Kaninchenschutz e.V.

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Unsere Pflegestellen


Leider sind nicht alle Kaninchen, die zu uns kommen, gesund. Viele Tiere haben schwerwiegende oder ansteckende Krankheiten, deren Behandlung oft sehr aufwendig ist. In unseren Pflegestellen werden die Kaninchen tierärztlich versorgt und erhalten die Zuwendung und Aufmerksamkeit von unseren aktiven Mitgliedern, als wären es ihre eigenen Kaninchen.

Claudia S. und Nina M. berichten auf dieser Seite von ihrer Tätigkeit als Pflegestellen. Wir danken beiden ganz herzlich!

Claudia S.: Ein Platz für viele Pflegefellchen


Claudia S. engagiert sich seit vielen Jahren als Pflegestelle im Kaninchenschutz e.V.. In ihrer Obhut können die schwer kranken Pflegefellchen genesen und in eine sichere Zukunft blicken. Was die Arbeit als Pflegestelle im Tierschutz bedeutet, darüber berichtet Claudia S. in unserem Newsletter Februar 2018.

Was war das bisher schönste Erlebnis während deiner Zeit als Pflegestelle?

Gwendolyn Schnütchen. Sie lebte 11 Jahre lang nur im Käfig und wurde von der älteren Dame so fett gefüttert, dass sich ihre Beinchen unter der Körperlast deformierten. Sie muss jeden Tag unglaubliche Schmerzen gehabt haben, da sich auch Arthrose und Spondylose zu den Deformierungen gesellten. Doch sie war das liebste Kaninchen, das ich kannte, und als sie das erste Mal mit Kaninchen zusammentraf, blühte sie auf, verstand sofort, wie man putzt und dass es nichts Schöneres gibt, als mit Artgenossen zu kuscheln. Sie war eines der sozialsten Kaninchen, die ich kennenlernen durfte. Ihren Verlust bedaure ich immer noch sehr.

Was war dein bisher schlimmster Pflegefall?

Das kann man so gar nicht auf ein einzelnes Tier festlegen. Neben Schatten ist auch Licht und so gab es auch bei schweren Fällen immer wieder Lichtblicke, die Hoffnung gaben oder bei dem das Kaninchen unbändigen Lebenswillen zeigte. Jeder Fall ist individuell und ich müsste hier mehrere nennen, die für mich persönlich „schlimm“ waren.

Was motiviert dich, wenn die Arbeit als Pflegestelle gerade besonders hart ist wegen besonders schwer kranker Tiere, dem Verlust eines Tieres o.ä.?

Ich gebe zu, ich muss erstmal meinen Schmerz verarbeiten. Solange kann ich mich auch nur um die vorhandenen Tiere daheim kümmern, also die eigenen und die Pflegetiere. Doch es kommt dann immer wieder die Zeit, in der mein Herz offen ist, wieder zu helfen. Ich liebe jedes der Tiere, die hier leben. Ich möchte allen gerecht werden, daher pass ich auch auf, dass ich mich physisch und auch emotional nicht übernehme. Denn ich möchte nicht selber ein Notfall werden. Ich achte auf meine Grenzen und wenn die gewahrt sind, helfe ich gerne. Es motiviert mich, Kranke beim Genesen zu unterstützen, auch wenn das temporär oder mittelfristig sehr viel Zeit in Anspruch nimmt. Und wenn dann ein neues einsames, krankes Kaninchen gesund ist bzw. ein chronisch krankes vergesellschaftungsfähig, dann motiviert es mich sehr, wenn ich es in einer harmonischen Gruppe (er)leben sehen darf.

Was ist deiner Meinung nach das Wichtigste in der Organisation für eine Pflegestelle?

Klare Regeln für beide Seiten, an die man sich hält. Sei es, wie es zur Unterstützung eines Pflegetieres durch den Verein kommt, Regularien zur finanziellen Unterstützung etc. Pflegestelle zu sein bedeutet Pflichten zu erfüllen. Nicht nur dem einzelnem Kaninchenschicksal zu helfen, sondern auch dem Verein gegenüber. Sei es bei einem Kaninchen mit KS-Status die regelmäßige Berichterstattung im Forum und per Monatsbrief an die Paten, als auch den Vorstand zu informieren, wenn höhere Kosten entstehen sollten oder sich die Haltungsbedingung (Gruppe etc) für das Tier ändern könnte. Man darf ja nicht vergessen, dass ein Pflegetier nicht das eigene Tier ist und man damit machen kann, was man will. Dafür gibt’s eben die Regeln und Pflichten, die jeder Pflegestelle klar sein sollten, ehe man sich ein Pflegetier „ins Haus holt“.

