Kaninchenschutz e.V.

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Freilandhaltung am Tage


Die Freilandhaltung am Tage ist eine Haltung in einem Garten oder auf einem gartenähnlichen Grundstück, das zwar umfriedet, aber nicht nach oben hin abgesichert ist. Die Haltung auf diese Art und Weise erfolgt von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang und in der Regel ohne dauerhafte Aufsicht. Für die Nacht steht den Kaninchen ein von allen Seiten gemäß den Richtlinien zur Außenhaltung gesichertes Gehege zur Verfügung.

Vorteile gegenüber der Außenhaltung im gesicherten Gehege

Meist steht den Kaninchen in Freilandhaltung ein wesentlich reichhaltigeres Platz- und Revierangebot zur Verfügung, als es in einem gesicherten Gehege möglich ist. Die Möglichkeiten, die gesamte Grundstücksfläche nutzen zu können, führt zu einer deutlich höheren Befriedigung des natürlichen Bewegungs- und Erkundungsbedürfnisses der Tiere: Sie können Sprints praktizieren, Haken schlagen, Gänge graben usw.

Die Nahrungssuche und Nahrungsaufnahme ist direkt an den im Grundstücksbestand vorhandenen Pflanzen möglich (selektierendes Grasen) und entspricht damit der natürlichen Art der Kaninchenernährung mit vielen kleinen Mahlzeiten am Tag. Darüber hinaus haben sowohl die Tiere als auch die Halter vielfältige Möglichkeiten einer flexiblen Grundstücksgestaltung und immer wieder Veränderung der Freilauffläche.

Freilandhaltung - Mögliche Gefahren und Problematiken und der Umgang damit


Fressfeinde (Greifvögel, Marder, Fuchs u.a.) sowie andere Tierarten (Hund, Katze usw.)

Die Gefahr eines Besuchs von Fressfeinden ist in der Nacht und im Winter sowie zur Aufzuchtzeit der Jungen erhöht. Sie können diese Gefahr minimieren, indem Sie für eine ausreichend hohe Umfriedung des Grundstücks, möglichst ohne „Aufsitzmöglichkeit“ für Greifvögel und kletternde Raubtiere, sorgen. Bringen Sie evtl. Stacheldraht oder ausreichend breite Plexiglas-/Metall-Streifen am oberen Ende der Umfriedung an, so dass kletternde Raubtiere daran keinen Halt finden. Zur Marderabwehr können Sie "Drahtbürsten" als Kletterschutz anbringen.

Installieren Sie einen Elektrozaun (z.B. Schafzaun) an, muss dieser engmaschig auf seine Stromstärke und den durchgängigen Durchfluss kontrolliert werden, zudem sollte ein Elektrozaun mit möglichst wenig Buschwerk in Berührung kommen.

Bringen Sie Greifvogel-Abwehrkugeln, Spiegelkugeln oder bunte Windrädchen an - sie irritieren einen anfliegenden Vogel. Bei kleineren Grundstücken können auch Vogelabwehrnetze eine gute Sicherung sein.

Gestalten Sie für Ihre Kaninchen ausreichend gute und schnell erreichbare Verstecke und Unterschlüpfe, in die die Kaninchen reinpassen, Fressfeinde (außer Marder) jedoch nicht. Auch dichtes Buschwerk, Höhlen und Gänge erschweren Feinden das Eindringen.

Menschen (Diebstahl, Vergiftung, Misshandlung)

Um Ihre Tiere vor bewussten Schaden zu schützen, sorgen Sie bitte für ein sicheres, abschließbares Gehege für die Nacht und statten Sie dieses mit stabilen Schlössern aus. Schützen Sie Ihr Grundstück vor unbefugtem Zutritt und installieren Sie Bewegungsmelder oder Überwachungskameras.

Tunnelbau

Neigen Ihre Kaninchen zu einem intensiven Tunnelbau, kontrollieren Sie die angelegten Bauten engmaschig und reagieren Sie sie bei Bedarf rechtzeitig, indem Sie die Tunnel verschließen, umleiten oder stabilisieren, bevor diese zu instabil werden oder gar einzustürzen drohen und damit eine Gefahr für Tiere und Menschen werden. Zu lange Tunnel bergen außerem die Gefahr, dass Sie Ihre Tiere darin nicht mehr erreichen können.

Die Gefahr, dass Ihre Kaninchen Tunnel auch über Ihre Grundstücksgrenzen hinaus anlegen und sich somit aus Ihrem Grundstück hinaus graben, ist umso geringer, je größer das Grundstück und je mehr Fläche damit für die Kaninchen vorhanden ist. Bieten Sie Ihren Tieren dennoch am besten einige natürliche Alternativen wie Korkröhren, Weidentunnel oder Pflanzsteine an.

Kaninchen stressfrei wieder ins Gehege sperren

Um Ihre Tiere am Abend möglichst entspannt wieder in ihr Gehege zu holen, können Sie feste Rituale etablieren, die die Kaninchen kennen und mit einer Rückkehr ins Gehege verbinden: Verbinden Sie die Fütterung mit einem bestimmten Geräusch oder Lockwort und bieten Sie besondere Leckerlies ausschließlich im Gehege der Tiere an.

