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Warum sind Kaninchen scheu?


Kaninchen sind Fluchttiere – und auch bei unseren Hauskaninchen zeigt sich diese Eigenschaft manchmal in einem vorsichtigen oder gar ängstlichen Verhalten. Eine gewisse Scheu der Tiere ist grundsätzlich völlig arttypisch und damit normal.

Warum sind Kaninchen scheu?

In der Natur müssen Kaninchen permanent wachsam vor ihren Feinden sein und sich im Falle eines Angriffs blitzschnell in Sicherheit bringen. Sie nehmen daher schnelle Bewegungen von oben oder von der Seite sowie auch Schatten sofort wahr und reagieren auch in der Umgebung im Familienhaushalt instinktiv mit einer schnellen Flucht in ein Versteck oder ein sicheres Häuschen. Oft beobachtet man kurz danach, dass das Kaninchen seine Nase und das Köpfchen wieder aus dem Eingang des Verstecks herausstreckt und seine Umgebung aufmerksam beobachtet: Ist wieder alles sicher? Erst wenn sich das Kaninchen völlig sicher ist, dass draußen keine Gefahr (mehr) droht, wird es wieder herauskommen.

Dieses Verhalten ist in der freien Natur überlebenswichtig: Wird eine Gefahr erkannt, flüchtet das Tier. Oft warnt ein Kaninchen, das die Gefahr als erstes wahrnimmt, durch kräftiges Klopfen mit den Hinterpfoten seine Artgenossen, so dass sich die ganze Gruppe in Sicherheit bringen kann.

Erst später, im sicheren Versteck, hat das Kaninchen Zeit, seine Umgebung zu beobachten und die Situation genau einzuschätzen. Ist eine vermeintlich bedrohliche Situation wieder vorbei, wird das Kaninchen auch wieder aus seinem sicheren Versteck herauskommen. Denn genauso, wie Kaninchen instinktiv scheue Fluchttiere sind, genauso neugierig sind sie auch. Auch bei unseren Hauskaninchen ist dieses Fluchtverhalten eine grundsätzlich normale und gesunde Reaktion.

Umgang mit Kaninchen durch den Besitzer


Im rücksichtsvollen Umgang mit Kaninchen ist es für Besitzer wichtig, angstauslösende Situationen für die Tiere zu vermeiden. Aus Sicht des am Boden sitzenden relativ kleinen Kaninchens wirkt der Mensch riesig – selbst, wenn es sich um ein Kind handelt. Kommen noch hektische Bewegungen hinzu, fühlt sich das Kaninchen schnell bedroht.

Vermeiden Sie daher alle abrupten Bewegungen oder Bewegungen, die Sie noch größer wirken lassen, und vermeiden Sie vor allem auch alle Bewegungen und Zugriffe von oben. Bewegungen von oben nimmt das Kaninchen grundsätzlich als Angriff eines Feindes wahr: Raubvögel stürzen zum Beispiel bei ihren Beuteflügen von oben auf die Kaninchen herab.

Nimmt das Kaninchen einen solchen Angriff wahr, wird es blitzschnell in das nächste sichere Versteck flüchten. Schafft es die Flucht zeitlich nicht mehr, reagiert das Kaninchen mit einer sogenannten „Schockstarre“, bei der es in Panik erstarrt und völlig reglos an seinem Platz verharrt. Die Augen sind in aller Regel dabei schreckgeweitet, das Kaninchen ist in Todesangst vor dem erwarteten Angriff.

Das Erstarren ist für das Tier eine effektive – aber auch die letzte – Möglichkeit, einen Angriff von Feinden abzuwehren – denn in der Natur stürzen sich Feinde vor allem auf lebende und sich bewegende (flüchtende) Beutetiere, nicht auf leblos scheinende, erstarrte Tiere, die durch den Beutegreifer als Gegenstände eingeschätzt werden.