Hast du Momente, in denen du an deiner Tätigkeit als Pflegestelle zweifelst oder gerne das Handtuch werfen würdest? Warum - und was hilft bei Dir dagegen?

Ja, jedes Mal, wenn ein Liebling stirbt. Dann kommen natürlich die Zweifel, ob man wirklich alles gegeben hat. Der Verlust schmerzt dann so sehr, dass Platz für Zweifel entsteht.

Da hilft nur Zeit, die Wunden zu pflegen und den Verlust zu verarbeiten. Nur wenn mein Herz wieder „normal“ arbeitet, bin ich auch wieder bereit zu helfen. Ich kann also nicht permanent Tiere aufnehmen, Verluste erleiden und währenddessen neue aufnehmen. Helfen ist bei mir eine Herzensangelegenheit, keine Überlebensstrategie. Alles in Maßen, nicht in Massen.

Wie kannst Du die Versorgung/Betreuung der Tiere mit Deiner Arbeit vereinen? Wie bekommst Du alles zeitlich/organisatorisch geregelt?

Ich habe den Luxus, größtenteils von daheim arbeiten zu können. Schlimmstenfalls bin ich 6 Stunden fort. Ein neues Pflegetier bedeutet für mich immer Einschnitte in der Routine, da anfangs mehrere Tierarztbesuche anstehen, bis klar ist, was für Baustellen das Tier mit sich bringt und wie die Behandlung aussieht. Schwer kranke Fälle müssen intensiver gepflegt werden, das geht schon an die Substanz. Wenn alles in seinen „geordneten“ Bahnen läuft, ist alles machbar. Darum achte ich ja auch sehr auf die Anzahl der hier im Haus zu betreuenden Tiere. Wir haben ja nicht nur Pflegekaninchen und eigene Kaninchen, sondern auch Katzen und Hunde. Das alles kostet Zeit, und ich halte mir immer vor Augen, ihnen auch gerecht zu werden, wenn ich mal krank, also 2 - 3 Wochen geschwächter bin.

Was würdest du jemandem raten, der überlegt eine Pflegestelle zu werden? Worüber sollte man sich vorher besonders Gedanken machen?

Man sollte sich immer überlegen, einen "Plan B" parat zu haben, was die Unterbringung der Tiere angeht. Wenn man wenig Platz hat, aber zum Beispiel schon 2 eigene Kaninchengruppen und nur einen Notfallplatz hat, wird es schwierig. Was ist, wenn ein eigenes Tier separiert werden muss? Wohin dann mit ihm?

Auch sollte man sich der Verantwortung dem Verein gegenüber bewusst sein. Wenn die Tierarztrechnungen nicht direkt an den Verein geschickt werden, ist es die Pflicht der Pflegestelle, dies umgehend zu tun. Man stellt den Verein beim Tierarzt dar. Wenn der Tierarzt aber wochen- oder monatelang auf die Bezahlung seiner erbrachten Leistungen wartet, weil man es nicht geschafft hat, die Tierarztrechnungen dem Verein zuzuschicken, hat das massive Folgen für den Gesamtverein.

Ähnliches gilt für die Berichterstattung eines Patenkaninchens. Jeder wird mal krank, aber monatelang unterzutauchen, funktioniert als Pflegestelle nicht. Man muss den dauerhaften Dialog anstreben, sei es dann über eine dritte Person, wenn man nicht selbst dazu im Stande ist.

Was braucht eine Pflegestelle außer finanzieller Unterstützung durch den Kaninchenschutz e.V. & Patenschaften?

Rückhalt, Anteilnahme. Ich bin ein Mensch und keine Maschine. Auch mir geht’s mal schlecht, und ich kann dann nur bedingt funktionieren. Auch helfen liebe Worte der Paten. Leider nimmt das im Forum sehr ab, dafür bei Facebook zu, das ist der Lauf der Dinge, es verschiebt sich einfach. Aber wenn es meinem Schützling schlecht geht, bin ich dankbar für Zuspruch anderer, die mitfiebern. Das Gefühl, die emotionale Last dann nicht alleine zu tragen, hilft sehr.

