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Aggressionen bei Kaninchen

Aggressionen bei Kaninchen können vielfältige Ursachen haben.
Kaninchen können gegenüber ihren Artgenossen oder auch gegenüber den Menschen aggressiv sein. Manche Kaninchen vereinen beide Möglichkeiten in sich.
In den meisten Fällen entstehen solche Aggressionen aufgrund von Haltungs- oder Umgangsfehlern. Das Wichtigste ist, einen vernünftigen Umgang mit dem Tier zu pflegen. Denn: Es gibt äußerst selten einen genetischen Grund für Aggressionen.

Umgangsfehler
Ein Kaninchen sollte keinesfalls geschlagen werden, auch nicht ganz leicht. Kaninchen können dies ohnehin nicht als Maßregelung deuten. Da sie uns nicht verstehen, bringt auch anschreien nichts. Das laute „Geräusch“ führt bei den Fluchttieren zu einer panischen Reaktion. Dauerhaft wiederholt, kann es ebenfalls zu Aggressionen führen.

Haltungsfehler
Ein wichtiger Punkt ist selbstverständlich die Haltung. Ungeachtet der Tatsache, dass Kaninchen nicht in einen Käfig gehören, schon gar nicht mit mehreren Tieren, kann genau das zu Frust führen. Dieser Frust kann sich auch in Aggression gegenüber dem Halter umwandeln. Dies wird meist erst bemerkt, wenn das Kaninchen beim Hineingreifen und Futter abstellen plötzlich zubeißt.
Das Wichtigste ist es also, es gar nicht erst zu Angst, Frustration oder Verteidigungshaltung kommen zu lassen, indem ausreichend Platz und Beschäftigungsmöglichkeiten angeboten werden.

Was tun, wenn mein Kaninchen dennoch aggressiv ist oder erst wird?
Zunächst einmal muss analysiert werden, in welchen Situationen es zu diesen Aggressionen kommt. Hier gibt es so viele Möglichkeiten, von denen hier erst einmal einige häufige Beispiele genannt werden:

Aggression gegenüber dem Partnertier
Hier unterscheidet man zwischen normalem Revierverhalten, dass immer mal wieder gegenüber dem/den Partnertieren vorkommt, und extremen Aggressionen. Diese Rangordnungskämpfe sind völlig normal. Dauerhafte Rangordnungskämpfe können auch bedeuten, dass die Tiere sich einfach nicht leiden können. Kaninchen in Gefangenschaft können sich ja nicht wie wir ihren Partner selber aussuchen. In diesem Fall sollten die Tiere getrennt und passende Partnertiere gesucht werden.
Wenn es jedoch zu massiven und/oder wiederholten Übergriffen kommt, kann dies auf eine Krankheit oder Schmerzen eines beteiligten Tieres zurückzuführen sein. Hier ist es an uns, genau zu beobachten, ob es um ein Überschreiten der normalen Rangordnungskämpfe geht oder aber mehr dahinter stecken könnte.
Zum einen werden kranke Tiere unter Umständen von anderen angegriffen, um diese aus der Gruppe zu verbannen. Kranke Tiere, die unter Schmerzen leiden, können auch massiv auf zum Beispiel untergeordnete Tiere losgehen, um zu vermeiden, dass sie aus der Gruppe gedrängt werden, wie es zuvor beschrieben steht.
Hier sollte der Gang zum Tierarzt an erster Stelle stehen.

Aggressionen gegenüber Menschen
Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit liegt diese Form der Aggression an dem Umgang mit dem Kaninchen.

Wenn das Kaninchen Sie umkreist:
Umkreisen, Bespringen und Beißen sind klassische Merkmale für sexuell frustrierte Kaninchen. Am Anfang kann das lustig sein, aber es kann sich zu einer lästigen Angewohnheit entwickeln. Kastrieren kann bei Männchen dieses aggressive Verhalten sehr abschwächen.

Wenn das Kaninchen Ihre Hand wegstößt:
Kaninchen sehen besser in der Ferne, die Nahsicht ist nicht so gut ausgebildet. Eine menschliche Hand vor einem Kaninchengesicht kann es sehr erschrecken. Um ihm das abzugewöhnen, halten Sie die Hand über den Kopf und nicht vor die Nase. Wenn es aggressiv wird, drücken Sie seinen Kopf sanft mit ruhigen, nicht hektischer Bewegung (es könnte sonst denken, ein „Feind“ greift an) nach unten, damit es erkennt, dass Sie das „Chefkaninchen" sind.

