Kaninchenschutz e.V.

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Kaninchenschutz e.V. - Ostergeschichte


Der kleine Sweets war sehr nachdenklich. Er wusste nicht so recht, ob er nun glücklich sein sollte oder traurig. Morgen ist Ostern – und an Ostern sollte er von Claudia zu Nadine, Thomas, Nele und Leon ziehen.

Eigentlich war er sehr traurig. Er würde nie vergessen, dass er bei Claudia sein erstes Zuhause hatte. Claudia hatte ihn gerettet. Genau genommen hat Nadines Mann ihn gerettet; Thomas hatte Sweets an einem kalten Dezembermorgen im Schnee gefunden, ganz alleine und sehr krank. Thomas hatte den kleinen und völlig entkräfteten Sweets aufgehoben, mitgenommen und in Sicherheit gebracht. Claudia hatte ihn abgeholt und sich um ihn gekümmert, ihn Tag und Nacht gepflegt und aufgepäppelt. Das würde Sweets nie vergessen! Lange war es nicht sicher, ob Sweets überhaupt überleben und sich erholen würde. Aber Sweets war jung und stark – sonst hätte er wohl auch nie alleine die Flucht aus seiner damals furchtbaren Unterkunft in einem völlig von Kaninchen überfüllten und verdreckten Schuppen geschafft!

Durch Claudias fürsorgliche Pflege erholte sich Sweets schnell. Hatte er anfangs bei jeder Bewegung ganz fest seine Schlappohren über seine Augen geklappt, damit er nichts sehen musste, fasste er zunehmend Vertrauen zu Claudia und klappte seine Schlappohren jeden Tag ein wenig weiter von den Augen weg, bis sie ganz normal wie bei allen anderen Widderkaninchen hingen. Das Schönste für den kleinen Sweets aber war, dass Claudia ihm ein zweites Kaninchen besorgt hatte: Lotte! Lotte kam aus demselben furchtbaren Zuhause und hatte Schlappohren wie er. Sweets hatte sie sofort erkannt, sie roch so vertraut. Das war eine Aufregung für ihn damals! So sehr sich Sweets auch darüber freute, dass er gefunden und gerettet wurde – mit seiner Flucht war er sich ziemlich sicher gewesen, dass er nie wieder eines seiner vertrauten Kaninchen wiedersehen würde. Und dann war Lotte plötzlich da! Sweets war damals völlig aus dem Häuschen. Ein Kaninchen wie er, das mit ihm kuschelte und ihn putzte – das war der Moment, an dem sich alle sicher waren: Sweets würde überleben und gesund werden.

Und so war es auch. Claudia versorgte ihn mit allen notwendigen Medikamenten – Lotte putzte, wärmte und kuschelte mit ihm. Sweets ging es von Tag zu Tag besser, er wurde kräftiger und wuchs, und nach ein paar Wochen brauchte er keine Medikamente mehr. Die Tierärztin freute sich mit Claudia über seine gute Erholung – das war nicht selbstverständlich für Tiere im Tierschutz, die aus so schrecklichen Verhältnissen kamen, wie Sweets sie erlebt hatte.

Und von Claudia sollte er nun ausziehen? Darüber war Sweets sehr traurig. Er mochte Claudia sehr, sie bedeutete für ihn Sicherheit, ein behütetes Zuhause, in dem es immer genug Futter gab. An Thomas konnte er sich nicht mehr erinnern, zu schwach war Sweets damals gewesen. Thomas und Nadine haben ihn zwar in den letzten Wochen gemeinsam mit ihren Kindern Nele und Leon mehrmals besucht – er kannte sie jetzt, aber erinnern konnte sich Sweets nicht. Der kleine Sweets war sehr unsicher. Ob es bei ihnen genauso schön sein würde wie bei Claudia? Ein Außengehege haben sie für ihn gebaut, alle zusammen. Ganz viel gelernt haben sie, was ein Kaninchen so braucht und frisst. Auch Nele und Leon haben sich informiert, eine eigene Kinderinformationsmappe haben sie bekommen und immer wieder durchgelesen, um alles über Kaninchen zu lernen!

Die vielen Informationsmaterialien hat Claudia der jungen Familie vom Kaninchenschutz e.V. besorgt. Nele und Leon waren dabei die ersten Kinder, die die neue Kinderinformationsmappe lesen durften – sie erscheint eigentlich erst in ein paar Wochen, und sie waren die ersten Testleser. Darauf waren sie sehr stolz! All die vielen Anleitungen und Erklärungen haben sie ganz genau und sorgfältig gelesen, schließlich wollten sie von Anfang an mit ihren Kaninchen alles richtig machen.

Wie alle Kinder hatten sich Nele und Leon schon lange Kaninchen gewünscht – aber ihre Eltern waren vorsichtig. Als Thomas dann an diesem eiskalten Wintertag den kleinen, fast leblosen Sweets nach Hause getragen hatte, waren die beiden natürlich gleich völlig begeistert: Endlich ein eigenes Kaninchen! Doch Sweets war zu krank und die junge Familie zu unerfahren in der Pflege von Kaninchen, so dass Thomas sich beim Kaninchenschutz e.V. kompetente Hilfe gesucht und sofort bekommen hatte. Mit der Übergabe an Claudia hörte der Kontakt zu Sweets jedoch nicht auf – und daran waren nicht nur Nele und Leon schuld. Auch Thomas und Nadine konnten den kleinen Sweets nicht vergessen.

Immer wieder riefen sie in den nächsten Wochen bei Claudia an, um sich nach Sweets zu erkundigen. Ganz oft durften sie mit Nele und Leon vorbeifahren und bei der Versorgung von Sweets und Lotte helfen. Sehr vorsichtig und fürsorglich kümmerten sich Nele und Leon um „ihre“ beiden Kaninchen – denn in ihre Herzen geschlossen hatten sie Sweets und Lotte längst!

