und gezielte Vermehrung von Kaninchen ab.

Trächtigkeit und Vorbereitung


Die Zeit der Trächtigkeit beträgt bei Kaninchen etwa 28 bis 33 Tage. Für Besitzer ist eine Trächtigkeit ihrer Häsin häufig gar nicht oder erst in den letzten Tagen zu erkennen, wenn die Häsin beginnt, sich Fell von Wamme oder Bauch auszurupfen oder Stroh zusammenzutragen, um damit ein gemütliches Wurfnest zu bauen. Viele Häsinnen beginnen deutlich mehr zu fressen, werden in ihrem Verhalten und Bewegungsdrang ruhiger und ziehen sich zurück; manche Weibchen können auch aggressiv gegenüber Artgenossen oder Menschen werden. Den meisten Besitzern fällt in dieser Zeit eine deutliche Veränderung im Verhalten der Häsin auf.

Als Besitzer sollten Sie in der Zeit der Trächtigkeit Stress für ihr Weibchen vermeiden. In der Natur baut sich die Häsin eine Wurfhöhle; im Außengehege sollten Sie darauf achten, dass die Häsin nicht tief buddeln und damit kein unterirdisches Nest anlegen kann, in dem Sie die Welpen später nicht erreichen können. Stellen Sie der Häsin im Innen- und Außenbereich als Wurfkiste ein großes Häuschen mit viel Nistmaterial (Heu und Stroh) bereit. Idealerweise hat die Wurfkiste einen abnehmbaren oder aufklappbaren Deckel, so dass Sie später das Nest überprüfen können, ohne das gesamte Haus anheben zu müssen. Mit Heu, Stroh und ausgerupftem Bauchfell polstert das Weibchen das Nest in den letzten Tagen vor der Geburt gemütlich aus.

Reinigen Sie das Gehege des Weibchens noch einmal sorgfältig, entfernen Sie dabei jedoch auf keinen Fall ein bereits gebautes Wurfnest.

Kaninchenmännchen sollten Sie zur Sicherheit von der Häsin separieren. Manchmal reagieren auch kastrierte Kaninchenmännchen gegenüber der Mutterhäsin und der Welpen mit Aggressionen. Trennen Sie in diesen Fällen die Tiere bitte und ermöglichen Ihrem Weibchen einen ruhigen und geschützten Platz für die Jungtieraufzucht. Lassen Sie auf keinen Fall ein unkastriertes Männchen im Bereich der Häsin und lassen Sie männliche Tiere bitte unbedingt kastrieren.

Die Geburt der Jungtiere findet meistens in der Nacht oder am frühen Morgen statt, meist werden zwischen 4 und 10 Welpen geboren (durchschnittlich 5-6). Die Kaninchenwelpen werden von der Mutterhäsin abgenabelt und trockengeleckt. Kontrollieren Sie einige Stunden nach der Geburt das Nest und entfernen Sie verschmutzte Einstreu und eventuelle tote Welpen.

Fütterung in der Trächtigkeit

In der Zeit der Trächtigkeit und als säugende Häsin hat das Weibchen einen erhöhten Eiweiß-, Mineral- und Vitaminbedarf. Ideal ist die Fütterung mit frischen Kräutern, Gräsern und Wiese, soviel die Häsin möchte und sofern sie diese Art der Ernährung bereits kennt, ergänzt ggf. durch Gemüse, Saaten und Haferflocken. Viel Frischfutter, Löwenzahn, Fenchel und Steckrüben können die Milchbildung anregen und die Milchproduktion steigern. Vermeiden Sie jedoch während der Trächtigkeit bitte Petersilie und Hirtentäschel, da beide Kräuter wehenfördernd wirken. Frisches Wasser muss der Häsin natürlich jederzeit zur freien Verfügung stehen.

Kaninchenwelpen: Die ersten Tage


Kaninchenwelpen sind Nesthocker und vollständig auf die Nestwärme angewiesen. In den ersten Tagen nach der Geburt haben sie noch geschlossene Augen, sind blind, taub und völlig hilflos. Sie besitzen zunächst noch kein Fell, nur an ihrer Musterung kann man die spätere Fellfarbe erahnen.

Achten Sie von Anfang an darauf, dass alle Welpen im Nest eng zusammenliegen. Die Kleinen werden nur durch das dick gepolsterte Nest vor der Kälte außerhalb geschützt, sie liegen aneinander gekuschelt zusammen und wärmen sich damit gegenseitig. Eventuell außerhalb des Nestes liegende Welpen legen Sie bitte unbedingt wieder in das Nest hinein, da sie außerhalb erfrieren würden. Die Kleinen können Sie vorsichtig mit den Händen anfassen, die Mutter nimmt sie danach weiter an.

