Kaninchenschutz e.V.

HELFEN mit HERZ!

Leer

Summe: 0,00 €

Die bewegendsten Momente unserer Mitglieder


Auf dieser Seite möchten wir Ihnen Geschichten und Erlebnisse unserer Vereinsmitglieder vorstellen: Die persönlich bewegendsten, bedeutsamsten oder schönsten Momente in der Arbeit unserer Mitglieder, seit sie im Kaninchenschutz e.V. aktiv sind: "Dein bewegendster KS-Moment - Deine Geschichte!".

Das können Notfälle, eine gemeinsame Aktion, ein durchgeführter Informationsstand, eine besondere Beratung oder andere ganz persönliche Erlebnisse sein.

Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Lesen und danken allen Vereinsmitgliedern, die uns ihre Geschichten geschickt haben!

Astrid N.: Ida und Nora


Ende Juni 2016 brach meine Welt zusammen. RHDV-2! Es gab den Impfstoff noch nicht und es hat mir den Boden unter den Füßen weggezogen, alle meine Lieblinge zu verlieren. Ich war so entmutigt und am Boden zerstört, dass ich selbst meine Kaninchenschutz-Arbeit nicht mehr fortsetzen konnte und von meiner aktiven Mitgliedschaft zunächst auf "passiv" ging.

Aber wie es so ist bei "Kaninchenverrückten": Es geht nicht ohne. Nach ein paar Wochen Pause kam ich wieder zurück, mir fehlten meine Vereinskolllegen und die Arbeit beim Kaninchenschutz, die mir so unheimlich Spaß macht.

Tja, und dann tauchten Ida und Nora auf. Vom Züchter bei einer unserer Pflegestellen "entsorgt" wegen ihrer Beinfehlstellungen. Die beiden berührten so mein Herz, es war wie ein Wink des Schicksals. Sie wurden ungefähr zu der Zeit geboren, als meine Lieblinge durch diese schreckliche Seuche sterben mussten.

Ida und Nora wurden Vereinstiere und bekamen "Kaninchenschutz-Status", das heißt, ihre medizinische Versorgung wird komplett durch den Verein übernommen. Natürlich wurden sie geimpft, ich wurde wieder Pflegestelle - und landete auch im Patenteam, meine absolute Leidenschaft!

Danke Ida und Nora, dass ihr mir zusammen mit Tomte meine Lebensfreude zurückgegeben habt ♡ !


*      *      *      *      *


Ida und Nora wurden Kaninchenschutz-Patentiere der Monate August 2017 und Januar 2018. Zusammen mit Tomte Tummetott erhalten alle drei Kaninchen ab Januar 2018 den "Gnadenhofstatus" des Kaninchenschutz e.V. und können somit immer in ihrer aktuellen Pflegestelle bei Astrid N. bleiben. Wir freuen uns sehr für alle drei und hoffen, dass es ihnen weiter gut geht - und danken Astrid N. ganz herzlich für ihre liebevolle Betreuung!

Der Vorstand des Kaninchenschutz e.V.

Katharina Bö.: Notfall mit 300 Meerschweinchen und Kaninchen


Meine bewegendsten Momente im Kaninchenschutz waren während der Räumung der fast 300 Kaninchen und Meerschweinchen auf dem Grundstück in Velpke. Zwar war ich da noch nicht Aktive, das gab mir aber den Anstoß, im Kaninchenschutz aktiv zu werden.

3,5 Stunden Autofahrt haben Björn und ich auf uns genommen, um so vielen Tieren wie möglich zu helfen. Bevor es losging, haben wir noch schnell die Autos mit unserem besten Freund getauscht (weil er einen großen Kombi hatte), um möglichst viele Kaninchen zurück ins Düsseldorfer Tierheim nehmen zu können. 80 Plätze, 40 für Meerschweinchen und 40 für Kaninchen, hatte das Düsseldorfer Tierheim für unseren Notfall zur Verfügung gestellt. Wir haben im Vorfeld nicht gewusst, dass wir am Ende so unendlich froh über das große Platzangebot waren, denn mit dieser Menge an Tieren haben wir beim Eintreffen noch nicht gerechnet. Dementsprechend mussten während der Räumung mit der Polizei und dem Veterinäramt auch noch weitere Umzugskartons aus dem örtlichen Baumarkt beschafft werden. Zum Glück hatte ein anderer Aktiver in der Nähe Platz, um Tiere immer wieder "zwischenzulagern".