Gartenteiche oder Gewässer

Ein Gewässer kann eine erhebliche Gefahrenquelle für Kaninchen darstellen. Vor allem im Winter, wenn sich eine dünne Eisschicht gebildet hat, besteht die Gefahr, dass die Tiere einbrechen können und damit ertrinken oder unterkühlen. Da selbst der gewissenhafteste Halter seine Augen nicht überall haben kann, achten Sie bitte auf eine ausreichende Sicherung von Gewässerflächen. Hierfür eignet sich eine Umzäunung oder bei kleinen Gewässern das Abdecken mit Holzbrettern oder ähnlichen Materialien.

Gefahr durch Giftpflanzen


Achten Sie darauf, dass sich auf Ihrem Grundstück keine für Kaninchen giftigen Pflanzen befinden.

Glücklicherweise sind nur wenige Pflanzen von ihrer Giftwirkung her für Kaninchen gefährlich. Sicherheitshalter sollten Sie jedoch auf folgende Pflanzen im Auslaufbereich der Kaninchen verzichten oder diese für die Tiere unerreichbar abgrenzen (achten Sie dabei auch darauf, dass Ihre Tiere keine herunterfallenden Blätter, Blüten oder Knospen erreichen können):

Zu den Giftpflanzen für Kaninchen zählen zum Beispiel:

  • Aronstab, Gefleckter (Arum maculatum)
  • Bilsenkraut (Hyoscyamus niger)
  • Brechnuss (Strychnos nux-vomica)
  • Eibe (Taxus baccata) (Achtung: giftig-tödliche Wirkung für Kaninchen bereits bei geringsten Mengen!)
  • Eisenhut (Aconitum napellus)
  • Engelstrompete (Brugmansia spp.)
  • Fingerhut, Roter (Digitalis purpurea)
  • Herbstzeitlose (Colchicum autumnale)
  • Nachtschatten, Schwarzer (Solanum nigrum) & Bittersüßer (Solanum dulcamara)
  • Oleander (Nerium oleander)
  • Rittersporn (Delphinium elatum)
  • Schierling: Gefleckter Schierling (Conium maculatum) & Wasserschierling (Cicuta virosa)
  • Wunderbaum (Ricinus communis)

Die Freilandhaltung einschränkende Faktoren


Auch für diese für die Kaninchen ideal erscheinende Haltungsform gibt es einige einschränkende Faktoren. So sollten kranke Tiere aufgrund der schlechteren Beobachtungsmöglichkeiten und eventuell verminderter Sinneswahrnehmungen nicht in Freilandhaltung leben. Auch schlecht hörende Widder nehmen Gefahren schlechter oder deutlich langsamer wahr.

Vor allem kleine und junge Kaninchen sind leichte Beute für Raubtier- und Greifvögelangriffe. Große Kaninchen sind umgekehrt weniger flink und wendig bei Fluchtversuchen. Wildfarbene und in Brauntönen gemusterte Kaninchen sind weniger sichtbar für Fressfeinde als sehr helle und sehr dunkle Vertreter.

Beachten Sie zudem die baurechtlichen Bestimmungen: Je nach Region und Gemeinde gibt es unterschiedliche Regelungen für, die Höhe und Art der ortsgemäßen Umfriedung von Grundstücken. Nicht immer können Sie also eine ausreichend sichere Umzäunung für Ihre Tiere gewährleisten.

Für eine Entscheidung zur Freilandhaltung ist immer eine individuelle Beurteilung der Eignung der Tiere, aber auch des Grundstücks durch Sie als Halter nötig.

Empfehlungen und Rahmenbedingungen


... für möglichst sichere Freilandhaltung am Tage

  • der Tagesfreilauf grenzt direkt an das gesicherte Gehege an, die Tiere können jeweils zwischen den Bereichen wechseln
  • der Gehegeeingang ist an die Größe der Kaninchen angepasst, so dass bei einer Flucht der Tiere kein Raubtier in das Gehege folgen kann
  • die Gehegegröße muss den bekannten Richtlinien entsprechen
  • es müssen ausreichende Versteckmöglichkeiten im Auslaufbereich vorhanden sein
  • nur gesunde Tiere sind für die Freilandhaltung geeignet
  • die Fütterung muss weiterhin dem Bedarf der Kaninchen entsprechen (je nachdem, wie viel Futter auf dem Grundstück selbst zur Verfügung steht); fast immer muss vom Halter zugefüttert werden
  • Gruppenhaltung wird empfohlen und erhöht die Sicherheit der einzelnen Kaninchen durch Warnverhalten der Artgenossen, Gruppendynamik, „Wachposten" u.ä.)

All unsere Empfehlungen und Aufzählungen von Gefahren (insbesondere der Giftpflanzen) erfolgen ohne Gewähr und erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Der Halter wird nachdrücklich dazu aufgefordert, eine für seine individuellen Gegebenheiten vor Ort geeignete, vernünftige Lösung zur Umsetzung einer größtmöglichen Sicherheit für seine Kaninchen zu finden.


Wir wünschen Ihnen viel Freude an der Beobachtung Ihrer Tiere in ihrem Freilaufbereich!