So war es sehr schnell klar, dass Sweets und Lotte später zu Nadine, Thomas und ihren Kindern ziehen würden. Aber zuerst einmal musste Sweets richtig gesund werden. Und Nadine und Thomas mussten erst einmal das Kaninchenzimmer einrichten. Ein eigenes Zimmer sollten Sweets und Lotte bekommen – aber bei dieser Überlegung blieb es nicht lange, denn die beiden fanden, ein Außengehege im Garten wäre wohl noch schöner für Sweets und Lotte. Das war nun aufgebaut, nach unten, oben und in den Seiten nach den Empfehlungen von Claudia und dem Kaninchenschutz gut gesichert – damit Sweets und Lotte wirklich ein sicheres Zuhause hatten. Schließlich buddeln Kaninchen gern – und Sweets war ohnehin sehr erfinderisch und beharrlich, das hatte ihn schließlich aus dem alten Schuppen gerettet. Einen großen Auslauf gab es, einen geschützten Rückzugsbereich und außerdem jede Menge Wiese – wenn sie denn erst einmal wieder richtig grün sein würde im Frühjahr.

Sweets wusste noch nicht, was ein tolles Außengehege ist. Sweets kannte kein Außengehege. Aber Sweets kannte Wiese und er konnte sich erinnern, wie gerne er damals in seinem furchtbaren Schuppen die würzige, aromatisch duftende Wiese, die draußen überall wuchs, durch ein kleines, selbst gebautes Loch in der Schuppenwand gerochen hatte. Zu fressen bekam er sie fast nie, sie war unerreichbar. Lange hatte Sweets gewerkelt und das Loch täglich vergrößert – bis es groß genug war, dass er aus seinem Schuppen fliehen konnte. Da gab es jedoch längst keine Wiese mehr, die war tief verschneit. Aber den Geruch an die Wiese, den würde Sweets nie vergessen. Freiheit bedeutete sie für ihn – Freiheit und ein artgerechtes Kaninchenleben, wie es eben Kaninchen haben sollten.

Wiese würde er mit Lotte in ihrem neuen Zuhause jede Menge finden, das hatten ihm alle versprochen. Aber dass Sweets dafür von Claudia würde wegziehen müssen – das gefiel ihm überhaupt nicht.

Zum Glück würde Lotte mitkommen! Sweets brauchte nicht alleine umziehen, und er brauchte sich auch nicht von Lotte trennen. Claudia hatte ihm immer wieder versichert, dass er mit Lotte in ein wunderschönes Zuhause ziehen durfte, in dem er glücklich sein würde. Trotzdem war er hin- und hergerissen. Sweets konnte all die Gründe nicht verstehen.

Und nun war Ostern und morgen würde er umziehen. Sweets konnte nicht einschlafen.

*      *      *      *      *

Am nächsten Morgen wachte Sweets früh auf. Lotte war neben ihm und kuschelte eng an Sweets gelehnt mit ihm, das beruhigte ihn sehr. Auch Claudia kam früh, um nach Sweets und Lotte zu sehen, und auch sie war hin- und hergerissen. Man gewöhnte sich so schnell an Pflegekaninchen, und durch ihr besonders Schicksal entwickelte man ganz schnell eine ganz besondere Beziehung zu ihnen.

Claudia sah Sweets an – und auch sie war hin- und hergerissen und sehr traurig. Aber gleichzeitig war sie auch absolut glücklich, wenn sie an die Umgebung dachte, in die Lotte und Sweets heute ziehen würden. Eine liebevolle Familie, die sich um die beiden sorgte, Nele und Leon, die sich engagiert kümmern würden. Für beide Kinder waren Lotte und Sweets kein Spielzeug, sie haben gelernt und verstanden, dass Tiere eine große Verantwortung bedeuten und man sich ihr ganzes Leben lang um sie kümmern musste. Nie wollten Nele und Leon Sweets oder Lotte herumschleppen – das hatten sie ganz schnell gelernt. Aber sie durften sie füttern und sie streicheln, und auch das Gehege konnten sie schon fast selbstständig sauber machen. Das Entscheidende war jedoch, dass die Eltern die Verantwortung für die Tiere übernahmen und Nele und Leon nicht alleine sein würden. Diese Bedingungen überzeugten Claudia, die das im Kaninchenschutz leider oft auch anders erlebte. Zu viele Kaninchen wurden gerade zu Ostern für Kinder angeschafft, die mit großen Augen ein niedliches, lebendiges Kuscheltier erbettelten. Aber dass Tiere eigenständige Lebewesen mit ganz eigenen Bedürfnissen sind, dieser eigentlich ganz normalen Tatsache sind sich viele Eltern lange nicht bewusst.

Viel zu oft hat Claudia erleben müssen, dass die ursprünglich so begeistert angeschafften Kaninchen nur wenige Wochen später gar nicht mehr begeistert versorgt werden, sondern oft dann anstrengend oder sogar lästig geworden waren. In vielen Kinderzimmerkäfigen mussten solche Tiere leben – ohne Rücksicht auf die Bedürfnisse der Kaninchen. Kaninchen wollen hoppeln, toben und springen – das alles ist in kleinen Käfigen überhaupt nicht möglich. Sie brauchen ein Partnertier – auch das haben viele Kaninchen nicht. Ein trauriges Schicksal ist es, was die oft zuerst aus Liebe angeschafften Kaninchen dann erleben. Dies war keine Liebe gegenüber den Kaninchen – es war die Liebe von Eltern zu ihren Kindern, die stärker war und die die Bedürfnisse der Tiere oft genug vergessen ließ.