Nina M.: Der Kampf um Linus - Vom Notfall zum Kaninchenschutz-Tier


Der Tag, an dem unsere gemeinsame Geschichte seinen Ursprung fand, begann wie jeder andere.

Ich saß im Wartezimmer meines damaligen Stamm-Tierarztes. Neben mir meine Freundin, die mir gerne mit euch, kleinen Nasen, hilft. Ewig saßen wir im Wartebereich, der Tierarzt hatte vor uns reichlich zu tun. Der Blick aus dem Fenster brachte nicht viel Abwechslung, es war grau und bereits fast dunkel, typisch für die norddeutschen Wintermonate.

Ermüdet spielte ich mit meinem Handy, bis dieses plötzlich klingelte. Es war Marit, die ich über den Verein bereits kennen und schätzen lernen durfte. Durch den Aufruf eines neuen Patienten entstand ein lautes Gewusel im Wartezimmer, was das Verstehen des Telefonates deutlich erschwerte. Im Gespräch ging es darum, dass ein Kaninchen mit einem schwierigen Abszess dringend eine Pflegestelle brauchte. Es würde aufwendig werden den Abszess zu versorgen. Von Marit´s Motivation angesteckt stimmte ich zu, das Tier aufzunehmen. Vorsichtig drehte ich mich nach Beenden des Gesprächs zu meiner Freundin, die mich bereits fragend anschaute. "Da kommt was auf uns zu", fasste ich für sie das Telefonat kurz zusammen. Und ich hatte zu dem Zeitpunkt keine Ahnung, wie sehr ich recht behalten würde.

Marit musste Vertrauen in mich haben, war ich ja eigentlich erst sehr kurz überhaupt aktives Mitglied im Verein. Die Pflegetiere, die ich bis dahin bei mir aufgenommen hatte, waren weitestgehend gesund und klagten nur über minimale "Wehwehchen". Ein Abszess war mir neu, dennoch würde ich keine Mühen scheuen, die kleine Nase gesund zu pflegen, soviel stand fest. Bald, mein kleiner Freund, würden wir uns kennenlernen. Im zweiten Telefonat stellte sich heraus, dass die kleine Nase es leider nicht geschafft hatte. So gern hätte ich geholfen, so gern dazu beigetragen, das Kaninchen gesund zu pflegen, aber es sollte nicht sein. Und so schob das Schicksal Linus und mich unaufhaltsam näher zusammen, denn: Mit der Nachricht, dass das kleine Abszess-Kaninchen leider verstorben sei, erreichte mich auch gleichzeitig die Nachricht von einem zweiten Kaninchen mit Entzündungen im Maul. Mit "Zahnis" hatte ich bereits Erfahrungen, also wie schlimm konnte das schon sein?

Du hattest ein wunderschönes Zuhause bei einer gemeinnützigen Organisation für Kinder und Jugendliche. Pferde, Hühner, Schweine, Kaninchen ... Tiere, soweit das Auge reichte. Die gepflegte und großzügige Anlage ließ ich mir sehr gerne zeigen. Das Kaninchengehege war vorbildlich gestaltet: An ein modernes und sauberes Innengehege folgte direkt ein großes, begrüntes Außengehege.

Du warst deutlich größer als deine Freunde, dein graues Fell leicht matt, deine großen Ohren hingen desinteressiert in der Luft. Du warst mager, aber kein Wunder, wenn dein Mund weh tat. Aus den Gesprächen wurde deutlich, dass die Entzündungen die behandelnde Ärztin und auch dein altes Zuhause an ihre Grenzen brachte. Du wurdest bis dahin auch röntgenologisch gut untersucht und medizinisch grundversorgt. Ein leises Rasseln in deiner Atmung veranlasste die Ärztin außerdem dazu, Inhalationen mit ACC zu empfehlen. Ein Kinderklacks, dachte ich...

Der Vereinsvorstand des Kaninchenschutz e.V. gewährte dir rasch und ohne Verzögerung die NEV. Niemand von uns ahnte, dass du weitaus mehr Zeit und auch finanzielle Mittel benötigen würdest.

Kaum bei mir eingezogen, verschlechterte sich dein Zustand beinahe stündlich. Dein anfänglich leises Rasseln in der Atmung schlug innerhalb kürzester Zeit in extreme Maulatmung um. Du lagst da, es fehlte die Kraft zum Aufstehen. Die Ärzte versuchten alles, um dir die Atmung zu erleichtern, doch dein Zustand sollte sich lange Zeit nicht bessern. Du wurdest mein erstes "KS-Status-Kaninchen". Von allen Seiten wurden uns helfende Hände entgegengestreckt, welche uns natürlich ermutigten.