Hat die Häsin vor der Geburt kein Nest gebaut, legen Sie die Kaninchenwelpen in ein provisorisch gestaltetes Nest aus Handtüchern, Stroh und Heu. In Einzelfällen kann auch eine Wärmflasche unter das Nest gelegt werden (Achtung: nicht zu heiß!), um den Jungtieren eine ausreichende Wärme zu ermöglichen.

Zählen Sie die Welpen am ersten Tag, so dass Sie in den folgenden Tagen sicher sein können, dass alle Tiere versorgt werden.

Nur selten werden die Jungen direkt nach der Geburt gesäugt, meist erfolgt das erste Säugen am nächsten Tag bzw. in der nächsten Nacht. Danach säugt die Häsin ihre Jungtiere in der Regel nur einmal am Tag (selten auch bis zu dreimal am Tag) und meistens in den späten Abend- oder frühen Morgenstunden, wenn die Häsin sich unbeobachtet fühlt. Danach verlässt sie das Nest sofort wieder. Die Welpen finden die Zitzen der Mutter anhand ihres Geruches. Kaninchenmilch ist sehr reichhaltig und für die Welpen äußerst wichtig für ein gesundes Immunsystem, mit ihr erhalten die Kleinen Antikörper der Mutter, die sie in den ersten Wochen vor Infektionen schützen.

In freier Natur lebende Häsinnen verlassen außerhalb der Säugezeit das Nest und verschließen den Eingang, um keine Fressfeinde auf die Jungen aufmerksam zu machen. Dieses Verhalten besitzen auch unsere Hauskaninchen noch. Es ist möglich, dass die Häsin auch die Eingänge ihrer Wurfkiste mit Nistmaterial ausstopft oder Material zum Nest hinträgt und es zum Wärmen auf ihre Jungtiere legt. Aneinander gekuschelt liegen die Welpen dann in ihrem weichen Nest, es kann kein Junges aus dem Nest herausfallen und vor Kälte und Zugluft sind die Kleinen auch geschützt.

Hat eine Kaninchenmutter nicht die Möglichkeit, sich vom Nest ihrer Jungen fernzuhalten, gerät sie unter großen Stress. Achten Sie daher unbedingt auf ein ausreichend großes Gehege für die Mutterhäsin und ihre Welpen oder die Möglichkeit für die Häsin zum freien Auslauf.

Nestkontrolle


Einmal täglich sollten Sie das Nest kontrollieren und überprüfen, ob alle Jungtiere ausreichend Milch erhalten.

Vermeiden Sie bitte zu häufige Nestkontrollen, da die Häsin sich hierdurch deutlich gestört fühlt. Die Mutter wird in den meisten Fällen ihr Nest verteidigen und versuchen, Ihren Blick auf die Welpen zu verhindern; lenken Sie sie daher mit Auslauf oder etwas Lieblingsfutter ab, wenn Sie das Nest ansehen müssen. Die kleinen Kaninchen sollten eng beieinander liegen, einen prall gefüllten Bauch haben, sauber, warm und nicht faltig sein. Nicht ausreichend ernährte Welpen wirken in der Regel faltig, sind unruhig oder versuchen das Nest zu verlassen und mit unterschiedlichen Lauten die Mutter auf sich aufmerksam zu machen. Hatte die Häsin ihre Jungen zuvor mit Nistmaterial bedeckt, legen Sie den wärmenden Schutz nach der Kontrolle wieder auf die Kaninchenwelpen.

Das Gewicht der Kaninchenwelpen ist von mehreren Faktoren abhängig, unter anderem von der Rasse, der Länge der Trächtigkeit und der Anzahl der Wurfgeschwister. Wichtig ist, dass die Jungen kontinuierlich zunehmen.

Ein tägliches Wiegen ist meistens nicht notwendig und bedeutet zusätzlichen Stress für die Welpen. Nur wenn die Häsin ihre Jungen nicht ausreichend mit Milch versorgt, sollten Sie einmal am Tag das Gewicht kontrollieren. Nehmen die Kaninchenjungen täglich etwas an Gewicht zu, können Sie sicher sein, dass die Häsin sie säugt.

Entwicklung der Jungtiere


1. Woche:

In den ersten Tagen liegen die Jungtiere eng zusammengekuschelt im Nest und werden von der Häsin ein- bis zweimal täglich gesäugt. Am zweiten oder dritten Lebenstag kann man bereits die ersten Haarspitzen erkennen, am 4. bis 5. Tag haben sich kurze, dicht anliegende Haare gebildet, am Ende der ersten Lebenswoche sind die kleinen Kaninchenwelpen mit einem dünnen Fellflaum bedeckt. Am Ende der ersten Woche haben die kleinen Kaninchen ihr Geburtsgewicht etwa verdoppelt und nehmen schnell an Größe zu.