Mit Björn zusammen räumte ich ein Meerschweinchengehege aus. Es wurden gefühlt immer mehr Tiere als weniger. Karton für Karton haben wir mit etwa 10 Meerschweinchen gefüllt. Die Einstreu war sehr hoch und auch in den Häusern versteckten sie sich überall. Ein paar Kaninchen waren auch noch darin. Das Gehege befand sich in einer geschlossenen Garage. Die Tiere hatten weder Futter noch Wasser. Als ich eines der letzten Meerschweinchen in eine Box packte, hatte ich plötzlich Blut an meinen Handschuhen. Es sind Bilder, die mir nie mehr aus dem Kopf gehen. Dieses Meerschweinchenweibchen hat kurz vorher Babies geboren, die leider verstarben. Der Anblick war traurig und doch arbeitete man wie ein Roboter, um so viele Tiere retten zu können, wie es nur geht.

Im Stall nebenan haben die anderen Helfer die eingebuchteten, in Dreckställen sitzenden Kaninchen zuerst mit viel Wasser und Futter versorgt. Die Tiere haben getrunken, als gäb's kein Morgen mehr. Alle schmierigen Nippeltränken waren leer. Auch der Garten war total untergraben, überall Höhlen. Ständig lief einem wieder ein Kaninchen über die Füße. Am Ende saßen wir zugepackt mit fast 20 Umzugskartons und insgesamt 40 Meerschweinchen und 40 Kaninchen im Auto. 3,5 Stunden Autofahrt in ein schönes Leben. Alle Tiere haben die Fahrt überlebt, und wir waren so erleichtert, dass keines zerdrückt wurde oder erstickt ist. Ich bin so schnell gefahren, wie es nur ging. Ich hatte Tränen in den Augen und Angst um jedes einzelne Tier.

Im Zwischenlager wurde derweil weiter sortiert, dokumentiert, gepackt und nach weiteren Unterbringungsmöglichkeiten gesucht, denn mit so vielen Tieren haben wir nicht gerechnet und haben nur begrenzt Unterbringungsmöglichkeiten gefunden.

Am Ende konnte jedes Tier untergebracht werden. Das Tierheim Düsseldorf stand bei unserer Ankunft mit 5 Mitarbeitern parat, und das Ausladen in die schönen mit Einstreu, Futter, Wasser und Höhlen bestückten Zimmer ging sehr flott.

Dieser Tag ging mir tief unter die Haut und es sind noch immer Bilder in meinem Kopf von Kadavern oder sehr kranken Tieren, die ich nicht mehr wegbekomme. Dennoch würde ich jederzeit wieder helfen, denn wir haben fast 300 Tiere retten können. Die Räumung war absolut organisiert und es herrschte Teamarbeit. Jeder half jedem, mit Herz. Das war der Grund, wieso ich nach diesem Tag Aktive geworden bin.

Helfen mit Herz, nirgendwo war es so deutlich wie an diesem Tag, an diesem Ort.

Katharina Bö.: Dreharbeiten mit "Animal TV Köln"


Mein aufregendster Moment als Aktive war der Dreh mit dem YouTube-Kanal "Animal TV Köln" im November 2015.

Ich war so aufgeregt wie nie und habe mich auf alles Mögliche vorbereitet. Es sollte ein Interview mit Thema "Artgerechte Kaninchenhaltung" werden. Ich hatte nur eine begrenzte Zeit von 15 - 20 Minuten dafür.

Anfangs dachte ich, die bekomme ich nie um! Schnell merkte ich aber schon bei Proben Zuhause am Spiegel, dass ich sooo viel erzählen möchte. Letztlich mit Kurzfassungen und dem geführten Interview habe ich aber alle Themen gut untergebracht.