Doch nur zu oft saß ich vor deinem kleinen Bett in meiner Wohnung und verzweifelte fast an deinem Zustand. Ich rechnete jede Sekunde damit, dass du den nächsten Atemzug nicht mehr schaffen würdest. In den folgenden Wochen kämpfte ich jeden Tag um deine Atmung. Dank der zahlreichen Unterstützung, Beratung und Zusprüche aus dem Forum, Telefonaten und persönlichen Gesprächen kam ein Aufgeben nie in Frage. Alleine wäre ich an den großen und schwierigen Aufgaben und zu fällenden Entscheidungen wahrscheinlich schnell gescheitert. Ich spritzte, spülte, päppelte, streichelte und putzte. Und nicht selten geriet ich dabei trotz aller Hilfe an meine Grenzen.

Es gab Tage, an denen konntest du sitzen, Tage an denen konntest du kaum deinen Kopf halten. Tage an denen du fressen konntest und Tage an denen du kaum die Augen geöffnet hast. Ein Wechselbad der Gefühle, mein kleiner Freund.

Und wie durch ein Wunder verbesserte sich dein Zustand irgendwann kontinuierlich.

Ich erinnere mich so gerne an die Zeit, in der du durch mein Wohnzimmer gewatschelt bist. Natürlich warst du sehr schwach und die Kraft reichte nicht für kräftige Sprünge. Du warst so fürchterlich aufgeregt, wenn ich mit einer Tüte Haferflocken kam. In meinem Kopf schmiedete ich jede Menge Pläne für dich, für uns.

Nachdem du nach vielen Wochen endlich bereit für eine Narkose warst, riskierten wir die so dringend notwendige Operation für deine Zähnchen. Nach einem CT und gründlichen Voruntersuchungen stand die Entscheidung für die Operation schließlich fest. Der Arzt machte uns wenig Hoffnung, dass du es schaffen würdest. Er gab dir 30%, über die wir uns beide jedoch sehr freuten - gab er dir doch sonst nur 0%.

Die Operation verlief vorbildlich. Ein Backenzahn konnte dir entfernt werden und kaum zu Hause, stürztest du dich auf dein geliebtes Futter. Ich hatte Tränen in den Augen, dir ging es von Tag zu Tag besser. Wir spülten fleißig dein Mäulchen und du nahmst brav deine Medizin. Der Arzt empfahl mir schließlich, die Medikamente langsam abzusetzen.

Deine letzte Nacht. Dein Zustand war binnen kürzester Zeit wieder schlechter denn je. Du lagst, deinen Kopf in das Stroh gelegt, kaum fähig zu atmen. Kein Medikament schien dir zu helfen, nichts brachte die entscheidende Erleichterung. Linus, vielleicht erinnerst du dich noch an diese Nacht. Wir beide wussten, dass dies unsere Letzte sein sollte. In all den Monaten des Kampfes hatte ich dich noch nie aufgeben sehen. Immer, wenn ich vor dir weinte, zeigtest du mir, dass unser Weg noch weitergehen sollte. In dieser Nacht weinte ich so bitterlich, wie ich noch nie für eines meiner Kaninchen geweint hatte. Ich kannte deine schlechten Tage, an denen du nicht einmal zum Tierarzt fahren konntest, weil es dir zu schlecht ging. Doch dieses Mal musste ich dich mitnehmen. Vorsichtig legte ich dich in deine Transportbox, auf eine warme Decke und brachte dich in die besten Hände, die ich in dieser Gegend kenne.

Und als ich dich am nächsten Mittag wieder aus der Klinik abholen durfte, war plötzlich alles anders. Du warst wieder bei mir und da solltest du nun auch für den Rest aller Tage bleiben, doch du würdest nie wieder durch mein Wohnzimmer streifen. Zu all dem, was wir bekämpfen konnten, wuchs ein Tumor und behinderte deine Atmung. Keine Operation, kein Medikament, nichts hätte dir deine Luft zurückbringen können.

Ich betrat mein Wohnzimmer eine ganze Zeit nicht. Dein kleines Bettchen stand noch dort, frisch gesäubert, als würde es auf dich warten. Deine Näpfchen waren frisch gefüllt.