Claudia seufzte. So verständlich die Wünsche der Kinder waren – sie hoffte immer wieder, dass Eltern sich doch vor der Anschaffung der Kaninchen ausführlich informieren würden, was die Haltung von Tieren wirklich bedeutete. Viele der ursprünglich auf Wunsch der Kinder angeschafften Kaninchen landeten später bei ihr im Kaninchenschutz – vor allem in den Wochen nach Ostern. Da gab es so viele Hilferufe von Eltern, die mit den Tieren nicht mehr zurechtkamen oder die die Versorgung der Kaninchen nicht mehr übernehmen wollten. Nur wenige Wochen nach ihrem Einzug wurden die Tiere den Kindern langweilig – dann, wenn die erste Begeisterung über das niedliche Spielzeug vorbei war und die Kinder erlebten, dass Tiere eigene Bedürfnisse hatten und versorgt werden wollten.

Claudia erhielt täglich Anfragen von Tierbesitzern mit Vermittlungswünschen ihrer bestimmt einmal aus Liebe angeschafften Kaninchen. Immer wieder dachte sie traurig darüber nach, warum es so weit kommen musste. Warum informierten sich die Besitzer nicht vor der Anschaffung der Tiere über deren Bedürfnisse und die kaninchengerechte Haltung? Der Kaninchenschutz e.V. stellt so viele Informationsmaterialien zur Verfügung, berät im Forum, auf der Homepage und persönlich bei vielen Informationsständen und Messen mit einem großen Wissen der Mitglieder zur artgerechten Haltung von Kaninchen. Es gibt so viele Möglichkeiten! Und dann, wenn man sich sicher war, dass die Tiere zukünftig dauerhaft das Leben bereichern würden, wenn man sich der Verantwortung für ihre Versorgung voll und ganz klar war – dann sollten die Kaninchen zu neuen Besitzern ziehen dürfen.

Claudia war sehr glücklich, dass Thomas und Nadine so verantwortungsvoll waren. Sie hatten eindeutig erklärt, sie als Erwachsene sorgen für Sweets und Lotte. Claudia hatte die beiden in vielen und langen Gesprächen beraten und alles über Kaninchen vermittelt, was sie wusste. Sweets und Lotte würden wirklich in ein sehr liebevolles Zuhause ziehen, das wusste Claudia ganz sicher.

Aber sie war es, die Sweets und Lotte in den letzten Monaten gepflegt und umsorgt hatte, und das machte sie natürlich traurig. Nun würden sich die Verhältnisse umkehren – nicht mehr Nadine und Thomas würden Sweets und Lotte besuchen – sondern Claudia würde regelmäßig bei den beiden vorbeifahren und nach „ihren“ Kaninchen sehen. Aber es war anders. Claudia hatte schon viele Pflegetiere versorgt – und jeder Abschied nahm sie etwas mit. Die Beziehung zu Pflegetieren wie Sweets und Lotte, deren Überleben so knapp war, war immer etwas ganz Besonderes. Das würde Claudia nie vergessen – und deshalb litt sie bei jedem Abschied selbst mit.

Aber Claudia wusste eines doch ganz sicher: Für Sweets und Lotte könnte das neue Zuhause bei Nadine, Thomas, Nele und Leon nicht besser sein. Nahezu ideale Bedingungen würden die beiden bekommen. Sie handelte aus dem Gefühl der Verantwortung und auch der Liebe für Lotte und Sweets mit der Vermittlung – und das war ein wunderschönes Gefühl.

*      *      *      *      *

Als Claudia an diesem Morgen so bei Sweets und Lotte saß und beiden über die Köpfchen strich, sich beide ganz eng auf den Boden und an sie gedrückt hatten, dachte sie genau daran. „Sweets und Lotte, ihr beiden bekommt ein wunderschönes Zuhause, in dem ihr glücklich und artgerecht leben könnt.“ Sweets und Lotte bemerkten die Wärme und die Ruhe, und dieses Gefühl übertrug sich auf sie beide. Sie konnten die Worte von Claudia nicht verstehen – aber sie vertrauten Claudia und sie wussten instinktiv, dass Claudia wie auch in den letzten Wochen für sie sorgte. Jetzt sorgte sie für ein neues, schönes Zuhause für sie beide. Dieses Gefühl der Zuneigung von Claudia durchströmte Sweets und Lotte ganz warm – dieses Gefühl würden sie immer behalten.

Etwas später klingelten Nadine und Thomas mit ihren Kindern – und auch Claudia konnte sehen, wie glücklich Nele und Leon die Kaninchen ansahen. Das war kein überstürztes Gefühl von kurzer, begeisterter Freude – nein, das war mehr.

Dennoch war es ein trauriger Abschied. Auch wenn Claudia diese Situationen kannte – sie waren jedes Mal erneut für sie schwierig. Nach einer so intensiv erlebten Zeit mit Pflegekaninchen mag man sich einfach nicht von den anvertrauten Tieren trennen – auch wenn es noch so richtig ist. Noch einmal knuddelte sie Sweets und Lotte, spürte ihr weiches Fellchen, das kleine Köpfchen und die Schlappohren – dann setzte sie die beiden für die Fahrt in die mitgebrachte Transportbox. Es würde kein endgültiger Abschied sein – denn nun konnte ja umgekehrt sie die beiden jederzeit besuchen, wenn sie es wollte. Mit diesem Gedanken und der Gewissheit an das schöne Zuhause, in das Sweets und Lotte ziehen würden, übergab sie die Transportbox mit den beiden Kaninchen an Thomas. „Passt gut auf die beiden auf“, sagte sie noch. „Das machen wir. Und wir bleiben natürlich in Kontakt!“ versprachen Thomas und Nadine – dann fuhren sie los.

Sweets und Lotte staunten. So ganz konnten sich beide noch nicht vorstellen, wohin sie nun wohl gebracht wurden. Aber es fühlte sich gut an.

*      *      *      *      *

Die Fahrt zu Nadine und Thomas war nicht sehr weit. Als Thomas das Auto parkte und Nadine die Transportbox mit Lotte und Sweets herausnahm, wurde Sweets ganz aufgeregt: Wiese konnte er riechen, so wie damals, im letzten Sommer, als er noch ganz klein war! Würzige, duftende frische Wiese! Er schnupperte sofort mit seinem Schnäuzchen in alle Richtungen, aber es war ganz deutlich zu merken. Ganz viel Wiese! Auch Lotte schnupperte die frische Luft und bemerkte den Duft der frischen Wiese. Das war ein schöner Geruch.