Als Herr Grund zu mir in die Wohnung kam, war ich sehr nervös. Er hat Belichtung sowie überall Kameras aufgebaut. Ich fühlte mich anfangs sehr unwohl und war einfach aufgeregt. Schließlich sollte es doch bei den Menschen ankommen und die Kaninchenhaltung wenigstens in ein paar Haushalten verbessern. Nach und nach verlor ich aber die Scheu und wurde sicherer, schließlich ist es ja ein Thema, das ich mittlerweile aus dem "FF" beherrsche. Dennoch fallen einem nach so einem Interview abends im Bett noch sooo viele Dinge ein, die man hätte sagen können.

Gedreht wurde auch im Kaninchenzimmer, und auch kleine Handyvideos wurden eingeschnitten, um das Werk perfekt zu machen. Meine drei Kaninchen Kiwhy, Kuddel und Elaine haben gut mitgemacht und sich von ihrer besten Seite gezeigt.

Veröffentlicht wurde das Interview dann am 18.11.2015 auf YouTube - und bis heute hat es zumindest über 3.500 Menschen erreicht:

=> Interview mit "Animal TV Köln auf YouTube"


*) Bitte beachten Sie:
Das Interview ist 2015 aufgenommen worden, im Text wird die Impfung gegen RHD und Myxomatose empfohlen. Seit 2017 ist zusätzlich auch die Impfung gegen RHDV-2 erforderlich.

Franziska T.: Hilfe für eine schwerkranke Kaninchenbesitzerin


Meine Aktivität im Kaninchenschutz brachte mir nicht nur einen bewegenden Moment, sondern einige sehr bewegende Monate, die ich wohl nicht wieder vergessen werde.

Ich war über Weihnachten bei meiner Familie, als mich ein Hilferuf von einer Forennutzerin ereilte. Sie hatte gerade eine schlimme Krankheitsdiagnose erhalten und ein Krankenhausaufenthalt stand bevor - und sie wusste nicht, wie sie für diese Zeit die Versorgung ihrer Kaninchen gewährleisten sollte. Ich war zunächst erst einmal überfordert - denn ich hatte absolut keine Möglichkeit, Tiere bei mir aufzunehmen. Doch nach unserem Gespräch war klar: Ich würde die Betreuung der Tiere erst einmal übernehmen - bei ihr zu Hause, denn sie wohnte quasi in meiner erweiterten Nachbarschaft.

So lernte ich nicht nur zwei besondere Kaninchen, sondern auch eine extrem fürsorgliche Besitzerin kennen, der es leider wirklich schlecht ging. Fasziniert hat mich, dass mir beim ersten Treffen wie selbstverständlich ein Wohnungsschlüssel in die Hand gedrückt wurde, damit ich die Versorgung der Tiere übernehmen konnte.

Sicherlich gab es in diesem Fall kaum eine andere Möglichkeit. Dennoch wurde mir Vertrauen ausgesprochen, was mich sehr überwältigte.

Da für mich selber in den nächsten Wochen und Monaten einige wichtige Dinge anstanden, hatte ich die Unterstützung für maximal einen Monat zugesagt. Doch es kam alles anders. Die gesundheitliche Situation der Kaninchenbesitzerin war leider deutlich schlimmer als angenommen - und sie und ihre Tiere waren wirklich auf Hilfe angewiesen. Und auch wenn mir eigentlich die Zeit fehlte, wusste ich gleichzeitig, dass ich sie nicht im Stich lassen konnte. Und so kam ich regelmäßig vorbei, brachte das Lieblingsfutter der beiden Langohren mit, half bei der Gehegereinigung und fuhr regelmäßig mit ihnen zum Tierarzt für Zahnkorrekturen.

Aus der kurzfristigen Unterstützung während eines Krankenhausaufenthaltes wurden Wochen und Monate. Oft habe ich darüber gestöhnt, dass ich nach einem langen Arbeitstag noch bei ihr vorbei musste, noch etwas einkaufen musste oder auch lange beim Tierarzt sitzen musste. Aber gleichzeitig habe ich so sehr gemerkt, wie wertvoll meine Arbeit ist. Nicht nur die Kaninchen, die natürlich auf Futter und eine Versorgung angewiesen waren, haben mir gedankt durch ihre Art und viele niedliche Momente. Auch ihre Besitzerin hat mir immer wieder gezeigt, dass es das Richtige ist, was ich tue, und dass es gut ist, dass ich meine Zeit hierfür "opfere".