Noch heute hängt an meinen Wänden ein Foto von dir, aus Zeiten, in denen du frei die frische Luft, den Wind und das Gras genießen konntest. Und ich vermisse dich, jeden Tag, an dem ich in meinem Wohnzimmer auf deinen alten Platz schaue.

Anja S. / Vorstand Kaninchenschutz e.V.: Hoffnung für viele Pflegefellchen


Es gibt Momente im Kaninchenschutz, die vergisst man nie. Dazu gehören für mich immer wieder besondere emotionale Erlebnisse in meiner Vorstandsarbeit im Kaninchenschutz e.V., wenn Tierschutz plötzlich sehr dringend wird und Aktive in Notfallsituationen um Unterstützung fragen: Da erreicht uns am späten Abend eine eilige Mail oder ein dringender Anruf auf dem Handy - immer mit ähnlichen Beschreibungen: Ein verwahrlostes Kaninchen wurde aufgefunden, abgegeben oder eingefangen und muss dringend versorgt und dem Tierarzt vorgestellt werden.

Spätestens mit der Schilderung der konkreten Situation und erst recht mit den angefügten Bildern wird die Situation sehr real: Misshandelte, nicht versorgte Tiere, schwach, krank, in erschreckendem Zustand, für die eine sofortige Hilfe erforderlich ist.

Ich werde mich immer an die kleine Eida erinnern, die bei der Übernahme in ihre Pflegestelle vor Schwellungen an Augen und Nase kaum noch atmen konnte. Als sich ihr Zustand endlich gebessert hatte, stellte die Tierärztin als neue Problematik massive Lungentumore fest. Aus der Rettung wurde eine Behandlung auf Zeit, und Eida erhielt den sofortigen Gnadenhofstatus des Kaninchenschutz – ihre Lebensprognose betrug nur noch wenige Wochen.

Auch die erst 4 Tage alten kleinen Welpen, die plötzliche ohne Mutter allein, unversorgt und bereits schwach und kalt waren, vergesse ich nie – mitten in der Nacht hat eine unserer aktiven Mitglieder die Kleinen von ihrem Vorbesitzer abgeholt, um sie mit Futter zu versorgen. Ein tage- und nächtelanger Kampf um die kleinen Leben begann – aber einer nach dem anderen Welpen starb, die Kleinen wurden nur ganz wenige Tage alt. Ich habe ein Video von dem letzten überlebenden Welpen, für den noch eine „Amme“ im Tierschutz besorgt wurde – und endlich ein Hoffnungsfunken von allen Tierschutzkolleginnen, als er endlich selbstständig trank. Nur eine Stunde später war auch er tot.

Der kleine Malte ist unser aktuellstes Tier – er war fast verhungert, als er von seiner Besitzerin bei einer Tierärztin zum Einschläfern abgegeben wurde. Die Tierärztin übernahm den Kleinen – und rettete ihm damit das Leben. Dauerhaft versorgen konnte sie ihn nicht, so kam er zu uns. Ob er es endgültig schaffen wird, ist noch nicht sicher – noch immer benötigt er in seiner Pflegestelle eine Intensivbetreuung.

Dies sind nur einige wenige Beispiele von ganz vielen Tieren, die der Kaninchenschutz e.V. in den letzten Jahren betreut hat. Es gibt viele weitere Fälle, die mir und meinen Vorstandskolleginnen in Erinnerung bleiben. Es ist unfassbar, was manche Kaninchen bei ihren Haltern erleben müssen: Kaninchen mit eitrigen, tränenden Augen, zugeschwollenen Näschen, überlangen Zähnen oder Krallen, entzündeten Wunden, halb verdurstet und entkräftet, sie leben in Dreck und Elend oder werden einfach beim Auszug im Käfig zurückgelassen. Manche Kaninchen „stören“, weil sie nicht angepasst genug leben, krank werden und versorgt werden wollten – oder sie sind ihren Besitzern scheinbar grundlos zu anstrengend. Das lebende Kaninchen, irgendwann lange zuvor zur Unterhaltung oder als Spielzeug für Kinder angeschafft, soll vergessen werden.

Aber irgendjemand hat es nicht vergessen und hingesehen – hat das Elend dieses Tieres gesehen und gehandelt. Ich glaube, es muss ein furchtbarer Moment sein, wenn man das Tier in diesem Zustand übernimmt: Ihm Sicherheit, Pflege und medizinische Versorgung bieten kann, aber nicht weiß, ob es die nächsten Stunden oder Tage überlebt.