2. Woche:

Zwischen dem 10. und 12. Lebenstag öffnen die Kleinen ihre Augen. Auch die Ohren, die bisher geschlossen und nach hinten angelegt waren, stellen sich jetzt auf und ermöglichen das Wahrnehmen von Geräuschen. Das Fell ist flauschig und vollständig ausgebildet. Die kleinen Kaninchen verlassen zum ersten Mal ihr Nest und erkunden neugierig ihre Umgebung. Richtig hoppeln können sie noch nicht und krabbeln daher schnell wieder in ihr warmes Nest zurück. Ihre Körpertemperatur können die Kleinen außerhalb des warmen Nestes noch nicht lange halten, die meiste Zeit liegen sie daher noch eng zusammengekuschelt im Nest und schlafen. Am Ende der 2. Lebenswoche hat sich ihr Geburtsgewicht vervierfacht.

3. Woche

Die Welpen erkunden weiter neugierig ihre Umgebung und werden dabei immer mutiger. Sobald sie sich jedoch erschrecken oder die Mutter als Warnung mit den Hinterpfoten klopft, sind die kleinen Kaninchen blitzschnell wieder in ihrem sicheren Nest verschwunden.

Ab der 3. Lebenswoche beginnen sie mit der Aufnahme von festem Futter, meist das der Häsin. Richtiges Fressen müssen die Welpen jedoch erst lernen, daher werden in den ersten Tagen die verschiedenen Futtersorten nur neugierig angeknabbert. Die jungen Kaninchen dürfen alles Frischfutter fressen, das die Häsin auch erhält: Gräser, Wiese, Kräuter, Obst, Gemüse, Zweige, Blätter und Heu. Ein langsames Anfüttern von Frischfutter ist bei Jungtieren nicht notwendig. Auch der Blinddarmkot der Mutter wird ab jetzt aufgenommen, er hilft den Kaninchenwelpen beim Aufbau einer gesunden Darmflora und ermöglicht den Tieren die Umstellung von Milch auf rohfaserhaltiges Futter.

Achten Sie als Besitzer auf einen flachen Trinkwassernapf für die Mutter und ihre Welpen, in dem die Kleinen nicht ertrinken können.

In der dritten Woche beginnen die Kleinen auch mit der gegenseitigen Fellpflege und den ersten Versuchen, sich oder ihre Geschwister zu putzen. Zu Beginn ist das Gleichgewicht dabei noch nicht immer vorhanden, am Ende der dritten Woche können die meisten Kaninchen jedoch schon Männchen machen, ohne dabei umzufallen. Ihr Gewicht hat sich im Vergleich zur Geburt versechsfacht.

4. Woche

Ab der vierten Woche entwickeln die kleinen Kaninchen richtigen Hunger und fressen immer größere Mengen festes Futter. Die Häsin säugt ihre Jungen immer noch, jedoch inzwischen in geringeren Mengen.

Die Jungtiere verlassen jetzt für längere Zeit ihr Nest, spielen viel, unternehmen selbstständige Ausflüge in ihre Umgebung und entwickeln dabei ein enormes Tempo. Sie toben mit ihren Geschwistern im Gehege, schlagen blitzschnell Häkchen und sind dabei fast nicht zu stoppen. Dieses Verhalten ist wichtig für das Sozialverhalten der kleinen Kaninchen, auch die unterschiedlichen Charaktere zeigen sich jetzt.

Für die Häsin wird es jetzt wichtig, ruhige Rückzugsbereiche zu finden, in denen sie sich ungestört von den Jungtieren erholen kann.

6. bis 8. Woche

Zwischen der 6. und 8. Lebenswoche fressen die Kleinen selbstständig ausreichende Mengen und benötigen nur noch selten und ergänzend Milch von der Häsin. Die Mutter stellt das Säugen der Jungtiere damit langsam ein. Die kleinen Kaninchen kuscheln jetzt oft und intensiv mit ihrer Mutter oder anderen Kaninchen; sie benötigen den engen Kontakt zu erwachsenen Kaninchen zum Erlernen ihres Sozialverhaltens, sind inzwischen jedoch völlig selbstständig.

10. bis 12. Woche

Bitte lassen Sie die Kleinen unbedingt bis etwa zur 12. Woche bei ihrer Mutter und den Geschwistern. Die Jungtiere benötigen diese wichtigen Wochen zum Aufbau ihres Sozialverhaltens.