Diese Zeit war für mich nicht immer einfach, aber doch eine ganz Besondere: Ich bin einem Menschen sehr nahe gekommen und konnte in einer so schweren Zeit da sein. Dieses Erlebnis hat mir wieder einmal vor Augen geführt, dass Tierschutz viel mehr ist als der reine Schutz von Tieren. Es ist ein komplexes Zusammenspiel von Tieren und Menschen. Und oft ist Tierschutz auch eine soziale Kompetenz.

Und so bin ich froh über diese sehr besondere, oft sehr schwierige, emotionale und teilweise auch wirklich traurige Zeit, die mir die Tierschutzarbeit beschert hat. Ich denke oft daran zurück, mit dem Wissen, mein Bestes gegeben zu haben - nicht nur für die Tiere, sondern auch für diejenige, die diese Tiere selber so sehr liebt.

Dieser Moment ist das, was Kaninchenschutz so besonders für mich macht: Man kennt seine Stärken, seine Aufgaben, die Dinge, die man viel und gerne macht. Und doch trifft man immer wieder auf Situationen, die man sich selber nicht zugetraut hätte - und die man am Ende doch meistert, weil es doch um eins geht: "Helfen mit Herz".



Das Foto zu dieser Geschichte ist ein sehr persönliches Bild von Franziska T. Es zeigt ein Phänomen, das sie einmal zusammen mit der kranken Kaninchenbesitzerin gemeinsam beobachtet hat und von dem sowohl Franziska als auch die Besitzerin immer wieder sehr fasziniert waren.

Anja S.: Für die Pflegestellen des Kaninchenschutz e.V.


Es gibt Momente im Kaninchenschutz, die vergisst man nie. Dazu gehören für mich immer wieder besondere emotionale Erlebnisse in meiner Vorstandsarbeit im Kaninchenschutz e.V., wenn Tierschutz plötzlich sehr dringend wird und Aktive in Notfallsituationen um Unterstützung fragen: Da erreicht uns am späten Abend eine eilige Mail oder ein dringender Anruf auf dem Handy - immer mit ähnlichen Beschreibungen: Ein verwahrlostes Kaninchen wurde aufgefunden, abgegeben oder eingefangen und muss dringend versorgt und dem Tierarzt vorgestellt werden.

Spätestens mit der Schilderung der konkreten Situation und erst recht mit den angefügten Bildern wird die Situation sehr real: Misshandelte, nicht versorgte Tiere, schwach, krank, in erschreckendem Zustand, für die eine sofortige Hilfe erforderlich ist.

Ich werde mich immer an die kleine Eida erinnern, die bei der Übernahme in ihre Pflegestelle vor Schwellungen an Augen und Nase kaum noch atmen konnte. Als sich ihr Zustand endlich gebessert hatte, stellte die Tierärztin als neue Problematik massive Lungentumore fest. Aus der Rettung wurde eine Behandlung auf Zeit, und Eida erhielt den sofortigen Gnadenhofstatus des Kaninchenschutz – ihre Lebensprognose betrug nur noch wenige Wochen.

Auch die erst 4 Tage alten kleinen Welpen, die plötzliche ohne Mutter allein, unversorgt und bereits schwach und kalt waren, vergesse ich nie – mitten in der Nacht hat eine unserer aktiven Mitglieder die Kleinen von ihrem Vorbesitzer abgeholt, um sie mit Futter zu versorgen. Ein tage- und nächtelanger Kampf um die kleinen Leben begann – aber einer nach dem anderen Welpen starb, die Kleinen wurden nur ganz wenige Tage alt. Ich habe ein Video von dem letzten überlebenden Welpen, für den noch eine „Amme“ im Tierschutz besorgt wurde – und endlich ein Hoffnungsfunken von allen Tierschutzkolleginnen, als er endlich selbstständig trank. Nur eine Stunde später war auch er tot.

Der kleine Malte ist unser aktuellstes Tier – er war fast verhungert, als er von seiner Besitzerin bei einer Tierärztin zum Einschläfern abgegeben wurde. Die Tierärztin übernahm den Kleinen – und rettete ihm damit das Leben. Dauerhaft versorgen konnte sie ihn nicht, so kam er zu uns. Ob er es endgültig schaffen wird, ist noch nicht sicher – noch immer benötigt er in seiner Pflegestelle eine Intensivbetreuung.