Diese natürlichen Instinkte begleiten auch unsere Hauskaninchen im sicheren Umfeld ihres Geheges. Achten Sie im Umgang mit Ihren Tieren immer darauf, sich den Kaninchen mit langsamen Bewegungen und in einer freundlichen, liebevollen Art zu nähern. Vermeiden Sie auch laute und hektische Geräusche und sprechen Sie ruhig und leise mit den Tieren. Auf diese Weise wird das Kaninchen lernen, Sie nicht als Bedrohung wahrzunehmen und kann Vertrauen zu Ihnen aufbauen. Nehmen Sie bitte Tiere, die sich zum Schlafen oder Ausruhen in einen geschützten Bereich zurückgezogen haben, niemals aus ihrer gewählten Umgebung weg, wenn die Kaninchen das nicht möchten. Warten Sie idealerweise, dass die Kaninchen von selbst auf Sie zukommen – durch die Neugier der Kaninchen werden Sie nicht lange darauf warten müssen. Lassen Sie die Tiere entscheiden, wann sie mit Ihnen Kontakt aufnehmen möchten – sie werden erwartungsvoll auf Sie zukommen, vielleicht an ihrer Hand stupsen und Ihnen zeigen, dass sie den Kontakt von Ihnen möchten.

Auch Kinder sollten sich den Kaninchen gegenüber sehr ruhig verhalten. Die Kaninchen werden sich schnell an sich rücksichtsvoll verhaltende Kinder gewöhnen und neugierig mit ihnen den Kontakt suchen und sich in den allermeisten Fällen gerne von ihnen streicheln lassen.

Hochnehmen nur im Notfall


Nehmen Sie Kaninchen bitte nur im Notfall hoch

Bitte vermeiden Sie es, Ihre Kaninchen hochzunehmen und achten Sie auch im Umgang mit Kindern darauf.

Für Kaninchen bedeutet jedes Hochnehmen eine enorme Stressphase, meist begleitet von Angst. Diese Reaktion ist ihnen instinktiv aus ihrem Fluchtverhalten nach Angriff von oben durch Raubtiere erhalten geblieben.

Suchen Sie den Kontakt zu Ihren Kaninchen lieber auf Bodenhöhe, setzen Sie sich zu den Tieren und warten geduldig, bis die Kaninchen zu Ihnen kommen. Sie können auch kleine Leckerchen wie Blüten oder Blätter nutzen, um die Kaninchen auf sich aufmerksam zu machen. Für ihr Lieblingsfutter werden die Kaninchen meist schnell begeistert zu Ihnen kommen!

Vertrauen aufbauen bei ängstlichen Kaninchen


Vertrauen aufbauen bei ängstlichen Kaninchen

Die meisten Kaninchen werden bei einem geduldigen und rücksichtsvollen Verhalten ihnen gegenüber schnell ein Grundvertrauen zu Ihnen entwickeln.

Es gibt jedoch auch Kaninchen, die jede Ihrer Bewegungen voller Angst beobachten und sich bei jeder Annäherung vor Ihnen in Sicherheit bringen. Manche Kaninchen hoppeln auch immer in einem ausreichenden Sicherheitsabstand vor Ihnen weg, sobald Sie sich auf die Tiere zubewegen, so dass sie mit einem bewussten Abstand zu Ihnen ihre persönliche Sicherheitszone einhalten können.

Lassen Sie den Tieren dieses Verhalten und vermeiden Sie es, Ihre Kaninchen zu bedrängen. Laufen Sie ihnen nicht nach – sondern bleiben Sie ruhig stehen oder ziehen Sie sich vorsichtig etwas zurück. Ihr Kaninchen wird aus dem sicheren Versteck schnell wieder herauskommen, wenn es die Situation für sich selbst als sicher empfindet.

Bieten Sie einem ängstlichen Kaninchen kleine Leckerchen an – aber lassen Sie das Kaninchen entscheiden, wann es zu Ihnen kommen möchte. Wenn Sie Ihrem Tier Ihre ausgestreckte Hand mit einem Leckerchen entgegenhalten, wird das Kaninchen schnell lernen, dass Sie und Ihre Hand keine Bedrohung darstellen, und es wird neugierig an Ihrer Hand schnuppern.