Solche Fälle erreichen mich und meine Vorstandskollegen oft mit der Bitte um die Kostenübernahme der medizinischen Versorgung durch den Verein. Jeder Aktive kann uns im Vorstand in solchen Fällen sofort erreichen, nahezu rund um die Uhr. Ein krankes oder misshandeltes Tier kann nicht warten.

Für uns ist die Zustimmung in diesen Fällen fast immer schnell entschieden – für die Pflegestelle beginnt die Arbeit jetzt.

Ich bin immer wieder beeindruckt von dem großen persönlichen Einsatz der aktiven Mitglieder, die die gefundenen Kaninchen als Pflegetiere aufnehmen, sie versorgen und vorsichtig aufzupäppeln versuchen. Oft bedeutet das einen Einsatz über die eigenen Kräfte hinaus, schlaflose Nächte – und immer wieder große Sorge um das Leben des anvertrauten Tieres. Kaninchen in diesem Zustand benötigen eine Intensivbetreuung rund um die Uhr, ohne Rücksicht auf eigene Arbeits-, Freizeit- oder Schlafenszeiten: Futter alle paar Stunden, Medikamente, aber auch unendliche Geduld und starke Nerven der Pflegestelle.

Oft ändert sich dabei von einem Moment auf den anderen und für viele Wochen die persönliche Lebenssituation der Pflegestelle. Das Schicksal des geretteten Tieres liegt plötzlich in der eigenen Verantwortung, das Leben eines kleinen, entkräfteten Pflegefellchens in der eigenen Hand.

Neben der körperlichen Anstrengung, wenn man ganze Nächte um das kleine Leben kämpft, sind es vor allem aber die emotionalen Belastungen, die bei der Versorgung der Notfellchen auf jede Pflegestelle zukommen. Der Einsatz für ein gerettetes Pflegefellchen ist niemals eine Routinebetreuung. Immer wieder überleben die geretteten Kaninchen die nächsten Wochen nicht, oft genug hängt ihr Leben über eine lange Zeit an einem dünnen Faden.

Immer wieder kommt die Hilfe trotz aller Bemühungen zu spät. An jedem einzelnen Kaninchen hängt das eigene Herz, und mit jedem so sinnlos verursachten Tod stirbt ein Stück eigene Hoffnung: Die Hoffnung auf endlich ein glückliches, gesundes und sicheres Leben für das kleine Pflegefellchen, die so greifbar nah gewesen schien. Es sind unglaublich traurige Momente – und manchmal hilft dabei nur das Wissen, dass die kleinen Notfellchen – manchmal das erste Mal in ihrem Leben – erleben durften, dass sie nicht alleine gelassen und wenigstens einmal umsorgt wurden.

Im Vorstand können wir unsere Pflegestellen mit der finanziellen Absicherung unterstützen. Die Versorgung der Notfallkaninchen und damit all die Belastungen trägt jedoch die Pflegestelle. Ich bin sehr froh über die vielen intensiven Momente, die viele Pflegestellen über eine lange Zeit mit uns teilen, und darüber, dass ich hier aktiv mit meiner Vorstandsarbeit das Schicksal eines kleinen Notfellchens verändern kann und es sicher und sorgsam behütet in kompetenten Händen weiß.

Bei allem Leid, wenn es das Pflegefellchen nicht schafft, gibt es auch die Momente, die immer Hoffnung schenken: Wenn ein Kaninchen fast ohne Chance es schafft, sich erholen und leben kann – weil es für jemanden, der es gefunden hat, wichtig war, weil Menschen Verantwortung übernehmen und sich rund um die Uhr um es sorgen. Für mich sind es im Tierschutz oft auch diese ganz intensiven, schönen Momente, die ich nie vergesse: Wenn ein kleines Notfellchen es durch diese Hilfe glücklich genießt, gesund zu werden, ein Kaninchenleben mit Partnertieren genießen kann – und manchmal dauerhaft in der Sicherheit der Pflegestelle bleiben kann.

In der Vorstandstätigkeit sind es diese Momente, die Tierschutzarbeit immer wieder so besonders machen: „Helfen mit Herz“ – für ein Kaninchen, das dank der Hilfe und Zusammenarbeit vieler Menschen im Tierschutz leben darf.