Dies sind nur einige wenige Beispiele von ganz vielen Tieren, die der Kaninchenschutz e.V. in den letzten Jahren betreut hat. Es gibt viele weitere Fälle, die mir und meinen Vorstandskolleginnen in Erinnerung bleiben. Es ist unfassbar, was manche Kaninchen bei ihren Haltern erleben müssen: Kaninchen mit eitrigen, tränenden Augen, zugeschwollenen Näschen, überlangen Zähnen oder Krallen, entzündeten Wunden, halb verdurstet und entkräftet, sie leben in Dreck und Elend oder werden einfach beim Auszug im Käfig zurückgelassen. Manche Kaninchen „stören“, weil sie nicht angepasst genug leben, krank werden und versorgt werden wollten – oder sie sind ihren Besitzern scheinbar grundlos zu anstrengend. Das lebende Kaninchen, irgendwann lange zuvor zur Unterhaltung oder als Spielzeug für Kinder angeschafft, soll vergessen werden.

Aber irgendjemand hat es nicht vergessen und hingesehen – hat das Elend dieses Tieres gesehen und gehandelt. Ich glaube, es muss ein furchtbarer Moment sein, wenn man das Tier in diesem Zustand übernimmt: Ihm Sicherheit, Pflege und medizinische Versorgung bieten kann, aber nicht weiß, ob es die nächsten Stunden oder Tage überlebt.

Solche Fälle erreichen mich und meine Vorstandskollegen oft mit der Bitte um die Kostenübernahme der medizinischen Versorgung durch den Verein. Jeder Aktive kann uns im Vorstand in solchen Fällen sofort erreichen, nahezu rund um die Uhr. Ein krankes oder misshandeltes Tier kann nicht warten.

Für uns ist die Zustimmung in diesen Fällen fast immer schnell entschieden – für die Pflegestelle beginnt die Arbeit jetzt.

Ich bin immer wieder beeindruckt von dem großen persönlichen Einsatz der aktiven Mitglieder, die die gefundenen Kaninchen als Pflegetiere aufnehmen, sie versorgen und vorsichtig aufzupäppeln versuchen. Oft bedeutet das einen Einsatz über die eigenen Kräfte hinaus, schlaflose Nächte – und immer wieder große Sorge um das Leben des anvertrauten Tieres. Kaninchen in diesem Zustand benötigen eine Intensivbetreuung rund um die Uhr, ohne Rücksicht auf eigene Arbeits-, Freizeit- oder Schlafenszeiten: Futter alle paar Stunden, Medikamente, aber auch unendliche Geduld und starke Nerven der Pflegestelle.

Oft ändert sich dabei von einem Moment auf den anderen und für viele Wochen die persönliche Lebenssituation der Pflegestelle. Das Schicksal des geretteten Tieres liegt plötzlich in der eigenen Verantwortung, das Leben eines kleinen, entkräfteten Pflegefellchens in der eigenen Hand.

Neben der körperlichen Anstrengung, wenn man ganze Nächte um das kleine Leben kämpft, sind es vor allem aber die emotionalen Belastungen, die bei der Versorgung der Notfellchen auf jede Pflegestelle zukommen. Der Einsatz für ein gerettetes Pflegefellchen ist niemals eine Routinebetreuung. Immer wieder überleben die geretteten Kaninchen die nächsten Wochen nicht, oft genug hängt ihr Leben über eine lange Zeit an einem dünnen Faden.

Immer wieder kommt die Hilfe trotz aller Bemühungen zu spät. An jedem einzelnen Kaninchen hängt das eigene Herz, und mit jedem so sinnlos verursachten Tod stirbt ein Stück eigene Hoffnung: Die Hoffnung auf endlich ein glückliches, gesundes und sicheres Leben für das kleine Pflegefellchen, die so greifbar nah gewesen schien. Es sind unglaublich traurige Momente – und manchmal hilft dabei nur das Wissen, dass die kleinen Notfellchen – manchmal das erste Mal in ihrem Leben – erleben durften, dass sie nicht alleine gelassen und wenigstens einmal umsorgt wurden.

