Kaninchenschutz e.V.

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Zusammenführung - Allgemeines


Warum braucht ein Kaninchen einen Partner?

Kaninchen sind hochsoziale Tiere, die viele Stunden am Tag gemeinsam fressen, sich gegenseitig putzen und eng nebeneinanderliegen (Kontaktliegen). Dieses Sozialverhalten können weder ein artfremdes Partnertier (z.B. Meerschweinchen) noch der Mensch nachahmen. Der Kaninchenschutz e.V. rät daher: halten Sie mindestens zwei Kaninchen, idealerweise eine Häsin mit einem kastrierten Böckchen.

Verstirbt ein Partnertier oder möchte man seine vorhandene Gruppe aufstocken, steht jeder Halter früher oder später vor der Aufgabe, das neue Tier mit den alteingesessenen Kaninchen bekannt zu machen. Damit dieses Vorhaben gelingt, haben wir hilfreiche Tipps zusammengefasst:

Woher sollte das neue Tier stammen und welche Dinge sollten vor dem Einzug beachtet werden?

Am besten schaut man sich in Tierheimen oder bei Pflegestellen von Tierschutzvereinen nach einem passenden Partnertier um. Der Vorteil: die Tiere sind in der Regel tierärztlich durchgecheckt, geimpft und die männlichen Tiere sind bereits kastriert. Zudem kennen die Betreuer den Charakter des Tieres und können abschätzen, ob das Tier zum Gesuch passen könnte. Vor der Vergesellschaftung sollte das Tier eine zweiwöchige Quarantäne einhalten, in der auch eine Kotprobe (Sammelprobe über 3 Tage) beim Tierarzt auf Hefen, Kokzidien und ggf. andere Darmparasiten untersucht wird. Ist das Tier gesund und zeigt in der Quarantänezeit keine Auffälligkeiten, kann die Vergesellschaftung starten.

Wer passt zu wem?

Die Kombination männliches und weibliches Tier ist am erfolgversprechendsten. Bei Gruppenhaltung lässt sich sagen, dass reine Männer- oder Damengruppen in den seltensten Fällen harmonieren - die Geschlechtermischung macht’s. Auch sollten die Tiere vom Alter her nicht allzu unterschiedlich sein. Männliche Tiere müssen in jedem Fall kastriert sein. Zum einen schützt dies in Kombination mit weiblichen Tieren vor ungewünschtem Nachwuchs. Zum anderen bekämpfen sich unkastrierte männliche Tiere oft bis zum Tode miteinander, mindestens aber entstehen schwerste Verletzungen.

Vorbereitung


Wie bereitet man eine Vergesellschaftung vor?

Am besten klappt eine Vergesellschaftung an einem neutralen Ort, an dem sich keines der Tiere bisher aufgehalten hat und somit keine Revieransprüche stellen kann.

Bei der Wahl des Ortes sollte man bedenken, dass eine Vergesellschaftung durchaus mehrere Wochen dauern kann und in dieser Zeit die Tiere in dem Gehege bleiben müssen. Es ist nicht günstig, die Tiere zwischendurch umzusiedeln (und sei es nur zum Saubermachen).

Zudem sollten die zu vergesellschaftenden Kaninchen vor der Zusammenführung keinerlei Geruchs- oder Sichtkontakt haben, da es sonst leicht zu Aggressionen kommen kann. Das Platzangebot sollte so beschaffen sein, dass die Tiere genügend Platz zum Ausweichen haben, aber auch immer wieder mit dem Gegenüber konfrontiert werden.

Durchführung


Der Ablauf einer Vergesellschaftung

Das Gehege für die Zusammenführung sollte mit mehreren Toiletten, Wassernäpfen sowie Kartons mit zwei Aus- bzw. Eingängen versehen sein. Das Futter wird großzügig im ganzen Gehege verteilt, damit jedes Tier die Möglichkeit der Futteraufnahme hat. Ist das Gehege für die Vergesellschaftung vorbereitet, sollten die Tiere zeitgleich in das Gehege gesetzt werden.

In der Regel werden die Tiere zunächst unbeteiligt aneinander vorbeilaufen. Dann werden sie wahrnehmen, dass dort ein fremder Artgenosse ist. Spätestens dann sind vom Halter starke Nerven gefragt: die Tiere berammeln sich, es kann zu Jagereien kommen, die Tiere springen sich an, verbeißen sich ineinander und es fliegt Fell. All das ist normal und dient der Klärung der Rangordnung. Solange die Tiere genug Platz zum Ausweichen haben, es zwischen den Jagereien zu Pausen kommt und die Tiere keine tierärztlich behandlungsbedürftigen Verletzungen haben, ist dies ein ganz normales Verhalten. Bitte kontrollieren Sie die Tiere in dieser Zeit zweimal am Tag auf Verletzungen und kleinere Wunden.