Und es war wirklich alles perfekt vorbereitet: Nadine trug die Transportbox mit den Kaninchen direkt in den Garten, die Kinder liefen ganz aufgeregt hinterher. Sie stellte die Box in das neue schöne Gehege, öffnete sie so, dass die Kaninchen hinauskonnten – ließ die Box aber im Gehege stehen, so dass Sweets und Lotte noch einen vertrauten Rückzugsort haben würden. Dann erklärte Nadine ihren beiden Kindern, sie sollten das Gehege erst einmal verlassen, damit Sweets und Lotte sich ganz in Ruhe an ihre neue Umgebung gewöhnen konnten. Aber sie dürften von außen ganz leise zugucken.

Das nutzen Nele und Leon natürlich. Ganz leise und ganz neugierig waren sie und sahen den Kaninchen zu.

Auch Sweets und Lotte waren ganz neugierig. Zuerst noch sehr zögerlich, krochen beide aus der Transportbox heraus. Was sie da sahen, ließ sie mit ganz großen Kaninchenaugen staunen: Ein wirklich wunderschönes und ganz großes Außengehege hatten sie für sich! Alles war frisch hergerichtet und duftete soooo schön. Und wie sie es schon beim Herausnehmen aus dem Auto bemerkt hatten: Es gab Wiese! Noch nicht so viel, die Wiese wurde erst jetzt richtig grün, aber es duftete schon so toll nach ihr!

Nele und Leon hatten die ersten Gänseblümchen gepflückt und für Sweets und Lotte bereitgelegt. Hach, war das schön! Und Wiese würden sie nun ja genug finden. Nadine hatte ihren Kindern erklärt, dass man Wiese sehr vorsichtig anfüttern musste. Bei Claudia waren Sweets und Lotte zwar jede Menge Frischfutter gewohnt, aber im Winter gab es ja kaum frische Wiese, so dass es ganz wichtig war, das frische Grün vorsichtig und zunächst in ganz kleinen Portionen anzufüttern. Nele und Leon hatten das auch in ihrer Kinderinformationsmappe gelesen, und genauso wollten sie das auch machen. Aber Gänseblümchen – die durften sie den beiden schon hinlegen!

Sweets und Lotte bemerkten die Gänseblümchen sofort, freuten sich – und futterten begeistert alles auf. Sweets guckte zu Nele, als ob er verstanden hatte: Sie hatte die Blümchen für ihn gepflückt. Nele und Leon lachten und freuten sich, wie gut es die beiden Kaninchen hatten. Und Nadine stand mit dem Handy neben ihren Kindern – und nahm das erste Foto von Sweets und Lotte auf, das sie sofort Claudia schicken würde. Ein Bild von zwei glücklichen Kaninchen.

Für Sweets hatte der Duft nach frischer Wiese immer Freiheit und ein artgerechtes Kaninchenleben bedeutet – und genau so empfand er es jetzt. Jetzt war er zu Hause angekommen. Er futterte die Gänseblümchen auf - dann lehnte er sich an Lotte und legte sein Köpfchen ganz tief auf den Boden. Und Lotte kuschelte sich an ihn und putzte ihn. So wie damals bei Claudia.

Ganz instinktiv wünschte sich Sweets: Wenn doch alle Kaninchen ein so schönes Kaninchenleben haben könnten wie sie beide.

*      *      *      *      *

Vielen Menschen hat Sweets zu verdanken, dass er leben darf: Thomas, der ihn gefunden und gerettet hat, die Tierärztin, die sich um ihn gesorgt, ihm alle notwendigen Medikamente gegeben und dafür gesorgt hat, dass er inzwischen geimpft und kastriert war, und natürlich vor allem Claudia, die es mit ihrer Pflege und Fürsorge geschafft hatte, dass Sweets überleben konnte.

Viele aktive Mitglieder im Kaninchenschutz e.V. kümmern sich so wie Claudia um schwache, verletzte und kranke Kaninchen – Kaninchen, die vergessen wurden oder vergessen werden sollten. Unsere aktuellen Pflegefellchen werden von Anke, Astrid N., Claudia S., Hope R., Jenny G., MelanieK, Nadine N. und Susanne fürsorglich betreut – und hinter jedem aufgefundenen Kaninchen steht ein eigenes, meist sehr trauriges Schicksal. Wenn eigene Besitzer weggucken und damit Tierleid erst verursachen, gucken die Mitglieder im Kaninchenschutz hin, übernehmen die Verantwortung und sorgen fürsorglich rund um die Uhr für „ihre“ aufgenommen Kaninchen. Es ist immer wieder ein wunderschöner Moment, wenn wir miterleben können, wie sich die Kaninchen in der Sicherheit ihrer Pflegestelle erholen, wie es ihnen langsam besser geht – und sie manchmal auch wieder ganz gesund werden. Viele Tiere können später in ein glückliches Zuhause vermittelt werden – und manche dürfen dauerhaft in ihrer Pflegestelle bleiben. Der Kaninchenschutz e.V. unterstützt diese Kaninchen dann ihr ganzes Leben lang – damit sie nie wieder ein solches Schicksal erleiden, wie Sweets es damals in seinem Schuppen erleben musste, damit sie ihr ganzes Leben lang die so wichtige medizinische Versorgung erhalten, die ihnen ein lebenswertes Kaninchenleben ermöglicht, und damit sie ohne Angst und Hunger ihr Leben lang gut beschützt und liebevoll umsorgt werden.