Im Vorstand können wir unsere Pflegestellen mit der finanziellen Absicherung unterstützen. Die Versorgung der Notfallkaninchen und damit all die Belastungen trägt jedoch die Pflegestelle. Ich bin sehr froh über die vielen intensiven Momente, die viele Pflegestellen über eine lange Zeit mit uns teilen, und darüber, dass ich hier aktiv mit meiner Vorstandsarbeit das Schicksal eines kleinen Notfellchens verändern kann und es sicher und sorgsam behütet in kompetenten Händen weiß.

Bei allem Leid, wenn es das Pflegefellchen nicht schafft, gibt es auch die Momente, die immer Hoffnung schenken: Wenn ein Kaninchen fast ohne Chance es schafft, sich erholen und leben kann – weil es für jemanden, der es gefunden hat, wichtig war, weil Menschen Verantwortung übernehmen und sich rund um die Uhr um es sorgen. Für mich sind es im Tierschutz oft auch diese ganz intensiven, schönen Momente, die ich nie vergesse: Wenn ein kleines Notfellchen es durch diese Hilfe glücklich genießt, gesund zu werden, ein Kaninchenleben mit Partnertieren genießen kann – und manchmal dauerhaft in der Sicherheit der Pflegestelle bleiben kann.

In der Vorstandstätigkeit sind es diese Momente, die Tierschutzarbeit immer wieder so besonders machen: „Helfen mit Herz“ – für ein Kaninchen, das dank der Hilfe und Zusammenarbeit vieler Menschen im Tierschutz leben darf.

Tanja B.: Einsatz für ein Wildkaninchenbaby


Bewegend – ja das waren bis heute schon viele Momente im Kaninchenschutz für mich. Aber an ein Erlebnis erinnere ich mich immer wieder zurück, es wird mir vermutlich immer im Gedächtnis bleiben.

Es war im Juli 2017. In unserer Facebook-Gruppe fragte eine Userin um Hilfe: Ihr Hund habe im eigenen Vorgarten ein Wildkaninchenbaby gefangen und sie wüsste nun nicht, was sie mit ihm tun sollte. Die Beratung durch diverse User der Gruppe gestaltete sich schwierig. Lange wurde auf die ratsuchende Userin eingewirkt, dass das Kaninchenbaby in kompetente Hände und zu einem Tierarzt müsse. Zunächst wollte sie nicht zulassen, dass ihr jemand vor Ort zur Hilfe kommt.

Ich wurde in der Gruppe markiert, da ich ganz in der Nähe der Userin wohne. Obwohl ich zu diesem Zeitpunkt ein 8 Monate altes Baby zuhause hatte und es auch schon spät am Abend war, sprach ich kurz mit meinem Mann und sagte dann umgehend meine Bereitschaft, vor Ort zu kommen und das Wildkaninchen in die Klinik und danach in kompetente Obhut zu bringen, zu.

Ich wusste mein Baby bei seinem Papa in guten Händen und jetzt brauchte ein kleines hilfloses Kaninchenbaby meine Unterstützung.

Nachdem die Userin nach einiger Zeit von der dringenden Notwendigkeit überzeugt werden konnte, dass jemand das Kaninchen bei ihr abholen kommen würde, fuhr ich auch schon los. Parallel telefonierte meine Vereinskollegin Anke diverse Tierärzte und den tierärztlichen Notdienst ab, der nicht zu erreichen war.

Bei der Userin angekommen, erwartet mich ein Empfangskomitee – die ganze Familie stand in der Tür: die Userin selbst, die beiden Schwestern und die Mutter – die mich sogleich ins Obergeschoss führte, wo das Kaninchenbaby in einem Käfig verwahrt wurde. Der Hund der Familie sprang unentwegt aufgeregt um den Käfig herum und zeigte deutliches Beuteverhalten. Die Situation war insgesamt ungemein stressig, am meisten natürlich für das kleine Wildkaninchen. Daher habe ich das Baby umgehend aus dem Käfig in meine Transportbox umgesetzt, in der ich schon ein Wärmebett bereitet hatte. Es schien in keinem guten Zustand zu sein. Zwar hatte es keine äußeren Verletzungen, konnte allerdings seine Hinterbeine kaum bewegen und wirkte teilnahmslos.