Gesundheit: Kastration und Impfungen


Mit etwa drei bis vier Monaten tritt bei männlichen Kaninchen die Geschlechtsreife ein (bei größeren Rassen etwas später). Spätestens zu diesem Zeitpunkt sollten die Männchen kastriert werden, um weiteren Nachwuchs zu vermeiden. Vor diesem Zeitpunkt ist bereits eine Frühkastration der Jungtiere möglich, mit der die Trennungszeit von 6 Wochen nach der Kastration entfallen kann.

Lassen Sie die kleinen Kaninchen bitte frühzeitig gegen die gefährlichen Kaninchenseuchen Myxomatose, RHD und RHDV-2 impfen. Ab der 4. Lebenswoche (impfstoffabhängig) ist eine Impfung möglich. Da die Jungtiere über die Muttermilch keine Antikörper gegen RHDV-2 erhalten, ist eine frühe Impfung speziell gegen RHDV-2, aber auch gegen RHD und Myxomatose, dringend zu empfehlen.

Komplikationen bei der Aufzucht


Bei jungen oder unerfahrenen Häsinnen kann es passieren, dass die Mutter mit der Aufzucht der Jungen überfordert ist, kein Nest baut oder die Welpen nicht annimmt. Gibt es kein Nest und die neugeborenen Welpen liegen frei im Gehege, müssen Sie schnell handeln: die Kleinen benötigen dringend die Nestwärme, um nicht zu erfrieren. Bauen Sie in diesem Fall ein Ersatznest aus Handtüchern, Stroh und Heu und legen Sie dort die Welpen eng aneinander hinein. Die Häsin muss einen freien Zugang zum Nest haben, so dass sie unter Umständen doch mit dem Säugen der Jungtiere beginnt.

Liegen Jungtiere außerhalb des Nestes, legen Sie sie vorsichtig wieder hinein. Stellen Sie fest, dass einzelne Jungtiere immer wieder oder bewusst außerhalb des Nestes gelegt werden, achten Sie besonders auf diese Tiere. Instinktiv kann die Häsin vor allem bei zu großen Würfen schwache oder nicht lebensfähige Tiere aussortieren. Legen Sie die Kleinen dann immer wieder in das Nest.

Nimmt die Häsin ihre Welpen gar nicht an, müssen die Jungtiere unter Umständen per Hand aufgezogen werden. Hat die Häsin nicht genügend Milch für die Jungen oder einen zu großen Wurf zu versorgen, so dass die Kleinen nicht ausreichend versorgt werden und an Gewicht abnehmen, müssen Sie sie unter Umständen ebenfalls mit einer Fütterung per Hand unterstützen. Eine Handaufzucht ist immer mit erheblichen Risiken für die Kleinen verbunden und umso erfolgversprechender, je länger die kleinen Kaninchen Milch von ihrer Mutter erhalten konnten. Die Jungen sollten nach Möglichkeit mindestens in den ersten beiden Wochen von der Häsin mit Muttermilch versorgt werden. Hinweise für eine Handaufzucht erhalten Sie unter Handaufzucht von Kaninchen.

Häufig kommt es zu Problemen beim Säugen der Tiere, wenn die Mutter sehr gestresst ist oder sich beobachtet fühlt. Lassen Sie die Häsin daher in Ruhe, stören Sie sie nicht durch ein häufiges Kontrollieren des Nestes, halten Sie sich nur so lange wie nötig im Bereich der Jungtiere auf und ermöglichen Sie der Häsin, ihr Nest außerhalb der Zeit des Säugens verlassen zu können.

Öffnen die Jungtiere ihre Augen nach dem Ablauf von zwei Wochen (> 14 Lebenstage) noch nicht, sollten Sie sie vorsichtig etwas unterstützen. Bleiben die Augen zu lange geschlossen, besteht für die kleinen Kaninchen die Gefahr der Erblindung. Tauchen Sie ein weiches, fusselfreies Tuch in warmes Wasser und reiben Sie sehr vorsichtig sanft über die geschlossenen Augen des Jungtieres, so dass sich mögliche Verklebungen lösen können. Nehmen Sie auf keinen Fall Kamillentee (die Substanzen können die Augen austrocknen und die im Tee enthaltenen Schwebepartikel die Augen verletzen)

Benötigen Sie dringend einen Ansprechpartner für einen Notfallwurf, der mit der Hand aufgezogen werden muss, helfen Ihnen unsere mit der Welpenaufzucht erfahrenen Ansprechpartner gerne weiter.

Wir wünschen Ihnen viel Geduld und ein gutes Gelingen bei der Aufzucht der kleinen Jungtiere!