Ganz herzlich möchten wir dabei vor allem denjenigen danken, die uns bei dieser Versorgung unterstützen: Allen Paten, die unseren Pflegekaninchen so zuverlässig helfen. Durch Eure bzw. Ihre Unterstützung ist uns die kontinuierliche Versorgung der kranken Kaninchen in unseren Pflegestellen dauerhaft möglich. Euch bzw. Ihnen gilt das Dankeschön der vielen Pflegekaninchen des Kaninchenschutz e.V.:

Azzurro, Chai & Diego, Charly, Ella, Erna, Fibsy, Franz Fluse, Fräulein Elvis, Hedwig, Helmut, Horst, Ida, Maggy, Malte, Maya, Nora, Oskar, Paul, Tomte Tummetott und Trudi – und seit Ostern 2018 auch Hedda und Tobi.

In unserer Vorstandstätigkeit sind es diese Momente, die Tierschutzarbeit immer wieder so besonders machen: „Helfen mit Herz“ – für jedes Kaninchen, das in seiner Pflegestelle und dank der Hilfe und Zusammenarbeit vieler Menschen im Tierschutz leben darf.


Wir wünschen allen Vereinsmitgliedern, allen Paten und Unterstützern im Kaninchenschutz e.V. schöne Ostertage!

Der Vorstand des Kaninchenschutz e.V.
Claudia, Anja, Tanja, Jacqueline und Andreas

Die bewegendsten Momente unserer Mitglieder


Auf dieser Seite möchten wir Ihnen Geschichten und Erlebnisse unserer Vereinsmitglieder vorstellen: Die persönlich bewegendsten, bedeutsamsten oder schönsten Momente in der Arbeit unserer Mitglieder, seit sie im Kaninchenschutz e.V. aktiv sind: "Dein bewegendster KS-Moment - Deine Geschichte!".

Das können Notfälle, eine gemeinsame Aktion, ein durchgeführter Informationsstand, eine besondere Beratung oder andere ganz persönliche Erlebnisse sein.

Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Lesen und danken allen Vereinsmitgliedern, die uns ihre Geschichten geschickt haben!

Astrid N.: Ida und Nora


Ende Juni 2016 brach meine Welt zusammen. RHDV-2! Es gab den Impfstoff noch nicht und es hat mir den Boden unter den Füßen weggezogen, alle meine Lieblinge zu verlieren. Ich war so entmutigt und am Boden zerstört, dass ich selbst meine Kaninchenschutz-Arbeit nicht mehr fortsetzen konnte und von meiner aktiven Mitgliedschaft zunächst auf "passiv" ging.

Aber wie es so ist bei "Kaninchenverrückten": Es geht nicht ohne. Nach ein paar Wochen Pause kam ich wieder zurück, mir fehlten meine Vereinskolllegen und die Arbeit beim Kaninchenschutz, die mir so unheimlich Spaß macht.

Tja, und dann tauchten Ida und Nora auf. Vom Züchter bei einer unserer Pflegestellen "entsorgt" wegen ihrer Beinfehlstellungen. Die beiden berührten so mein Herz, es war wie ein Wink des Schicksals. Sie wurden ungefähr zu der Zeit geboren, als meine Lieblinge durch diese schreckliche Seuche sterben mussten.

Ida und Nora wurden Vereinstiere und bekamen "Kaninchenschutz-Status", das heißt, ihre medizinische Versorgung wird komplett durch den Verein übernommen. Natürlich wurden sie geimpft, ich wurde wieder Pflegestelle - und landete auch im Patenteam, meine absolute Leidenschaft!

Danke Ida und Nora, dass ihr mir zusammen mit Tomte meine Lebensfreude zurückgegeben habt ♡ !


*      *      *      *      *


Ida und Nora wurden Kaninchenschutz-Patentiere der Monate August 2017 und Januar 2018. Zusammen mit Tomte Tummetott erhalten alle drei Kaninchen ab Januar 2018 den "Gnadenhofstatus" des Kaninchenschutz e.V. und können somit immer in ihrer aktuellen Pflegestelle bei Astrid N. bleiben. Wir freuen uns sehr für alle drei und hoffen, dass es ihnen weiter gut geht - und danken Astrid N. ganz herzlich für ihre liebevolle Betreuung!

Der Vorstand des Kaninchenschutz e.V.

Katharina Bö.: Notfall mit 300 Meerschweinchen und Kaninchen


Meine bewegendsten Momente im Kaninchenschutz waren während der Räumung der fast 300 Kaninchen und Meerschweinchen auf dem Grundstück in Velpke. Zwar war ich da noch nicht Aktive, das gab mir aber den Anstoß, im Kaninchenschutz aktiv zu werden.

3,5 Stunden Autofahrt haben Björn und ich auf uns genommen, um so vielen Tieren wie möglich zu helfen. Bevor es losging, haben wir noch schnell die Autos mit unserem besten Freund getauscht (weil er einen großen Kombi hatte), um möglichst viele Kaninchen zurück ins Düsseldorfer Tierheim nehmen zu können. 80 Plätze, 40 für Meerschweinchen und 40 für Kaninchen, hatte das Düsseldorfer Tierheim für unseren Notfall zur Verfügung gestellt. Wir haben im Vorfeld nicht gewusst, dass wir am Ende so unendlich froh über das große Platzangebot waren, denn mit dieser Menge an Tieren haben wir beim Eintreffen noch nicht gerechnet. Dementsprechend mussten während der Räumung mit der Polizei und dem Veterinäramt auch noch weitere Umzugskartons aus dem örtlichen Baumarkt beschafft werden. Zum Glück hatte ein anderer Aktiver in der Nähe Platz, um Tiere immer wieder "zwischenzulagern".