Das Kaninchen beißt, wenn man sein Revier betritt:
Hier ist es wichtig, Vertrauen zu schaffen, indem es freiwillig kommt. Dies kann man durch langsames Annähern begleiten – das ein oder andere Leckerlie kann hier selbstverständlich helfen.
Manchmal muss das Kaninchen jedoch hochgenommen werden, zum Beispiel bei Krankheit. Hier kann man frühzeitig mit der „Kistenmethode“ üben: Eine Transbortbox in das Gehege stellen, mit Leckerlies füllen und warten, bis das Tier freiwillig hineingeht. Es ist einfacher und vor allem auch für das Tier schonender, es in der Kiste hoch zu heben, als dass es den Boden unter den Füßen verliert. Auch hier braucht es viel Geduld und Vertrauen. Gerade in der Eingewöhnungszeit ist der liebevolle Umgang wichtig.
Es gilt immer zu beachten: Kaninchen sind Flucht- und keine Kuscheltiere. Es ist dann umso schöner für den Halter, wenn das Kaninchen freiwillig seine Kuscheleinheiten einfordert.

Wenn das Kaninchen zwickt:
Es gibt zwei Möglichkeiten, das leichte Zwicken durch das Kaninchen zu deuten. In den meisten Fällen heißt es: „Geh mir aus dem Weg und lass mich in Ruhe!"
Es gibt aber tatsächlich auch Kaninchen, die so nach Aufmerksamkeit heischen und so auch Kuscheleinheiten einfordern. Unter Kaninchen nennt man das auch „Liebesbisse". Allerdings dauert es eine Weile, bis der Halter weiß, was nun genau gemeint ist. Kaninchen untereinander können das besser unterscheiden.
Es kann passieren, dass das Kaninchen angreift, wenn man das Futter in das Gehege oder an seinen Platz stellt. Ein Kaninchen kann auch keine Gedanken lesen, daher geht es erstmal davon aus, dass man sein Futter klaut und wird es verteidigen. Hier helfen regelmäßige Fütterungszeiten. Wichtig ist, dass auch wir nicht mit dem Essen spielen – den Napf abstellen und dann wieder gehen ist der richtige Weg, um dem Kaninchen zu zeigen, dass man ihm kein Futter klaut, also keine Gefahr darstellt.

Wenn das Kaninchen generell aggressiv reagiert:
Dann gibt es noch Kaninchen, die extrem aggressiv sind. Es ist davon auszugehen, dass das Kaninchen in seinem Leben, insbesondere mit Menschen, nicht viel Gutes erlebt hat. Zum einen ist es ein sehr ausgeprägtes Revierverhalten. In diesem Fall hilft auch wieder viel Geduld, langsame Annäherung und auch die Akzeptanz, dass gewisse Bereiche einfach dem Kaninchen gehören.
Es gibt auch Bewegungen, die sogar bis zu einem Festbeißen führen können. Anfangs hilft da meist nur feste Kleidung für den Besitzer. Wir können nur erahnen, was dieses Kaninchen mitgemacht hat. Es ist auch völlig unerheblich, wie alt es beim Einzug ist. Wir können nur hoffen, dass es sich mit der Zeit, die manchmal Jahre in Anspruch nehmen kann, etwas verbessert und ein gemeinsames Leben mit viel Akzeptanz auf beiden Seiten möglich wird.
Natürlich ist es nicht schön, ein Kaninchen an der Hand oder am Fuß hängen zu haben. Unsere natürliche Reaktion ist das Wegziehen, und das Kaninchen merkt meist erst, wenn es in der Luft hängt, dass es loslassen sollte. Auch wenn es richtig weh tut, sollte man versuchen, dem Tier festen Boden unter den Füßen zu geben. Genau wie während einer Zusammenführung kann ein kleiner Schmerzschrei helfen. Wenn es immer noch nicht ablässt, kann man es vorsichtig mit einem Tuch ablenken.
Es tut meist nicht nur körperlich weh, sondern der Halter sieht dem Tier den Stress und die Angst meistens an. Erfahrungen haben gezeigt, dass es durchaus möglich ist, durch Akzeptanz und genaue Beobachtungen ein gutes Miteinander zu schaffen. Kein Tier kommt als Beißer zur Welt - das gilt auch für Kaninchen.
Die meisten Kaninchen sind durch ihre Herkunft ohnehin schon schlecht bist gar nicht sozialisiert. Sie müssen erst gute Erfahrungen sammeln. Manche Erfahrungen waren leider so schmerzhaft, dass sie ihre Vorsicht und damit ihre Aggression niemals ganz ablegen können und werden. Hier gilt für uns alle – Vorbeugen statt heilen. Manche Wunden heilen nie.