Manche Kaninchen können von der Hand gefüttert werden – aber sie wollen sich nicht anfassen lassen. Respektieren Sie ein solches Verhalten Ihres Kaninchens und versuchen Sie in seiner Körperhaltung zu unterscheiden, ob das Tier Angst vor der Situation bzw. vor Ihnen hat – oder ob es einfach nicht angefasst werden möchte. Ein ängstliches Tier wird nur mit großer Vorsicht oder gar nicht durch Leckerchen anzulocken sein. Legen Sie alternativ einem so ängstlichen Tier die Leckerchen auf den Boden und ziehen Sie sich dann langsam zurück – so kann Ihr Kaninchen entscheiden, wann es sich das Leckerchen abholen möchte. Vermeiden Sie auch eine große Körperhaltung und machen Sie sich möglichst klein, indem sie sich hinhocken oder hinsetzen. Sie wirken dann wesentlich weniger bedrohlicher auf Ihr Kaninchen.

Möglich ist auch, dass ein Kaninchen den Geruch Ihrer Hände als bedrohlich empfindet – hierzu gehören vor allem Gerüche nach Reinigungsmitteln oder Seife. Kaninchen haben eine sehr sensible Nase und nehmen Gerüche sehr viel stärker als wir wahr. Bemerken sie einen solchen Geruch, werden sie den Kontakt vermeiden. Probieren Sie aus, ob Ihr Kaninchen mehr Vertrauen zu Ihnen hat, wenn Ihre Hände vorher Kontakt mit zum Beispiel mit Heu haben: Der Geruch nach frischem Heu an Ihren Händen wird für Ihr Kaninchen vertraut und mit einem Wohlgefühl verbunden sein, vermutlich wird es dann aufgeregt an Ihren Händen schnuppern.

In manchen Fällen empfinden ängstliche Kaninchen auch dunkle Farben (vor allem Schwarz) als bedrohlich – möglicherweise tragen Sie schwarze Kleidung, die auf ihr Kaninchen angstauslösend wirkt. Auch diese Reaktion ist häufig ein Instinktverhalten aus der Abwehrsituation vor Raubtierangriffen.

Rücksicht dem Kaninchen gegenüber


Rücksicht den Kaninchen gegenüber

Achten Sie immer auf einen ruhigen und rücksichtsvollen Umgang Ihren Tieren gegenüber. Mit einem sensiblen Erkennen der Bedürfnisse und natürlichen Instinkte Ihrer Tiere können Sie viele angstauslösende Situationen bei Ihren Kaninchen vermeiden.

Haben Sie keine Sorge, dass ein scheues Einzelkaninchen durch die Aufnahme weiterer Tiere noch scheuer wird oder sich dann nicht mehr von Ihnen anfassen lassen möchte: Kaninchen sind soziale Gruppentiere und benötigen die Gesellschaft durch Partnertiere. Artgenossen geben einem ängstlichen Tier Sicherheit und unterstützen seine natürlichen Verhaltensweisen.

Manche Kaninchen benötigen viel Zeit, um ein ausreichendes Vertrauen zu Ihnen aufzubauen. Haben Sie Geduld, geben Sie Ihren Tieren die Zeit, die sie benötigen und akzeptieren Sie auch, dass es Kaninchen gibt, die keinen zu engen Kontakt mit Ihnen wollen. Lassen Sie diese Kaninchen in ihrer Gruppe ihren natürlichen Instinkten entsprechend glücklich sein und denken Sie immer daran: Kaninchen sind keine Kuscheltiere, es sind Lebewesen mit ganz eigenen Empfindungen und Bedürfnissen. Auf diese Weise ermöglichen Sie ihren Tieren ein artgerechtes und erfülltes Leben entsprechend ihrer eigenen Empfindungen.