Mit Björn zusammen räumte ich ein Meerschweinchengehege aus. Es wurden gefühlt immer mehr Tiere als weniger. Karton für Karton haben wir mit etwa 10 Meerschweinchen gefüllt. Die Einstreu war sehr hoch und auch in den Häusern versteckten sie sich überall. Ein paar Kaninchen waren auch noch darin. Das Gehege befand sich in einer geschlossenen Garage. Die Tiere hatten weder Futter noch Wasser. Als ich eines der letzten Meerschweinchen in eine Box packte, hatte ich plötzlich Blut an meinen Handschuhen. Es sind Bilder, die mir nie mehr aus dem Kopf gehen. Dieses Meerschweinchenweibchen hat kurz vorher Babies geboren, die leider verstarben. Der Anblick war traurig und doch arbeitete man wie ein Roboter, um so viele Tiere retten zu können, wie es nur geht.

Im Stall nebenan haben die anderen Helfer die eingebuchteten, in Dreckställen sitzenden Kaninchen zuerst mit viel Wasser und Futter versorgt. Die Tiere haben getrunken, als gäb's kein Morgen mehr. Alle schmierigen Nippeltränken waren leer. Auch der Garten war total untergraben, überall Höhlen. Ständig lief einem wieder ein Kaninchen über die Füße. Am Ende saßen wir zugepackt mit fast 20 Umzugskartons und insgesamt 40 Meerschweinchen und 40 Kaninchen im Auto. 3,5 Stunden Autofahrt in ein schönes Leben. Alle Tiere haben die Fahrt überlebt, und wir waren so erleichtert, dass keines zerdrückt wurde oder erstickt ist. Ich bin so schnell gefahren, wie es nur ging. Ich hatte Tränen in den Augen und Angst um jedes einzelne Tier.

Im Zwischenlager wurde derweil weiter sortiert, dokumentiert, gepackt und nach weiteren Unterbringungsmöglichkeiten gesucht, denn mit so vielen Tieren haben wir nicht gerechnet und haben nur begrenzt Unterbringungsmöglichkeiten gefunden.

Am Ende konnte jedes Tier untergebracht werden. Das Tierheim Düsseldorf stand bei unserer Ankunft mit 5 Mitarbeitern parat, und das Ausladen in die schönen mit Einstreu, Futter, Wasser und Höhlen bestückten Zimmer ging sehr flott.

Dieser Tag ging mir tief unter die Haut und es sind noch immer Bilder in meinem Kopf von Kadavern oder sehr kranken Tieren, die ich nicht mehr wegbekomme. Dennoch würde ich jederzeit wieder helfen, denn wir haben fast 300 Tiere retten können. Die Räumung war absolut organisiert und es herrschte Teamarbeit. Jeder half jedem, mit Herz. Das war der Grund, wieso ich nach diesem Tag Aktive geworden bin.

Helfen mit Herz, nirgendwo war es so deutlich wie an diesem Tag, an diesem Ort.

Katharina Bö.: Dreharbeiten mit "Animal TV Köln"


Mein aufregendster Moment als Aktive war der Dreh mit dem YouTube-Kanal "Animal TV Köln" im November 2015.

Ich war so aufgeregt wie nie und habe mich auf alles Mögliche vorbereitet. Es sollte ein Interview mit Thema "Artgerechte Kaninchenhaltung" werden. Ich hatte nur eine begrenzte Zeit von 15 - 20 Minuten dafür. Anfangs dachte ich, die bekomme ich nie um! Schnell merkte ich aber schon bei Proben Zuhause am Spiegel, dass ich sooo viel erzählen möchte. Letztlich mit Kurzfassungen und dem geführten Interview habe ich aber alle Themen gut untergebracht.

Als Herr Grund zu mir in die Wohnung kam, war ich sehr nervös. Er hat Belichtung sowie überall Kameras aufgebaut. Ich fühlte mich anfangs sehr unwohl und war einfach aufgeregt. Schließlich sollte es doch bei den Menschen ankommen und die Kaninchenhaltung wenigstens in ein paar Haushalten verbessern. Nach und nach verlor ich aber die Scheu und wurde sicherer, schließlich ist es ja ein Thema, das ich mittlerweile aus dem "FF" beherrsche. Dennoch fallen einem nach so einem Interview abends im Bett noch sooo viele Dinge ein, die man hätte sagen können.

Gedreht wurde auch im Kaninchenzimmer, und auch kleine Handyvideos wurden eingeschnitten, um das Werk perfekt zu machen. Meine drei Kaninchen Kiwhy, Kuddel und Elaine haben gut mitgemacht und sich von ihrer besten Seite gezeigt.

Veröffentlicht wurde das Interview dann am 18.11.2015 auf YouTube - und bis heute hat es zumindest über 3.500 Menschen erreicht:

=> Interview mit "Animal TV Köln auf YouTube"


*) Bitte beachten Sie:
Das Interview ist 2015 aufgenommen worden, im Text wird die Impfung gegen RHD und Myxomatose empfohlen. Seit 2017 ist zusätzlich auch die Impfung gegen RHDV-2 erforderlich.

Franziska T.: Hilfe für eine schwerkranke Kaninchenbesitzerin


Meine Aktivität im Kaninchenschutz brachte mir nicht nur einen bewegenden Moment, sondern einige sehr bewegende Monate, die ich wohl nicht wieder vergessen werde.

Ich war über Weihnachten bei meiner Familie, als mich ein Hilferuf von einer Forennutzerin ereilte. Sie hatte gerade eine schlimme Krankheitsdiagnose erhalten und ein Krankenhausaufenthalt stand bevor - und sie wusste nicht, wie sie für diese Zeit die Versorgung ihrer Kaninchen gewährleisten sollte. Ich war zunächst erst einmal überfordert - denn ich hatte absolut keine Möglichkeit, Tiere bei mir aufzunehmen. Doch nach unserem Gespräch war klar: Ich würde die Betreuung der Tiere erst einmal übernehmen - bei ihr zu Hause, denn sie wohnte quasi in meiner erweiterten Nachbarschaft.