In der Regel werden sich die Tiere nach einiger Zeit einen Platz aussuchen, an den sie nach einer Jagerei immer wieder zurückkehren. Daher ist es wichtig, das Futter großzügig im Gehege zu verteilen, damit die Tiere es von jeder Position aus erreichen können. Die nächsten Tage können etwas unruhig sein, aber nach und nach wird die Vergesellschaftung voranschreiten und die Tiere liegen schon in etwas verkürzter Entfernung zusammen und fressen eventuell schon gemeinsam. Wenn dann eines der Tiere anfängt, sein Gegenüber zu putzen, befindet sich die Vergesellschaftung auf einem guten Weg!

Erfolg oder Abbruch?


Wann ist eine Vergesellschaftung erfolgreich beendet?

Eine Vergesellschaftung ist als erfolgreich zu bezeichnen, wenn die Kaninchen zusammen fressen, kuscheln und sich gegenseitig putzen. Dann können die Tiere in das eigentliche Gehege umziehen. Dort kann es noch einmal zu kleineren Jagereien kommen, diese sind aber in der Regel nur von kurzer Dauer und nicht wirklich heftig.

Wann ist eine Vergesellschaftung gescheitert?

Auch diese Möglichkeit gibt es: die Tiere mögen sich nicht. Es kommt dauerhaft zu Jagereien, Beißereien, Gruppenmitglieder werden ausgegrenzt und verjagt und es entsteht kein harmonisches Miteinander. Geht dies über einen längeren Zeitraum und will sich keine Besserung einstellen, dann ist eine Vergesellschaftung in der Regel als gescheitert zu betrachten. Kommen dazu auch noch größere Verletzungen oder eines der Tiere stellt das Fressen aus lauter Stress ein, passen die Tiere nicht zusammen und sollten getrennt werden.

Häufige Fehler


Was sind die häufigsten Fehler bei einer Vergesellschaftung?

Im Rahmen unserer Beratungsarbeit werden wir häufig mit gescheiterten Vergesellschaftungen konfrontiert. Recherchiert man den Ablauf dieser Vergesellschaftung, dann lassen sich schnell Fehler identifizieren, die zum Misslingen geführt haben. Daher fassen wir hier die Methoden zusammen, von denen wir dringend abraten:

  • Kennenlernen „Gitter-an-Gitter“: schürt aggressives Verhalten der Tiere, da durch das Gitter keine Klärung der Rangordnung möglich
  • Kein neutraler Ort: führt unter Umständen ebenfalls dazu, dass eine Vergesellschaftung misslingt
  • Vergesellschaftung mit Unterbrechungen: hat eine Vergesellschaftung angefangen, sollte man nur trennen, wenn ein Tier (schwer) verletzt ist oder die Vergesellschaftung gescheitert ist
  • Zu viel/zu wenig Platz: ist das Gehege für die Vergesellschaftung zu groß, gehen sich die Tiere aus dem Weg; ist es zu klein, kann das unterlegene Tier nicht ausweichen und die Verletzungsgefahr steigt

Hilfe und Unterstützung


Wo kann ich Hilfe bekommen?

Auch wenn der beschriebene Ablauf einer Vergesellschaftung beim Lesen abschreckend wirkt: Einzelhaltung ist für Kaninchen niemals eine Option. Kaninchen sind Gruppentiere, und kein anderes Tier oder ein Mensch (egal wie viel Zeit dieser mit dem Tier verbringt) können einen Partner ersetzen. Einzelhaltung ist Tierquälerei!

Es gibt leider immer wieder Halter, die der Meinung sind, ihr Kaninchen wäre allein glücklich. Kaninchen leiden still und vermitteln deshalb oft den Eindruck, sie wären glücklich.

Einzelhaltung widerspricht der Natur von Kaninchen. Im Rahmen der Tierschutzarbeit werden oft Tiere vorgestellt, die Verhaltensstörungen zeigen, bedingt durch Einzelhaltung und Platz-/Beschäftigungsmangel. Unsere Arbeit zeigt, dass es keine Kaninchen gibt, die nur in Einzelhaltung leben dürfen. Für jedes dieser Tiere konnten wir einen oder mehrere passende Partner finden und so leben diese Tiere mittlerweile wie jedes andere normale Kaninchen auch: in Gesellschaft.

Wenn man noch nie eine Vergesellschaftung durchgeführt hat, sich unsicher fühlt oder Probleme auftreten, ist es empfehlenswert, sich Hilfe zu suchen. Die Ansprechpartner des Kaninchenschutz e.V. stehen gern mit Rat und ermunternden Worten hilfreich zur Seite.