Die Familie erzählte mir aufgeregt, dass sie das kleine Wesen schon mit Kuhmilch gefüttert hätten. Nachdem ich noch schnell einige Ratschläge für die Zukunft mit auf den Weg gegeben hatte (unter anderem, dass Kaninchenbabys keinesfalls mit Kuhmilch gefüttert werden dürfen und was die Anleinpflicht für Hunde in der Brut- und Setzzeit anbelangt), beeilte ich mich auch, mit dem Wildkaninchen die Fahrt zum nächsten Tierarzt anzutreten.

Leider hatte meine Kollegin Anke nach wie vor keinen notdiensthabenden Tierarzt erreicht, so dass ich mich entschloss, in die nächstgelegene Klinik nach Oldenburg zu fahren. Telefonisch wurde ich schon angekündigt und fuhr die 40 km so schnell es mir erlaubt war. Doch ich hatte kein gutes Gefühl. Das kleine Wildkaninchen war schon sehr gestresst und schien deutlich angeschlagen. Ich befürchtete, dass es Wirbelsäulenverletzungen durch den Hundeangriff davon getragen hatte und unter Schock stand.

Wenig später in der Tierklinik angekommen, wurden wir sofort von einer jungen, engagierten Tierärztin in Empfang genommen. Nach der ersten Untersuchung untermauerte sie meinen Verdacht und bot an, zur Sicherheit zu röntgen. Doch dazu kamen wir nicht mehr, denn das Babykaninchen hatte einen Kreislaufzusammenbruch, krampfte und überstreckte sich.

Die Entscheidung war in diesem Moment klar – wir konnten es ihm nur noch erleichtern. Die Tierärztin narkotisierte das Wildkaninchen und ließ es schnell einschlafen. Es dauerte nur ein paar Sekunden, bis das kleine Herz nicht mehr schlug und keine Atembewegungen mehr zu sehen waren.

Ich nahm das Baby in den Arm, hielt es und erzählte ihm, wie gern ich ihm geholfen hätte. Es tat mir so unheimlich leid, dass ich nicht mehr tun konnte. Zu traumatisch war der Hundeangriff für das hilflose Kaninchen gewesen. Zu schwer seine Verletzungen.

Ich war sauer, verzweifelt und unwahrscheinlich traurig – war ich doch so schnell zu Hilfe gekommen, wie es möglich war. In Gedanken während der Fahrt hatte ich schon eine Handaufzucht auf mich zukommen sehen – ein Menschen- und ein Kaninchenbaby versorgen. Doch es sollte nicht sein.

Es war vorbei. Und ich stand ungläubig an der Anmeldung der Tierklinik, um die Rechnung zu begleichen.

Natürlich durfte das kleine Wesen mit mir nach Hause fahren. Ich beerdigte es im Garten unter unserer Magnolie.

Und ich möchte die Gelegenheit nutzen zu sagen: Leint bitte eure Hunde an, wenn sie jagen und nicht abrufbar sind. Grade jetzt zur Brut- und Setzzeit ist das Anleinen vorgeschrieben – bitte haltet euch daran! Ein angeleinter Hund kann keine Wildtiere reißen. Dieser viel zu früher Tod wäre vermeidbar gewesen, wenn hier umsichtiger gehandelt worden wäre.

Ich denke noch heute – fast ein Jahr später – immer wieder an dieses kleine Wildkaninchen, was mich so hilflos mit seinen unschuldigen Augen ansah. Das sind Blicke, die man nie mehr aus dem Kopf bekommt.

Claudia Mü.: Sally - vom Notfellchen zum Glücksfellchen


Ich erinnere mich an meinen bewegendsten Moment im KS ziemlich genau: Im Mai 2015 wurden wir bei Facebook auf einen Notfall in der Nähe von Kiel aufmerksam gemacht. Eine Frau, die ein Haus bei einer Zwangsversteigerung gekauft hatte, fand im hinteren Teil des Gartens eine umzäunte Gartenlaube vor, in der 40 bis 50 Kaninchen in erbärmlichen Zuständen lebten. Die Vorbesitzerin war situationsbedingt einfach abgehauen und hatte die Tiere sich selbst überlassen. Die neue Hausbesitzerin suchte nun händeringend um Hilfe und: Wir halfen.