So lernte ich nicht nur zwei besondere Kaninchen, sondern auch eine extrem fürsorgliche Besitzerin kennen, der es leider wirklich schlecht ging. Fasziniert hat mich, dass mir beim ersten Treffen wie selbstverständlich ein Wohnungsschlüssel in die Hand gedrückt wurde, damit ich die Versorgung der Tiere übernehmen konnte. Sicherlich gab es in diesem Fall kaum eine andere Möglichkeit. Dennoch wurde mir Vertrauen ausgesprochen, was mich sehr überwältigte.

Da für mich selber in den nächsten Wochen und Monaten einige wichtige Dinge anstanden, hatte ich die Unterstützung für maximal einen Monat zugesagt. Doch es kam alles anders. Die gesundheitliche Situation der Kaninchenbesitzerin war leider deutlich schlimmer als angenommen - und sie und ihre Tiere waren wirklich auf Hilfe angewiesen. Und auch wenn mir eigentlich die Zeit fehlte, wusste ich gleichzeitig, dass ich sie nicht im Stich lassen konnte. Und so kam ich regelmäßig vorbei, brachte das Lieblingsfutter der beiden Langohren mit, half bei der Gehegereinigung und fuhr regelmäßig mit ihnen zum Tierarzt für Zahnkorrekturen.

Aus der kurzfristigen Unterstützung während eines Krankenhausaufenthaltes wurden Wochen und Monate. Oft habe ich darüber gestöhnt, dass ich nach einem langen Arbeitstag noch bei ihr vorbei musste, noch etwas einkaufen musste oder auch lange beim Tierarzt sitzen musste. Aber gleichzeitig habe ich so sehr gemerkt, wie wertvoll meine Arbeit ist. Nicht nur die Kaninchen, die natürlich auf Futter und eine Versorgung angewiesen waren, haben mir gedankt durch ihre Art und viele niedliche Momente. Auch ihre Besitzerin hat mir immer wieder gezeigt, dass es das Richtige ist, was ich tue, und dass es gut ist, dass ich meine Zeit hierfür "opfere".

Diese Zeit war für mich nicht immer einfach, aber doch eine ganz Besondere: Ich bin einem Menschen sehr nahe gekommen und konnte in einer so schweren Zeit da sein. Dieses Erlebnis hat mir wieder einmal vor Augen geführt, dass Tierschutz viel mehr ist als der reine Schutz von Tieren. Es ist ein komplexes Zusammenspiel von Tieren und Menschen. Und oft ist Tierschutz auch eine soziale Kompetenz.

Und so bin ich froh über diese sehr besondere, oft sehr schwierige, emotionale und teilweise auch wirklich traurige Zeit, die mir die Tierschutzarbeit beschert hat. Ich denke oft daran zurück, mit dem Wissen, mein Bestes gegeben zu haben - nicht nur für die Tiere, sondern auch für diejenige, die diese Tiere selber so sehr liebt.

Dieser Moment ist das, was Kaninchenschutz so besonders für mich macht: Man kennt seine Stärken, seine Aufgaben, die Dinge, die man viel und gerne macht. Und doch trifft man immer wieder auf Situationen, die man sich selber nicht zugetraut hätte - und die man am Ende doch meistert, weil es doch um eins geht: "Helfen mit Herz".



Das Foto zu dieser Geschichte ist ein sehr persönliches Bild von Franziska T. Es zeigt ein Phänomen, das sie einmal zusammen mit der kranken Kaninchenbesitzerin gemeinsam beobachtet hat und von dem sowohl Franziska als auch die Besitzerin immer wieder sehr fasziniert waren.

Anja S.: Für die Pflegestellen des Kaninchenschutz e.V.


Es gibt Momente im Kaninchenschutz, die vergisst man nie. Dazu gehören für mich immer wieder besondere emotionale Erlebnisse in meiner Vorstandsarbeit im Kaninchenschutz e.V., wenn Tierschutz plötzlich sehr dringend wird und Aktive in Notfallsituationen um Unterstützung fragen: Da erreicht uns am späten Abend eine eilige Mail oder ein dringender Anruf auf dem Handy - immer mit ähnlichen Beschreibungen: Ein verwahrlostes Kaninchen wurde aufgefunden, abgegeben oder eingefangen und muss dringend versorgt und dem Tierarzt vorgestellt werden.

Spätestens mit der Schilderung der konkreten Situation und erst recht mit den angefügten Bildern wird die Situation sehr real: Misshandelte, nicht versorgte Tiere, schwach, krank, in erschreckendem Zustand, für die eine sofortige Hilfe erforderlich ist.

Ich werde mich immer an die kleine Eida erinnern, die bei der Übernahme in ihre Pflegestelle vor Schwellungen an Augen und Nase kaum noch atmen konnte. Als sich ihr Zustand endlich gebessert hatte, stellte die Tierärztin als neue Problematik massive Lungentumore fest. Aus der Rettung wurde eine Behandlung auf Zeit, und Eida erhielt den sofortigen Gnadenhofstatus des Kaninchenschutz – ihre Lebensprognose betrug nur noch wenige Wochen.

Auch die erst 4 Tage alten kleinen Welpen, die plötzliche ohne Mutter allein, unversorgt und bereits schwach und kalt waren, vergesse ich nie – mitten in der Nacht hat eine unserer aktiven Mitglieder die Kleinen von ihrem Vorbesitzer abgeholt, um sie mit Futter zu versorgen. Ein tage- und nächtelanger Kampf um die kleinen Leben begann – aber einer nach dem anderen Welpen starb, die Kleinen wurden nur ganz wenige Tage alt. Ich habe ein Video von dem letzten überlebenden Welpen, für den noch eine „Amme“ im Tierschutz besorgt wurde – und endlich ein Hoffnungsfunken von allen Tierschutzkolleginnen, als er endlich selbstständig trank. Nur eine Stunde später war auch er tot.

Der kleine Malte ist unser aktuellstes Tier – er war fast verhungert, als er von seiner Besitzerin bei einer Tierärztin zum Einschläfern abgegeben wurde. Die Tierärztin übernahm den Kleinen – und rettete ihm damit das Leben. Dauerhaft versorgen konnte sie ihn nicht, so kam er zu uns. Ob er es endgültig schaffen wird, ist noch nicht sicher – noch immer benötigt er in seiner Pflegestelle eine Intensivbetreuung.

Dies sind nur einige wenige Beispiele von ganz vielen Tieren, die der Kaninchenschutz e.V. in den letzten Jahren betreut hat. Es gibt viele weitere Fälle, die mir und meinen Vorstandskolleginnen in Erinnerung bleiben. Es ist unfassbar, was manche Kaninchen bei ihren Haltern erleben müssen: Kaninchen mit eitrigen, tränenden Augen, zugeschwollenen Näschen, überlangen Zähnen oder Krallen, entzündeten Wunden, halb verdurstet und entkräftet, sie leben in Dreck und Elend oder werden einfach beim Auszug im Käfig zurückgelassen. Manche Kaninchen „stören“, weil sie nicht angepasst genug leben, krank werden und versorgt werden wollten – oder sie sind ihren Besitzern scheinbar grundlos zu anstrengend. Das lebende Kaninchen, irgendwann lange zuvor zur Unterhaltung oder als Spielzeug für Kinder angeschafft, soll vergessen werden.

Aber irgendjemand hat es nicht vergessen und hingesehen – hat das Elend dieses Tieres gesehen und gehandelt. Ich glaube, es muss ein furchtbarer Moment sein, wenn man das Tier in diesem Zustand übernimmt: Ihm Sicherheit, Pflege und medizinische Versorgung bieten kann, aber nicht weiß, ob es die nächsten Stunden oder Tage überlebt.

Solche Fälle erreichen mich und meine Vorstandskollegen oft mit der Bitte um die Kostenübernahme der medizinischen Versorgung durch den Verein. Jeder Aktive kann uns im Vorstand in solchen Fällen sofort erreichen, nahezu rund um die Uhr. Ein krankes oder misshandeltes Tier kann nicht warten.

Für uns ist die Zustimmung in diesen Fällen fast immer schnell entschieden – für die Pflegestelle beginnt die Arbeit jetzt.

Ich bin immer wieder beeindruckt von dem großen persönlichen Einsatz der aktiven Mitglieder, die die gefundenen Kaninchen als Pflegetiere aufnehmen, sie versorgen und vorsichtig aufzupäppeln versuchen. Oft bedeutet das einen Einsatz über die eigenen Kräfte hinaus, schlaflose Nächte – und immer wieder große Sorge um das Leben des anvertrauten Tieres. Kaninchen in diesem Zustand benötigen eine Intensivbetreuung rund um die Uhr, ohne Rücksicht auf eigene Arbeits-, Freizeit- oder Schlafenszeiten: Futter alle paar Stunden, Medikamente, aber auch unendliche Geduld und starke Nerven der Pflegestelle.

Oft ändert sich dabei von einem Moment auf den anderen und für viele Wochen die persönliche Lebenssituation der Pflegestelle. Das Schicksal des geretteten Tieres liegt plötzlich in der eigenen Verantwortung, das Leben eines kleinen, entkräfteten Pflegefellchens in der eigenen Hand.

Neben der körperlichen Anstrengung, wenn man ganze Nächte um das kleine Leben kämpft, sind es vor allem aber die emotionalen Belastungen, die bei der Versorgung der Notfellchen auf jede Pflegestelle zukommen. Der Einsatz für ein gerettetes Pflegefellchen ist niemals eine Routinebetreuung. Immer wieder überleben die geretteten Kaninchen die nächsten Wochen nicht, oft genug hängt ihr Leben über eine lange Zeit an einem dünnen Faden.

Immer wieder kommt die Hilfe trotz aller Bemühungen zu spät. An jedem einzelnen Kaninchen hängt das eigene Herz, und mit jedem so sinnlos verursachten Tod stirbt ein Stück eigene Hoffnung: Die Hoffnung auf endlich ein glückliches, gesundes und sicheres Leben für das kleine Pflegefellchen, die so greifbar nah gewesen schien. Es sind unglaublich traurige Momente – und manchmal hilft dabei nur das Wissen, dass die kleinen Notfellchen – manchmal das erste Mal in ihrem Leben – erleben durften, dass sie nicht alleine gelassen und wenigstens einmal umsorgt wurden.

Im Vorstand können wir unsere Pflegestellen mit der finanziellen Absicherung unterstützen. Die Versorgung der Notfallkaninchen und damit all die Belastungen trägt jedoch die Pflegestelle. Ich bin sehr froh über die vielen intensiven Momente, die viele Pflegestellen über eine lange Zeit mit uns teilen, und darüber, dass ich hier aktiv mit meiner Vorstandsarbeit das Schicksal eines kleinen Notfellchens verändern kann und es sicher und sorgsam behütet in kompetenten Händen weiß.

Bei allem Leid, wenn es das Pflegefellchen nicht schafft, gibt es auch die Momente, die immer Hoffnung schenken: Wenn ein Kaninchen fast ohne Chance es schafft, sich erholen und leben kann – weil es für jemanden, der es gefunden hat, wichtig war, weil Menschen Verantwortung übernehmen und sich rund um die Uhr um es sorgen. Für mich sind es im Tierschutz oft auch diese ganz intensiven, schönen Momente, die ich nie vergesse: Wenn ein kleines Notfellchen es durch diese Hilfe glücklich genießt, gesund zu werden, ein Kaninchenleben mit Partnertieren genießen kann – und manchmal dauerhaft in der Sicherheit der Pflegestelle bleiben kann.

In der Vorstandstätigkeit sind es diese Momente, die Tierschutzarbeit immer wieder so besonders machen: „Helfen mit Herz“ – für ein Kaninchen, das dank der Hilfe und Zusammenarbeit vieler Menschen im Tierschutz leben darf.