Mit meiner Vereinskollegin Wiebke fuhr ich kurze Zeit später zu dem Haus, um eine erste Bestandsaufnahme zu machen, die Tiere notdürftig mit Futter und Wasser zu versorgen und Tiere zu identifizieren, die sofort tierärztliche Hilfe benötigten. Es liefen ca. 50 Tiere auf dem Gelände, die männlichen Tiere waren natürlich alle unkastriert.

Die Tiere waren in einem sehr schlechten Zustand: Bissverletzungen, angebissene Ohren, schlimme Augenverletzungen, teilweise waren die Tiere extrem ausgemergelt. Durch die unkastrierten Rammler warfen die Weibchen ständig, aber wir fanden nur leere Nester. Warum? Die Antwort kam uns nach kurzer Zeit: Ratten hatten sich in die unhygienischen Zustände eingenistet und standen mit den Kaninchen in Futterkonkurrenz und fraßen die Welpen schlichtweg auf. Ein unerträglicher Anblick.

Nachdem wir die Tiere gesichtet und katalogisiert hatten, glühten die Telefone: welches Tierheim konnte uns wie viele Tiere abnehmen, welche unserer Pflegestellen konnte uns mit einem Pflegeplatz unterstützen und vor allem: Wer half uns vor Ort und beim Transport?

Dank der guten Vernetzung unserer Vereinsmitglieder stand der Plan relativ schnell: Vier Tierheime und drei unserer Vereinspflegestellen boten den Tieren aus dem Notfall einen Platz. Genug Helfer vor Ort hatten wir ebenfalls schnell beisammen, und die Fahrketten standen ebenfalls. Es war Pfingstmontag, als wir die Kaninchen aus dem Gehege sammelten. Ich fing eins nach dem anderen ein und das einzige, was ich dabei dachte: „Hoffentlich hängt mir nicht gleich eine Ratte am Handschuh!“. Es dauerte knapp 3 Stunden, bis alle Tiere „verpackt“ und reisefertig waren. Alle hatten einen Zielort und hoffentlich somit eine Chance auf ein neues Leben in einem liebevollen Zuhause. Ein kleines Kaninchenmädchen – Sally – würde bei mir einen dauerhaften Platz finden. Sally, „meine“ Nummer 1.

Es war ein anstrengender Tag, und als abends das letzte Glied unsere Transportkette Vollzug meldete, da fiel die Anspannung der letzten Tage ab: Alle Tiere waren in Sicherheit, raus aus dem Dreck, dem Hunger und dem Schmerz. Sie konnten nun tierärztlich versorgt werden – alle Wunden würden heilen und hoffentlich auch die seelischen.

Sally fühlte sich sehr wohl und war eines der wenigen Kaninchen, die gesundheitlich weitestgehend unauffällig waren.

Allerdings war Sally nicht alleine zu mir gekommen, sie war tragend. Der Ultraschall zeigte einen Welpen – ungewöhnlich. Wir bereiteten für die werdende Mama alles vor und sorgten dafür, dass Sally bis zu der Geburt bestmöglich genesen konnte.

Und eines Abends war sie dann da, die kleine „Mini“. Ein kleines, nacktes Nilpferd. Sally kümmerte sich rührend um das kleine Wesen, aber es war schnell klar, dass irgendwas nicht stimmte. Sally hatte eine Entzündung der Gesäugeleiste, und so wurde ich zur Ziehmutter für Sallys Nachwuchs. Eine enorme Herausforderung! Aber wir schlugen uns trotz aller Widrigkeiten tapfer. Doch Sallys Körper war zu ausgemergelt, die kleine Mini zu anfällig, und so starb sie nach 6 sehr intensiven Wochen der Pflege, des Hoffens und des Bangens. Gerne hätte ich diesem kleinen Wesen eine liebevolle Zukunft ermöglicht, aber Minis Weg war ein anderer.

Sally selbst lebte noch zwei Jahre in meiner Gruppe, in die ich noch ein Mädchen aus dem Notfall aufnahm, die kleine Blue. Sally litt schon eine Weile unter Arthrose, die trotz vielfältiger Behandlungsansätze immer schlimmer wurde und so konnte sie, begleitet durch unsere Tierärztin und mich, im Oktober 2017 sanft einschlafen.